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Anne Will lässt über die Rente diskutieren.
Anne Will lässt über die Rente diskutieren. © Screenshot

Wann zahlen die Zocker und Spekulanten endlich für die Finanzkrise, fragte Anne Will die Runde. Ab morgen, machte Rainer Brüderle die Fernsehzuschauer glauben. Dann will er endlich mit dem Regieren anfangen. Von Natalie Soondrum

Von Natalie Soondrum

Natürlich machte FDP-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle keine gute Figur bei Anne Will. In der gestrigen Talk-Show ging es um die Frage, wann die Spekulanten endlich für die Krise zur Rechenschaft gezogen werden. Eine vielsagende Antwort gab Brüderle als Vertreter einer wirtschaftsnahen Partei, indem er zugab, im ersten halben Jahr seiner Regierungszeit nicht genug getan zu haben - und das mitten in der Euro-Krise. "Der Start war holprig", sagte der Minister und lächelte ein wenig einfältig.

Der neue Deutschlandtrend hat ergeben, dass 74 Prozent der bundesrepublikanischen Bevölkerung nicht daran glauben, dass die Politik den Finanzmarkt unter Kontrolle bringen kann, so verkündete Anne Will. Kein Wunder, denkt der Zuschauer vor dem Fernseher und so billig sollte man den Brüderle aber nicht davon kommen lassen. Es ist schließlich seine Aufgabe, den Markt zu regeln, dafür ist er gewählt worden.

Auch Jürgen Trittin war der Auffassung, dass die Politik durchaus nicht machtlos ist, sondern einfach die Aufgaben nicht erledigt. Nach der Krisevon 2008, die dadurch ausgelöst worden war, dass Banken ungestraft Ramschpapiere verkaufen konnten, und direkt nachdem das Bankenrettungspaket beschlossen worden war, habe Deutschland im Europarat ein Gesetz verwässert, dass dafür gesorgt hätte, dass Banken für faule Wertpapiere, die sie in Umlauf brächten mit Verantwortung übernehmen müssten. "Wir regieren erst seit sechs Monaten", bemerkte der Wirtschaftsminister daraufhin zufrieden.

Außerdem plädierte Trittin nochmals für die Gründung einer europäischen Ratingagentur. Doch leider wurde das Thema nicht vertieft. Stattdessen beteuerte Susanne Schmidt, Tochter des Altkanzlers Helmut Schmidt, die nach wie vor auf PR-Tour für ihr neues Buch ist, und ansonsten leider nicht viel Interessantes zu Fachdiskussionen beiträgt, "Politik sei die einzige Hoffnung" - und nicht die Hedgefonds seien an allem Schuld, sondern Banken mit Lizenzen.

Warum die Banken retten?

Für Hedgefondsverkäufer Markus Sievers sind sowieso nicht die Spekulanten, sondern die Finanzpolitiker Schuld an der aktuellen Krise. Hätten Sie rechtzeitig gespart und nicht exorbitante Schulden gemacht, gäbe es keine Probleme. Der Einspieler, der zeigte wie der Finanztest die Produkte seiner Firma schlecht, auch weil zu teuer, bewertet hatte, konnte ihn nicht beeindrucken. Es gebe für jedes Produkt seiner Firma den richtigen Kunden, das sei eine Frage der individuellen Bewertung. Die vom Finanztest hätten davon womöglich keine Ahnung.

Erfrischend wirkte dagegen Daniel Goeudevert, der mal Stellvertreter von Piech bei VW war und wegen seiner unorthodoxen Ansichten rausflog. Er sagte, er hätte die maroden Banken nicht gerettet, sondern sie pleite gehen lassen und Manager, die gezockt hätten, nach Hause geschickt. Oder warum habe man Lehman Brothers eingehen lassen und nicht die Citigroup? Weil die Citigroup eine große Bank sei und deswegen wichtiger? Es gebe kein rationales Kritierium Und warum überhaupt Banken retten?

30.000 Firmen gehen jedes Jahr in der Bundesrepublik ein, bestätigte Brüderle seinem Sitznachbarn. Wozu retteten Regierungen denn eigentlich Banken, wenn diese nicht ihrer Aufgabe nachkämen, die Realwirtschaft zu stärken, indem sie zum Beispiel Kredite vergibt, so Goeudeverts Frage. Das Verhältnis zwischen Finanz- und Realwirtschaft sei verrutscht, konstatierte er grimmig.

Brüderles Argument vom "systemischen" Charakter des Finanzsektors, dessen Funktionsfähigkeit auf jeden Fall aufrechterhalten werden muss, wirkte auf einmal schrecklich dünn. Aber wenigstens will seine Partei jetzt endlich mit dem Regieren anfangen.

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