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"Sieben Mulden für eine Leiche"

Schamlos

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Thomas Haemmerlis Messie-Porträt.

Was bleibt übrig, wenn ein Mensch stirbt? Im Normalfall zumindest ein letzter Respekt, der vor übler Nachrede schützt. "Sieben Mulden für eine Leiche" ist ein erschreckender Film. Nicht, weil er mit einer Szene beginnt, in der zwei Schweizer um die vierzig in einer vermüllten Wohnung ihre Videokamera auf eine Pfütze aus Blut, Haaren, einer verschmierten Brille und verkrusteten Körpersäften richten. Auf die Reste der Leiche ihrer Mutter. Sondern weil sie, beginnend mit diesem ausgespielten Bild, Hohn und Spott ausschütten über einen Menschen, dessen Liebe sie offensichtlich unfähig waren zu erwidern. Warum das so ist, die eigentliche Frage ihres abendfüllenden Dokumentarfilms, stellen sie sich selber nicht. Allein der Umstand, dass die Lebensverhältnisse der Frau aller landestypischen Ordnungsliebe widersprechen, ist für die Schweizer ein Freibrief, ihre Würde für immer auszulöschen.

Super-8-Filme, in denen die Filmamateurin ihre Kinder verewigte, werden mit verniedlichender Filmmusik veralbert. Jeder Liebesbeweis der Frau, ja ihr ganzer Lebensweg wird vor der Kamera zertreten und zermüllt. Schnell haben die Brüder einen Arbeiter gefunden, der die verkrustete Pfütze beseitigt. Für 600 Franken muss auch er sein Gesicht verkaufen. Dann stellen sie noch jemanden an: Ariane Kessissoglou, eigentlich eine angesehene Filmemacherin, macht wenigstens noch ein paar nicht verwackelte Bilder.

Dieser in der Schweiz erfolgreiche Dokumentarfilm, der nichts dokumentiert außer einem spektakulären Werteverlust, wird uns nicht zu Verbündeten machen. Der zustimmungsheischende Ton des Schaustellers Thomas Haemmerli (Buch und Regie) und seines Bruders Erik verfängt nicht.

Für gewöhnlich sind es die Erben, die Porträt-Filmer in ihre Grenzen weisen. Die verhindern, dass Innerstes nach Außen gekehrt und die Menschenwürde mit Füßen getreten sind. Oft genug führt dabei auch übertriebene Vorsicht zu einer verengenden Wahrnehmung oder verhinderter Recherche. Aber wehe, die Erben sind identisch mit scham- und talentlosen Regisseuren. Thomas Haemmerlis Film ist ein Meilenstein in der Geschichte des exhibitionistischen Dokumentarfilms. Man sollte ihn als Mahnung verstehen, so lange wie es irgend geht, lebend auf dieser Welt zu bleiben. Vor den Leichenfledderern einer längst gegenwärtigen digitalen Zukunft ist niemand sicher.

Sieben Mulden für eine Leiche, Regie: Thomas Haemmerli,

Schweiz 2007, 81 Minuten.

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