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Der ehemalige Nationalspieler Gerald Asamoah spricht in der Dokumentation „Schwarze Adler“ über den Rassismus im deutschen Fußball.
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Der ehemalige Nationalspieler Gerald Asamoah spricht in der Dokumentation „Schwarze Adler“ über den Rassismus im deutschen Fußball.

TV-Kritik

„Schwarze Adler“ (ZDF): Über Rassismus und Gewalt im Fußball

  • Tilmann P. Gangloff
    VonTilmann P. Gangloff
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Der ZDF-Dokumentarfilm „Schwarze Adler“ zeigt die dunkle Seite des Fußballs: Rassismus und Übergriffe auf Personen, die einfach nur eine andere Hautfarbe haben.

Frankfurt – Als im Frühjahr 2020 die Bundesligapartie zwischen Hoffenheim und Bayern München kurz vor dem Abbruch stand, weil in der Münchner Kurve wieder eines jener unsäglichen „Hurensohn“-Transparente gegen Dietmar Hopp erschienen war, schämte sich FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge über das „hässliche Gesicht des FC Bayern“. Vorangegangen war eine Kollektivstrafe des Deutschen Fußballbunds gegen die Fans von Borussia Dortmund. Damals gab es empörte Reaktionen, warum der DFB bei rassistischen Schmähungen nicht ähnlich hart durchgreife.

Tatsächlich ist die Injurie keinesfalls beleidigender als die Diskriminierungen, die Spielerinnen und Spieler mit dunkler Hautfarbe regelmäßig erfahren müssen; und davon erzählt Torsten Körner in seinem Dokumentarfilm „Schwarze Adler“, der am Freitagabend (18.06.2021) im ZDF ausgestrahlt wird. Er beginnt mit einer Warnung: Der folgende Film, heißt es, zeige „womöglich traumatisierende Inhalte wie rassistische Beleidigungen, Übergriffe und rassistische motivierte Gewalt“. Was zunächst übertrieben wirkt, entpuppt sich als absolut angebracht: „Schwarze Adler“ ist eine erschütternde Chronik der Diskriminierungen, die deutsche Fußballspielerinnen und Fußballspieler mit dunkler Hautfarbe seit fünfzig Jahren erleben.

Dokumentation über Rassismus im Fußball: Betroffene Menschen erzählen ihre Geschichten

Rassismus in den Stadien ist hinlänglich bekannt. Aktionen von Fifa, Uefa und DFB („Respect“) weisen immer wieder auf diese Problematik hin. Das Beispiel von Jordan Torunarigha, der im Februar 2020 beim Pokalspiel seiner Hertha bei Schalke 04 so lange rassistische Beleidigungen anhören musste, bis ihm schließlich der Kragen platzte, verdeutlicht, wie fruchtbar dieser Schoß noch ist; Körners kurzer Rückgriff auf Propagandabilder aus der Zeit des Nationalsozialismus lassen keinen Zweifel daran, wo er die Wurzel des Übels sieht.

Schwarze Adler
Laufzeit1 Std. 41 Minuten
RegieTorsten Körner
MitwirkendeGerald Asamoah, Otto Addo, Anthony Baffoe, Cacau, Jimmy Hartwig, Steffi Jones, Erwin Kostedde, Jean-Manuel Mbom, Patrick Owomoyela, Shary Reeves, Jordan Torunarigha, Guy Acolatse, Rigobert Gruber, Beverly Ranger

Neu an seinem hundert Minuten langen Film ist die geballte Betroffenheit der Menschen, um die es geht. Sie alle treten als Kronzeugen in eigener Sache auf: Erwin Kostedde war in den Siebzigern der erste Nationalspieler, der anders aussah als seine Kollegen, was ihm offenbar nicht nur die Fans, sondern auch die Mitspieler verübelten. Shary Reeves, die später TV-Moderatorin wurde („Wissen macht Ah!“), musste sich als Jugendspielerin vom damaligen Nationaltrainer Gero Bisanz sagen lassen, dass sie in seiner Elf keine Zukunft habe; und diese Aussage hatte offenkundig nichts mit ihrem Talent zu tun.

Rassismus-Doku im ZDF: Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft

Aber der Fußball war und ist nur ein Spiegel der Gesellschaft. Fast alle Männer und Frauen berichten von potenziell verstörenden rassistischen Erfahrungen, die sie bereits in jungen Jahren erlebt haben. Ihre Mütter, erzählen Jimmy Hartwig (Jahrgang 1954) und Steffi Jones (1972), beide Kinder amerikanischer Soldaten, wurden als „Negerhure“ beschimpft; Reeves wurde an ihrer Schule wie eine Aussätzige behandelt. Otto Addo sagt gegen Ende des Films, dass man sich irgendwann selbst so sehe, wie man von den anderen gesehen werde.

So können Sie die Dokumentation schauen

Die Dokumentation „Schwarze Adler“ wird am Freitag, 18.6.2021, im ZDF gezeigt (23.30 Uhr). Ebenfalls zu sehen ist sie in der ZDF-Mediathek.

Darüber hinaus präsentiert Körner TV-Ausschnitte, für die den Verantwortlichen noch heute Schimpf und Schande gebührt, selbst wenn sich entschuldigend anmerken ließe, dass auch sie nur Kinder ihrer Zeit waren. Als die Jamaikanerin Beverly Ranger 1976 in der ARD-„Sportschau“ für ihr „Tor des Monats“ ausgezeichnet werden sollte, erklang zur Einstimmung das Vico-Torriani-Lied „Schön und kaffeebraun“ („…sind die Jamaica-Frau’n“). Die Redaktion hielt das vermutlich für einen gelungenen Scherz, der im Vergleich zu den Hasstiraden in den Stadien in der Tat harmlos klingt; aber natürlich gehört beides zusammen.

Dokumentation über Rassismus im Fußball kommt ohne klassischen Kommentar aus

In einer „Satiresendung“ aus dem Jahr 1964 wurde behauptet, dass „kleine Negerkinder“ im Paradies erst mal weißgewaschen würden. Körner hatte die Idee zu seinem Film, als ihm auf einem Persil-Karton der Hinweis auf die Nationalmannschaft auffiel. Der abgebildete Fantasiekicker hatte eine weiße Hautfarbe, die Mitspieler waren nur von hinten zu sehen.

Wie schon zuvor bei „Die Unbeugsamen“ (2021), seiner Hommage an die Pionierinnen der Bonner Republik, kommt Körner auch diesmal ohne Kommentar aus. Das Wort haben einzig und allein die Betroffenen, deren Schilderungen ein bestürzendes Gesamtbild ergeben. Der abwechslungsreich gestaltete und klug konzipierte Film folgt zwar einer gewissen Chronologie und erzählt auf diese Weise viel über die (west-)deutsche Geschichte, erlaubt sich aber auch Zeitsprünge oder Vorgriffe auf Aspekte, die erst später behandelt werden. Produziert wurde „Schwarze Adler“ von Leopold Hoesch, dessen Firma Broadview Pictures auch die nicht minder sehenswerten Sportlerporträts „Kroos“ und „Klitschko“ hergestellt hat. (Tilmann P. Gangloff)

Rassismus spielt auch bei der derzeit ausgetragenen Europameisterschaft eine große Rolle. So wurde der österreichische Nationalspieler Marko Arnautovic wegen einer rassistischen Beleidigung gesperrt.

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