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Otte hat als Einzelner die Welt der Banken erschüttert.
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Otte hat als Einzelner die Welt der Banken erschüttert.

TV-Kritik: "Der große Steuerbetrug"

"Die Schweiz ist eine Räuberhöhle"

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
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Dokumentarfilmer John A. Kantara über den IT-Spezialisten Lutz Otte, der die Daten von Steuersündern verraten hat und dafür ins Gefängnis musste.

Die Geschichte erinnert natürlich an Edward Snowden. Der Mitarbeiter einer Geheimdienstbehörde hatte seine sichere Existenz preisgegeben, um die Abhörpraxis des US-Spionagedienstes NSA bekannt zu machen und so den weltweiten und nicht endenden Skandal in Gang gesetzt. In seinem Vorgehen ähnlich hat der IT-Spezialist Lutz Otte durch einen mutigen Schritt ein großes Beben ausgelöst: Er hat die Daten von Steuersündern verraten, die ihr Konto bei einer schweizer Bank hatten, weshalb Autor John A. Kantara seinen Film im Untertitel nun „Die Erlebnisse des Whistleblowers Lutz Otte“ nennt. Dieser Begriff war für den Finanzbereich bisher nicht üblich.

Aber Otte hat tatsächlich als Einzelner und aus eigenem Antrieb die Welt der Banken mit seinem Tun erschüttert. Wie Snowden war auch er ein externer Mitarbeiter, wie Snowden hat auch ihn das Unrecht empört, das er bei seiner Arbeit täglich sah: Millionensummen, die am Fiskus vorbeigeschleust wurden, weil die Bank (und die Gesetze der Schweiz) das möglich machten. Wie der Amerikaner hat Otte auch dafür büßen müssen, dass er das System angriff, aber heute, nach anderthalb Jahren Knast, ist er wieder in Freiheit und kann seine Geschichte dem Dokumentarfilmer erzählen.

Das tut er leidenschaftslos und stets mit einer gewissen Ironie, anders als seine Frau, die von den eidgenössischen Justizbehörden derart unter Druck gesetzt wurde, dass sie erheblich litt. Den Ermittlern genügte es nicht, ihren Gatten wegen Verletzung des Bankgeheimnisses hinter Gitter zu bringen, er musste sich auch noch einer Anschuldigung der Spionage erwehren.

Der Schurke ist die Schweiz

Im Film berichtet er, wie leicht es war, an die Daten zu kommen, aber wie schwierig, sie auch an die richtige Stelle zu bringen. Dabei half ihm ein ehemaliger Steuerfahnder, den er beim Golf kennengelernt hatte. Die Beziehung der beiden Männer bleibt allerdings mysteriös, obwohl beide dazu befragt werden; so wird nicht klar, wie Otte den Vermittler entlohnt hat.

Um so klarer wird der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter Borjans. Er sagt, dass die Erträge des Finanzamts durch den Kauf von Steuer-CDs um die fünf Milliarden Euro ausmachen. Und er sagt auch, dass niemals soviel Geld an den Staat geflossen wäre, hätte seinerzeit Finanzminister Wolfgang Schäuble sein Steuer-Abkommen mit der Schweiz durch den Bundesrat gebracht. Leider wird Schäuble dazu nicht gefragt, obwohl Kantaras Recherche durchaus vielseitig und aufwändig erscheint.

Der Schurke in diesem Stück ist aber die Schweiz. Dort gilt zum Beispiel Steuerhinterziehung nur als Ordnungswidrigkeit, wie Kantara berichtet. Den Verrat von Steuergeheimnissen aber verfolgte das Land bislang mit aller Härte – war das Bankengeheimnis doch ein Teil seiner Identität, Geldanlegern aller Herren Länder zu dienen – egal ob das Geld sauber oder auch mit Blut befleckt ist. „Die Schweiz ist eine Räuberhöhle“ findet denn auch Jean Ziegler, prominentester Kritiker seines Heimatlandes. Er glaubt trotz inzwischen geänderter Gesetze nicht an Besserung, und Autor Kantara zeigt denn auch, wie jetzt nicht mehr Geld, sondern Gold und Kunstwerke in sogenannten „Freihäfen“ gebunkert werden. Immerhin hat die Schweiz beschlossen, ab 2018 die Steuerdaten mit den anderen EU-Staaten auszutauschen. Man wird sehen, welchen Weg die Betrüger dann finden, um ihren unrechtmäßig erworbenen Reichtum zu sichern. Aber der kleine IT-Spezialist Lutz Otte hat indirekt bewirkt, dass die Schweiz sich von ihrer Identität als Tresor der Welt verabschiedet hat.

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