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Einen Wolfgang Schäuble aus der Ruhe zu bringen, dazu reichen die Fähigkeiten Jauchs nicht aus.
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Einen Wolfgang Schäuble aus der Ruhe zu bringen, dazu reichen die Fähigkeiten Jauchs nicht aus.

Günther Jauch

Schäubles Lehrstunde in Gelassenheit

  • Holger Schmale
    VonHolger Schmale
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Es ist die letzte Sonntagabend-Talkshow mit Günther Jauch. Er hat nur einen Gast, Wolfgang Schäuble – und dem ist er nicht gewachsen.

Anstand war ein wichtiges Wort im Gespräch von Günther Jauch mit Wolfgang Schäuble in seiner letzten Talkshow am Sonntagabend. Und mit Anstand hat Jauch diese Sendung über die Bühne gebracht, immerhin.

Aber mehr hatte er auch nicht zu bieten. Einen Wolfgang Schäuble aus der Ruhe zu bringen, seine Selbstsicherheit zu erschüttern, neue Antworten auf alte Fragen herauszukitzeln, dazu reichen die Fähigkeiten dieses Unterhaltungsjournalisten bei weitem nicht. „Nur Mut, nur Mut“, ermuntert Schäuble ihn zwar, doch das führte auch nicht weit. „Immer diese alten Themen“, moniert der CDU-Senior angesichts der Fragen zu seinem Verhältnis zu Kohl („ohne Groll“) oder der nach der verpassten Bundespräsidentenkandidatur 2004 und schnauft immer mal wieder tief durch, um dann zu versichern, dass er sehr glücklich in seinem Ministeramt sei, gewiss nicht immer einfach für die Kanzlerin aber ganz gewiss loyal. Wenn er ihre Politik nicht mehr tragen könnte, würde er das Kabinett verlassen. Er unterstütze sie auch in der Flüchtlingspolitik und sei sicher: „Wir werden das meistern.“ So einfach, so klar, so vernünftig. Und so lässt er sich selbstverständlich auch nicht dazu verführen, den Umgang des CSU-Chefs Horst Seehofer mit Angela Merkel auf dem letzten Parteitag zu kommentieren: „Jeder weiß, was ich davon halte. Mein Senf wird da nicht vermisst.“

Immerhin, Jauchs letzte Sendung ist die erste, in der Schäuble sein Wort von der Lawine erläutert, die ein unvorsichtiger Skifahrer leicht auslösen könne – eine Bemerkung in Bezug auf die Flüchtlinge, die viele als Anspielung auf Merkel interpretiert haben. Das habe er sich doch gewiss genau überlegt, vermutet Jauch. Aber nein, sagt Schäuble, er spreche gerne frei, und da sei eben nicht jedes Wort überlegt. Da sei ihm dieses Mal „etwas passiert“. Es tue ihm leid, habe er der Kanzlerin gesagt. Er habe ja alle möglichen Vorstellungen von ihr, „aber nicht als Skifahrerin“. Heiterkeit, Beifall, die Sache ist erledigt, und Günther Jauch kommt auch hier nicht weiter.

Es ist eine politische Lehrstunde in politischer Gelassenheit, Lebenserfahrung und Altersweisheit, die Wolfgang Schäuble seinem Gastgeber und dessen Zuschauern erteilt. Am Berührendsten sind seine Bemerkungen zu dem Attentäter, der ihn 1990 lebensgefährlich verletzt und in den Rollstuhl gebracht hat. Ein Einschnitt, den er einen Unfall nennt, weil der Mann geisteskrank und nicht zurechnungsfähig war. So einmalig sei sein Schicksal nicht, immerhin habe er anders als andere Unfallopfer das Glück gehabt, mit seiner Arbeit weitermachen können. „Da gibt es keinen Grund zu Selbstmitleid.“

Es ist ein generöser, ein großer Wolfgang Schäuble, der an diesem Abend auftritt und man ahnt, dass er bald die Rolle des gelassenen politischen Welterklärers einnehmen könnte, die Helmut Schmidt nun freigegeben hat. Und Günther Jauch? Der verabschiedet sich dahin, wo er hergekommen ist und was er gut kann, in die Rolle des Quizmasters. Er wünscht zum Schluss alles Gute, einen schönen Abend und „auf Wiedersehen“. Was immer das heißen mag. 

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