1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Schweiz-Tatort „Risiken mit Nebenwirkungen“: Frauen unter sich

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Der Zürich-Tatort „Risiken mit Nebenwirkungen“ ist zeitgemäß und lahmt trotzdem.

Das Originellste an diesem mit Originellem nicht um sich werfenden Tatort ist der Umstand, dass Frauen das Geschehen weitgehend unter sich ausmachen. Als Opfer, Verdächtige, Zeuginnen, Angehörige, Schurkinnen justiziabler und moralischer Art, Ermittlerinnen sowie Chefinnen auf allen Ebenen. Die Welt wird dadurch nicht besser, was immer wieder eine Enttäuschung darstellt, jedoch wird sie auch nicht schlechter dadurch, und das ist das wesentlichere Argument.

Männer kommen außerdem ebenfalls vor, Otts und Grandjeans Helfer am Computer beispielsweise, der nette Noah Löwenherz (Aaron Arens), macht zwar Quatsch mit einem neuen Sprachprogramm – die Frauen können nur den Kopf schütteln –, andererseits wird sein Spieltrieb nachher noch von Nutzen sein.

Ott (l.) und Grandjean flankieren Löwenherz.
Ott (l.) und Grandjean flankieren Löwenherz. © SRF/Sava Hlavacek

Kritik zum Tatort aus Zürich (ARD): Geradlinig oder viel zu simpel

Von Nina Vukovic und Stefanie Veith ist das Drehbuch, Christine Repond führte Regie, aber ihr gar nicht unrealistischer Blick auf die Gesellschaft trifft auf ein Ausmaß an Langsamkeit in Handlung und Ausführung, dass „Risiken mit Nebenwirkungen“ den enttäuschenden Ludwigshafener Tatort-Saisonstart der vergangenen Woche letztlich bloß mit anderen Mitteln fortsetzt. Krasse Unlogik ist diesmal im kriminalistischen Vorgang nicht zu befürchten, dafür etwas, was die einen vielleicht Geradlinigkeit nennen werden, aber den anderen wird es bei weitem zu einfach sein.

Im Kern des Geschehens: eine Tragödie. Eine an einer Autoimmunkrankheit leidende Teenagerin, von Anouk Petri lakonisch und plausibel gespielt, nimmt an einer letzten Testreihe für ein neues, atemberaubend teures Medikament teil. Dass sich ihr Zustand dadurch anscheinend dramatisch verschlechtert hat, bringt das entsprechende Pharmaunternehmen in Verlegenheit. Eine zarte, harte, aber integer wirkende Anwältin, Sabine Timoteo, soll das regeln, bald darauf wird sie tot im Zürichsee gefunden.

Darsteller:inRolle
Anna Pieri ZuercherIsabelle Grandjean
Carol SchulerTessa Ott
Rachel BraunschweigAnita Wegenast
Aaron ArensNoah Löwenherz
Therese AffolterMartina Widmer
Benjamin GrüterMatteo Riva
Anouk PetriKlara Canetti
Annina ButterworthDorit Canetti
Peter JecklinCharlie Locher
Igor KováčMilan Mandic
Laura de WeckRegula Arnold
Sabine TimoteoCorinne Perrault
Robert Hunger-BühlerHubertus Gastmann

Dem Tatort aus Zürich (ARD) täten ein paar Abwege ganz gut

Die Zahl der Menschen, die ein Alibi brauchen, ist überschaubar, aber nicht läppisch: Die Anwältin war beliebt und beneidet, die gediegene Kanzlei, in der sie tätig war, strotzt nur so vor verdächtiger Schweizer Diskretion, allen voran die Chefin. Therese Affolter spielt sie tatsächlich mit einer packenden Zurückhaltung als Frau, die gelernt hat, nicht undurchschaubar, sondern nach allen Regeln der Kunst unsichtbar zu sein. Ein Zusammenhang zwischen dem Mord und dem mutmaßlichen Pharmaskandal liegt zudem ungemein nahe.

Während die verzweifelte Mutter des Mädchens die angebotenen Millionen durchaus genommen hätte, weist die Tochter das unmoralische Angebot rigoros zurück. Und während die junge Entwicklerin des Medikaments, Laura de Weck, aalglatt über alle Hindernisse und Zweifel hinweg redet, taucht aus dem Hintergrund Robert Hunger-Bühler auf, als Professor, mit dem sie einst gemeinsam daran arbeitete. Sie hat ihn beizeiten ausgebootet. Verkehrte Welt, aber nicht abwegig, dabei täten dieser Folge ein paar Abwege ansonsten gut.

Tatort in der ARD: „Risiken mit Nebenwirkungen“ leidet an einem Timing-Problem

Denn das entwickelt sich nun behäbiger, als Ott und Grandjean es verdient haben, Carol Schuler und Anna Pieri Zuercher. Unendlich viel Sendezeit bleibt, um Ott auf ihrem Fahrrad durch Zürich zu folgen und beiden allenthalben beim bedeutungsvollen Gucken zuzusehen. „Risiken mit Nebenwirkungen“ leidet an einem Timing-Problem oder einem kulturellen Missverständnis, was den Unterschied zwischen Intensität und Zeitschinden betrifft. Wie Grandjean das Wort „Jammerlappen“ gebraucht, ist hingegen allerliebst. Auch rappt sie am Ende noch rasch. Echt.

„Tatort: Risiken mit Nebenwirkungen“, ARD, So., 20.15 Uhr.

Ein Tatort, an dem es kalt ist, hat nach diesem Sommer eine geradezu utopische Dimension, selbst wenn man sofort an die Heizkosten denkt. Insgesamt bleibt Zeit, an allerlei zu denken. (Judith von Sternburg)

Auch der Tatort „Das Verhör“ mit Kommissarin Lena Odenthal in der vergangenen Woche hat nicht übermäßig begeistert: Ein Start mit mittelmäßigen Dialogen und einer eher routiniert-absehbaren als wirklich spannenden Geschichte.

Auch interessant

Kommentare