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Die Gäste der ARD Talkshow Menschen bei Maischberger am 15.09.2015 mit dem Thema „Rente ist schrecklich! Die Lüge vom glücklichen Ruhestand!“ Wolfgang Prosinger, l-r, Karl Dall, Heidi Steenbock, Gertrud Höhler, Leni Breymaier, Sandra Maischberger und Abraham Teuter.

Menschen bei Maischberger, ARD

Das Schreckgespenst Rente

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Über das Thema Rente diskutierten die Gäste bei Sandra Maischbergers ARD-Talk. Auch das notwendige Fünkchen Konflikt darf nicht fehlen.

„Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein.“ Wohl niemand hat das Drama des Ruhestands so herzzerreißend komisch auf den Punkt gebracht wie Loriot in dieser Szene aus „Pappa ante Portas“. Sie beschreibt, wie der soeben in den Ruhestand versetzte Mann verzweifelt nach neuen Aufgabenfeldern sucht – und dabei nicht davor zurückschreckt, Senf in rauen Massen zu ordern, um einen Preisnachlass heraushandeln zu können.

„Rente ist schrecklich! Die Lüge vom glücklichen Ruhestand!“ Die Redaktion der Talkshow von Sandra Maischberger umreißt es in dem Titel zur Sendung noch etwas drastischer. Und hat den Journalisten Wolfgang Prosinger eingeladen, der vehement im Sinne der aufgestellten These argumentiert. „Wäre die Rente ein Medikament, würde man sie verbieten, wegen der Nebenwirkungen, sagte der 67-jährige Autor. Selbstverständlich spart er nicht an drastischen Beispielen: Es gebe mehr Selbstmorde, mehr Depressionen und mehr Alkoholismus, nachdem die Rente begonnen habe.

Damit das notwendige Quantum Konflikt in der Sendung nicht fehlt, sind der zwangspensionierte Lehrer Abraham Teuter und die Verdi-Funktionärin Leni Breymaier eingeladen. Wer Teuter reden hört, hat unweigerlich den Eindruck: Der 67-Jährige ist ein Lehrer, wie viele ihn sich für ihre Kinder wünschen würden. Einer, der verstanden hat, dass ein guter Pädagoge die jungen Menschen im Klassenzimmer begeistern muss – weil er dann nicht so sehr darauf angewiesen ist, die Schüler durch Notendruck zu disziplinieren. Vor allem sagt Teuter: „Es macht mir Spaß.“

Doch der Mann mit den angegrauten Locken musste vor zwei Jahren in Pension – gegen den eigenen Willen. Sein Antrag auf Dienstverlängerung wurde abgelehnt. Dagegen hat Teuter geklagt, jetzt aber in zweiter Instanz verloren. Aufgeben will er aber nicht, sondern er kündigt an, notfalls bis vor den Bundesgerichtshof zu ziehen. Um, so sagt er, gegen „diese Altersdiskriminierung“ zu kämpfen.

Leni Breymaier ist hingegen in anderer Mission in die Sendung gekommen. „Ich kämpfe hier für die Leute, die kaputtgehen beim Arbeiten.“ Für jene, die nicht mehr könnten. Die in Rente gehen wollten, denen jene aber durch den Riester-Faktor und den, wie Breymaier es formuliert, „Weiß-der-Geier-Faktor“ gekürzt würde. Es ist der Klassiker eines sinnlosen, von der Redaktion schlecht geplanten Talkshow-Konflikts. Schließlich hat Teuter ja gar nichts dagegen, dass andere in Rente gehen dürfen. Er will nur selbst länger arbeiten.

Heidi Steenbock hingegen muss weiter arbeiten, weil sie das Geld zum Leben braucht. Die 66 Jahre alte Bäckereifachverkäuferin hat nach eigenen Angaben nur noch 170 Euro über, wenn sie von ihrer Rente die Miete und alle Fixkosten abzieht. Sie als Beispiel für eine raue soziale Realität in die Sendung zu bitten, ist eine gute Idee gewesen – einerseits. Andererseits ist ihr Fall kompliziert, weil ihre Probleme viel mit einer missglückten Selbstständigkeit zu tun haben. Und sie sagt selbst, dass sie auf jeden Fall eine Beschäftigung im Alter möchte. „Wenn ich das Geld hätte, dann würde ich etwas Ehrenamtliches machen.“

Die Publizistin Gertrud Höhler wirbt dafür, das Potenzial der älteren Menschen zu nutzen, erklärt aber auch, diese dürften das Thema selbst nicht zu defensiv angehen. Das macht Karl Dall auf keinen Fall. „Bevor ich zu Hause sitze und die Familie nerve, gehe ich lieber auf die Bühne“, sagt der Entertainer. Andererseits wirft er der britischen Queen vor, ihren Platz im Rampenlicht nicht aufzugeben: „Dass sie ihren Sohn nicht ranlässt, das finde ich sehr schäbig.“

Was bleibt von der Sendung? Vielleicht einfach die Erkenntnis, dass die Bedürfnisse von Rentnern sehr unterschiedlich sind. Und dass die Menschen eine Chance für individuelle Lösungen brauchen, während der Eintritt in den Ruhestand in Deutschland sehr starr geregelt ist.

Oder, wie Herr Lohse in Loriots „Pappa ante Portas“ zu seinem Sohn sagt: „Deine Mutter und ich, wir sind ja nicht von Natur aus alt.“

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