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Die alkoholkranke Julia (Tilda Swinton) hat einen Jungen entführt, umdessen Großvater um zwei Millionen Dollar zu erleichtern.
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Die alkoholkranke Julia (Tilda Swinton) hat einen Jungen entführt, umdessen Großvater um zwei Millionen Dollar zu erleichtern.

"Julia"

Schauspielerische "Tour de Force"

Die mit dem Oskar ausgezeichnete Schauspielerin Tilda Swinton verkörpert in dem frei nach John Cassavetes legendärem Melodram "Gloria" realisierten Thriller eine Alkoholikerin, die zur Verbrecherin wird.

Hamburg (dpa) - Für die in diesem Jahr mit dem Oscar für die beste weibliche Nebenrolle ausgezeichnete Tilda Swinton bedeutet "Julia" nach eigenem Bekunden einen "Markstein in der schauspielerischen Laufbahn". "Es war großartig für mich, mit voller Wucht einen komplizierten Charakter an der Grenze fern der Grenzen üblicher Biografien spielen zu dürfen", sagte die britische Star-Aktrice.

Tatsächlich absolviert Tilda Swinton in dem frei nach John Cassavetes legendärem Film-Melodram "Gloria" aus dem Jahr 1980 realisierten Thriller eine schauspielerische "Tour de Force".Vehement verkörpert sie eine Alkoholikerin, die aus Geldnot zur Verbrecherin wird und verzweifelt versucht, einen von vornherein aussichtslos erscheinenden Kampf gegen ein ganzes Heer gewiefter Gangster zu gewinnen.

Tilda Swinton ist "Julia", eine Säuferin, Amateurnutte und notorische Lügnerin. Freunde hat die Mittvierzigerin kaum. Permanent steckt sie in finanziellen Nöten. Bei einem Treff der Anonymen Alkoholiker lernt sie Elena (Kate del Castello) kennen. Die Mexikanerin bittet Julia darum, ihren beim schwerreichen Großvater lebenden Sohn Tom (Aidan Gould) zu entführen. Das Lösegeld soll geteilt werden. Wieder einmal verzweifelt auf der Jagd nach Dollars, zieht Julia den Coup allein durch. Sie will die gesamte Summe für sich. Doch mit der Verzweiflungstat entfesselt sie geradezu einen Orkan brutaler Gewalt, der sich vor allem gegen sie selbst zu richten droht.

Uraufgeführt wurde der von Regisseur Eric Zonca rasant inszenierte Psychokrimi im Februar dieses Jahres im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin. Beim Berlinale-Publikum fand der Film ein geteiltes Echo. Die einen waren hingerissen von Tilda Swintons extrovertiertem Spiel, viele andere störten sich an ihrer mitunter fast exhibitionistisch anmutenden Darstellung und empfanden diese als überzogen.

Die Wirkung des Films auf den einzelnen Zuschauer hängt in der Tat enorm davon ab, wie sehr er sich Tilda Swintons Performance hingeben kann oder nicht. Dabei zieht jedoch wohl jeder den Hut vor dem Mut der Schauspielerin zur Hässlichkeit. Derart schonungslos wurde der Verfall einer Frau durch Alkoholmissbrauch im Kino wohl noch nie gezeigt. Swinton beschönigt nichts, ob sie die Protagonistin nun betrunken zeigt oder bei schmierigem Sex.

Besonders interessant ist daneben, wie Tilda Swinton die Gefühlskälte der Frau aufdeckt, ohne sie als Luder zu denunzieren.Julia wird durchaus als Opfer einer Gesellschaft gezeigt, in der fast nur noch die Stromlinienförmigen und Angepassten Aussicht auf dauerhaften Erfolg haben. Schade, dass die Handlung mitunter logische Fehler aufweist, die das Geschehen mehr und mehr unglaubwürdig erscheinen lassen und deshalb die Spannung nehmen.

Für die 1960 geborene Tilda Swinton hat der Film neben der Erfüllung ihrer schauspielerischen Leidenschaft eine weitere wichtige Bedeutung, wie sie betonte: "Hier ist endlich wieder einmal ein Film entstanden, der beweist, dass eine Frau jenseits des Teenie-Alters die aufregende Hauptfigur in einem ernsthaften Spielfilm für das breite Publikum sein kann."

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