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Vor Gericht treffen sie sich wieder: Mutter und Hebamme, Friederike Becht (l.) und Nina Kunzendorf.
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Vor Gericht treffen sie sich wieder: Mutter und Hebamme, Friederike Becht (l.) und Nina Kunzendorf.

"Nacht der Angst"

Im schlimmsten Fall

Im ZDF-Film „Nacht der Angst“ spielt Nina Kunzendorf eine edle, aber gebeutelte Hebamme. Es geht um eine furchtbar misslungene Geburt.

Hier geht es um zwei hochbrisante Themen. Erstens: Wer vor nicht zu langer Zeit ein Kind bekommen hat oder Mütter kennt, weiß von den ideologischen Gefechten um die „natürliche Geburt“. Sie ist, je nachdem, der einzige rechte Weg oder esoterischer Quatsch. Selbst die sympathische Hauptfigur in „Nacht der Angst“ wird mit den Worten zitiert, jedes Kaiserschnitt-Kind habe einen Knacks. Zweitens: Freiberufliche Hebammen sind mittlerweile mit einer horrenden Haftpflichtversicherungssumme konfrontiert und dieses Problem dürfte im kommenden Sommer mit dem Ablaufen des letzten derzeit bestehenden Gruppenvertrags weiter eskalieren.

Im Film, im Drama von Gabriela Zerhau (Buch und Regie) kommt beides zusammen zum schlimmstmöglichen Szenario, zur vielleicht am meisten mit Angst besetzten Variante. Im Geburtshaus misslingt eine Geburt, die Schwerstbehinderung des Kindes bleibt mysteriös, hätte aber bei schnellerer ärztlicher Hilfe vielleicht, vermutlich verhindert werden können.

Die Umstände sind ungut und dramatisch – aber hier muss man doch sagen: das Leben ist es manchmal auch –, die Hebamme wollte die Frau ins Krankenhaus bringen, die durch eine übel verlaufene Krankenhausgeburt traumatisierte Schwangere hat ihr aber keine Wahl gelassen, außerdem geht auf einmal alles furchtbar schnell. Geschickt und ohne Melodram – es ist schlimm und man sieht, dass es schlimm ist – erzählt Zerhau das nach und nach in Rückblenden.

Jetzt treffen sich die beiden Frauen vor Gericht wieder. Dass die Schwiegermutter die Klage vorangetrieben hat, ist nicht so abwegig, vor allem nicht, wenn Eleonore Weisgerber die adrette Familienrächerin spielt. Wie aus freundlichen Leuten Rechthaber und Vergeltungsmaschinen werden, auch davon weiß Zerhau unangenehm einleuchtend zu erzählen. Dass sich das Gerichtsverfahren um eine bestimmte Lüge dreht und die vorrangige Frage für den Zuschauer (und die arme Hebamme) sein wird, ob sich diese Lüge beizeiten aufklärt, ist das einzige wirklich enorm vereinfachende Element, das Zerhau sich erlaubt.

Abrechnung der Durchschnittlichen

Anregend, aber nicht zu belehrend ist die Fülle der Positionen und Argumente, fein sind die kurzen Szenen aus dem Leben der Hebammen und Mütter, edel ist die Besetzung mit Peter Lerchbaumer als grimmigem Nebenklageanwalt, Johann von Bülow als fiesem Staatsanwalt oder Friederike Becht und Marcus Mittermeier als Ehepaar. Vor allem für Becht als junge Mutter und Schlüsselfigur auch des Prozesses interessiert sich Zerhau, lässt uns in ihre bewegte Vergangenheit blicken und weiß zugleich gut, dass man Rätsel und Andeutungen bisweilen stehen lassen sollte.

Trotz allem ist das aber ein Film für Nina Kunzendorf. Wie wenig sie tun muss, um immer die Mitte des Geschehens zu sein. Das ist auch die Stärke und das Problem der Hebamme, deren Charisma die Frauen anzieht, deren Fleiß ihre Familie nervt, deren Edelmut ihre Kolleginnen manchmal gegen sie aufbringt. Vor Gericht wird eine Menge dreckige Wäsche gewaschen. Zwischendurch dämmert einem, dass man hier auch einer Abrechnung des Durchschnitts mit einem Menschen beiwohnt, der es besser machen will und sich jetzt Eitelkeit, Egoismus und Selbstgerechtigkeit vorwerfen lassen muss. Das Schlimmste ist, dass da etwas dran ist, wenn auch nicht viel.

So viel verhandeln zu können, ohne einen Beratungsbogen zu fabrizieren, das ist eine ungewöhnliche Leistung.

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