Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Michael Haneke gibt der Gewalt auch mediale Unverträglichkeit zurück.Der Film soll eine Zumutung sein und ist eine. Michael Pitt, Naomi Watts, Brady Corbet.
+
Michael Haneke gibt der Gewalt auch mediale Unverträglichkeit zurück.Der Film soll eine Zumutung sein und ist eine. Michael Pitt, Naomi Watts, Brady Corbet.

"Funny Games U.S."

Schwarze Pädagogik

Gewalt zur Unterhaltung: "Funny Games U.S." ist eine einzige Zumutung - und genau das soll der Film von Michael Haneke auch sein.

Von xxmk

Mit jedem Spielfilm Michael Hanekes erneuert sich ein im Kino einmaliger Vertrag. Das Publikum investiert seine Schaulust in die projizierten Bilder und erwirbt dafür das Recht, genau dieses Umstands überführt zu werden. Insbesondere die Komplizenschaft mit der zur Schau gestellten Gewalt nimmt Haneke aufs Korn, weshalb er uns immer wieder mit Genrevariationen auf falsche Fährten führt. Erst mit der Düpierung ästhetischer Gewohnheiten ist er ganz in seinem Element. Ein Rücktrittsrecht ist dabei selbst dann nicht vorgesehen, wenn der Regisseur wie jetzt mit "Funny Games U.S." ein bloßes Déjà-vu auf die Leinwand bringt.

In der vor zehn Jahren erschienenen Version des Films ließ Haneke Ulrich Mühe und Susanne Lothar die Hauptrollen spielen, jetzt ist die Besetzung mit Naomi Watts und Tim Roth prominenter und der erhoffte Wirkungskreis entsprechend großzügiger gesteckt. Ansonsten ähneln sich die beiden Fassungen aufs i-Tüpfelchen, Haneke hat die Kamera lediglich an der amerikanischen Entsprechung des Wörthersees aufgestellt. Wieder fährt ein wohlhabendes Ehepaar mit ihrem zehnjährigen Sohn übers Wochenende aufs Land und vertreibt sich die Reisezeit mit kulturellen Knobeleien.

Auf dem Weg stoppen sie bei ihren Nachbarn, die in der Gesellschaft zweier proprer junger Männer sind, halten ein kurzes Schwätzchen zum Autofenster hinaus und wundern sich ein wenig über die beklommene Reaktion der Freunde. Noch beim Auspacken erhalten sie Besuch von den beiden Fremden, die sich erst als wohlerzogene Hausplage erweisen und dann in sadistische Quälgeister verwandeln.

Den Ehemann setzen sie mit einem Golfschläger außer Gefecht, fesseln Ehefrau und Kind und demütigen ihre Gefangenen reihum nach Lust und Laune. Dass die beiden die Frage nach den Motiven ihres Handelns mit sarkastischen Parodien quittieren, bildet das Fundament des grausamen Spiels. Schließlich wetten die clownesken Peiniger mit sich selbst, dass ihre Opfer die nächsten zwölf Stunden nicht überleben werden, erschießen wie aus Versehen den Sohn und überlassen die Eltern scheinbar ihrem Schicksal.

Das alles ist schrecklich genug mit anzusehen und doch erst die halbe Geschichte von "Funny Games U.S". Der Alptraum legt eine Kunstpause ein und wandelt sich danach endgültig zum Lehrstück. In der zentralen Szene spult einer der Eindringlinge mit der Fernbedienung Hanekes Film zurück und verschließt dem Ehepaar damit das letzte Schlupfloch. Selbst wer mit den Opfern leidet und den Tätern ein jähes Ende wünscht, macht sich in Hanekes Augen schuldig, weil er sich von Mord und Totschlag manipulieren und unterhalten lässt.

Doch Gewalt ist alles, nur nicht unterhaltsam, und so stößt Michael Haneke sein Publikum nicht nur auf ein stillschweigendes Einverständnis, er gibt der Gewalt auch ihre mediale Unverträglichkeit zurück. So wie Haneke die Konventionen des Horrorfilms beständig unterläuft und zugleich karikierend auf die Spitze treibt, ist "Funny Games U.S." eine einzige Zumutung - und genau das soll der Film auch sein.

Von diesem Bekenntnis zur strafenden Pädagogik ist Haneke seit seinen Anfängen kein bisschen abgerückt. Stattdessen trägt er sein Remake ins von ihm ausgemachte Herz der medialen Finsternis: das Genrekino Hollywoods. Einerseits hat er damit natürlich recht, denn immer noch wird auf der Leinwand zur Unterhaltung des Publikums gestorben. Allerdings lässt auch diese Neuauflage Zweifel daran, ob Michael Haneke tatsächlich verstanden hat, was er zu entlarven glaubt, und ob der rigide Moralist in ihm nicht etwas zu glatt in der Rolle des Agent Provocateur aufgeht. Ständig soll sich der Zuschauer in seiner Schaulust ertappt fühlen, während sich Haneke ergriffen vor seiner eigenen Unerschrockenheit verneigt.

Am Ende geht man mit der Einsicht nachhause, dass nicht nur die Darstellung der Gewalt abstumpfen lassen kann, sondern auch ihre Kritik.

Funny Games U.S., Regie: Michael Haneke, USA 2007, 112 Minuten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare