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Die Gäste der ARD Talkshow Menschen bei Maischberger: Franz Meurer, l-r, Sarah Wiener, Martin Semmelrogge, Abi Ofarim, Irina Beller und Moderatorin Sandra Maischberger.

"Menschen bei Maischberger", ARD

Schlecht, wenn man kein Geld hat

Sandra Maischberger lässt über Geld diskutieren. "Ist jeder seines Glückes Schmied?" fragt sie in die Runde. Und: Was geschieht, wenn der Lebenstraum sich nicht erfüllt und man vor dem Ruin steht?  

Von Anne Schneemelcher

Mit 24 Jahren hat Irina Beller beschlossen sich einen Millionär zu angeln. Denn Geld macht sie glücklich. Heute weiß sie, dass sie ihren Mann liebt und dass sie auch nach einer möglichen Scheidung nicht am Hungertuch nagen würde. Das kann TV-Köchin Sarah Wiener gar nicht verstehen, denn Geld ist in ihren Augen nicht alles. Auch wenn sie mit elf Jahren wie Beller von einem Prinz geträumt hat, der sie auf seinem Schimmel in ein Schloss entführt. Doch dann hat sie sich dazu entschieden, ihr eigenes Geld zu verdienen, nur dass mache sie stolz. Sandra Maischberger hat mit ihren Gästen über Reichtum diskutiert und darüber, ob jeder seines Glückes Schmied ist.

Auch der Schauspieler Martin Semmelrogge ist zu Gast bei Sandra Maischberger und bestimmt oftmals den Ton. Im Januar hat er Privatinsolvenz angemeldet. Aus seiner Sicht eine zweite Chance, denn nur so vertrauen ihm die Auftraggeber. Mit dem Film „Das Boot“ erlangte der heute 59-Jährige damals seinen schauspielerischen Durchbruch. Ein ausschweifender Lebensstil, Drogen und mehrere Vorstrafen endeten in einem sechsstelligen Schuldenhaufen. Und dennoch beschreibt er den jetzigen Abschnitt als die beste Zeit seines Lebens. Denn Semmelrogge hat aufgeräumt, ist zu einem regelrechten „Theatertier“ geworden. Irgendwann müsse man auch mal auf die Schnauze fallen, sagt er in der Sendung. Während man in Amerika einfach immer wieder aufstehen könne, werde man in Deutschland als „Looser“ abgestempelt. Obwohl er doch nur das Finanzamt vergessen hat: „Wenn Du auf der Bühne stehst, kannst Du nicht die Steuer im Kopf haben", verteidigt er seine derzeitige Lage.   

Ofarim fährt VW statt Rolls Royce

Ganz im Gegensatz zu Abi Ofarim. Auch er musste nach seiner steilen Musikkarriere in den Sechziger Jahren mit Duett-Partnerin Esther Ofarim einen Berg Schulden abzahlen. Für Privatinsolvenz war er aber zu eitel. Stattdessen stotterte er die Million bis zu seinem 70. Geburtstag ab. Heute lebt  der 78-Jährige von 58 Euro Rente und Gema-Einnahmen. Aber er wisse wenigstens, wer seine echten Freunde sind, auch hat er den Rolls Royce gegen eine VW eingetauscht und lebt damit glücklicher.

Ohne Geld möchte Irina Bella nicht mehr auskommen. „Ich bin im Dreck aufgewachsen, aber ich will das nicht mehr“, sagt sie. So kam sie auch zu ihrem Mann – einem reichen Schweizer Bauunternehmer. Die gebürtige Ukrainerin hat sich nach Armuts-Erfahrungen bewusst den reichen Gatten an Land gezogen, mit Tricks und Strategie. Denn: „Mit Geld bekommst du in dieser Gesellschaft Anerkennung“, behauptet die 42-Jährige.  Geld mache einfach alles leichter, auch weil man damit vielen Menschen helfen könne. Zumindest dann, wenn wir alle beteiligen würden, gibt ihr Franz Meurer Recht. Der katholische Priester ist in Köln als „Armuts-Pfarrer“ in benachteiligten Vierteln unterwegs. Er stimmt der Millionärs-Gattin zu, dass sich Menschen über ihren Besitz definieren und so zu Anerkennung kommen. Doch Schuld sei die Gesellschaft, dass viele arm geborene Kinder nicht den Sprung auf der Karriere-Leiter nach oben schaffen. Die Selbstsicherheit fehle ihnen. Es reiche nicht, dass Eltern ihrem Nachwuchs Mut machen, so lange sie in einer Gesellschaft der Angst aufwachsen oder es sich in der „sozialen-Hängematte“ des Staates bequem machen können.

Von der Tellerwäscherin zur Millionärin

Das versteht besonders TV-Köchin Sarah Wiener. Mit  16 Jahren hat sie die Schule abgebrochen, ist früh Mutter geworden und ließ sich schnell vom Sozialamt die Würde nehmen. „Ich hatte wenig Energie mich dagegen zu wehren“, sagt sie. Doch die Unternehmerin hat es geschafft und sich hoch gearbeitet. Nicht, um sich von dem Lohn mit materiellen Status-Symbolen auszustatten, sondern um sich zu verwirklich und um etwas Eigenes zu schaffen. Da ist ihr in der Diskussions-Runde der „leichtere“ Weg ein Dorn im Auge. Vor allem die Entscheidung, die die Millionärs-Gattin Beller in Punkto Ehemann traf.

Geld für andere sammeln

"Geld ist ja nur Papier - nur Scheiße, wenn man's nicht hat!“, bewertet Semmelrogge die Debatte. Da sind sich alle einig. Auch Sänger Ofarim, der früher immer nur wusste, dass genug auf dem Konto liegt. Da hat er sich auch keine Gedanken gemacht, wenn er mal einen Jaguar verschenkt hat. Doch das habe sich geändert. Ein Monat Untersuchungshaft habe ihm gereicht, um das Leben neu zu erfüllen. Wie andere Talk-Gäste auch, engagiert er sich ehrenamtlich. In seinem Verein „Kinder von Gestern“ fördert er den Austausch der Generationen. Senioren und Jugendliche spielen zusammen Computer und machen Musik. Durch Wohltätigkeitskonzerte sammelt er heute Geld, statt es zu verprassen. Zumindest macht es nicht glücklich, tausende Euro für Handtaschen auszugeben, „das ist einfach hohl im Kopf", stimmt Semmelrogge der Debatte ums Geld zu.

 

 

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