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Sascha Lobo bei Markus Lanz: „Die Ausstattung der Schulen gehört ins Museum“

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Von: Tina Waldeck

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TV-Talk bei Markus Lanz am 16. November 2022.
TV-Talk bei Markus Lanz am 16. November 2022. © Screenshot ZDF

Es sind „Schockwellen, die gerade durch das Bildungssystem gehen“. Markus Lanz fragt, wer eigentlich die Macht hat, „an diesen Zuständen etwas zu ändern“.

Hamburg – Der Fachkräftemangel wird in Deutschland immer sichtbarer. Im Einklang mit der FDP äußert Bettina Stark-Watzinger bei Markus Lanz im ZDF den Wunsch, dass Aufstieg und Bildung sich wieder mehr lohnen. Schon bei den Kindern soll Selbstbestimmung gelernt werden: dass ein Einkommen selbst erwirtschaftet werden kann. Doch woher nimmt Deutschland das Geld für die zig tausend Lehrkräfte, die für eine kompetente Ausbildung von klein auf fehlen?

Das Schulsystem ist eine verhängnisvolle Aufteilung zwischen Bund, Länder und Kommunen, erklärt Aladin El-Mafaalani: Das Land ist für die Lehrkräfte und den Lehrplan zuständig, die Kommunen als Träger der Schulen für die bauliche Substanz sowie die Digitalisierung und der Bund versucht darüber hinaus „über Bypässe“ an verschiedenen Stellen einzuwirken. Deutschland hat hier in den letzten Jahren nicht nur gespart, sondern Investitionen „einfach ausgelassen.“ Die Lehrpläne sind immer noch wie in den 90ern, aber die Familienstrukturen haben sich elementar verändert. „Die Diversität ist überkomplex“, erklärt Aladin El-Mafaalani bei Markus Lanz weiter. Da sind Kinder mit Migrationshintergrund und einer Mehrsprachigkeit, die auf überforderte Lehrkräfte mit einer schlechten Ausstattung treffen. „Selbst die Engagiertesten scheitern irgendwann an diesem System.“

Markus Lanz im ZDFDie Gäste der Sendung vom 16. November
Bettina Stark-WatzingerFDP-Politikerin
Aladin El-MafaalaniSoziologe
Philippa Sigl-GlöcknerÖkonomin
Sascha LoboJournalist

Stark-Watzinger bei Markus Lanz: Wir sind eine Solidargemeinschaft

Und dafür gibt es nach wie vor „kein Problembewusstsein in der Gesellschaft.“ Da ansetzen, wo „die Unterstützung (der Eltern vielleicht) nicht da ist“, das möchte auch Bettina Stark-Watzinger bei Markus Lanz, um den Fokus auf ein höheres Chancenbudget zu legen, damit spezieller gefördert werden kann. Doch trotzdem ist für Kinder, die in Armut aufwachsen, die Möglichkeit für einen Bildungsaufstieg immer noch sehr schlecht. Schon kleine Kinder werden stigmatisiert, wenn ihre Eltern Hartz IV bekommen. „Dabei ist es selbstverständlich, dass wir eine Solidargemeinschaft sind“ und Menschen, die Hilfe benötigen, auch Hilfe bekommen, erklärt die FDP-Bundesministerin. Die Politik muss nur eine „Balance finden“, damit ein Gleichgewicht in der Gesellschaft ist und nicht einige das Gefühl haben, sie arbeiten für jene mit, die sich auf dem System ausruhen und die anderen in Frustration stagnieren.

Sascha Lobo beobachtet, wie hier aktuell das Wort Schuldenbremse in den Diskussionen oft dafür verwendet wird, um Dinge „hinunter zu priorisieren“: „Ist superwichtig, das mit der Bildung, aber dafür haben wir leider kein Geld.“ Was übrig bleibt, ist eine Überbürokratie, keinerlei Gestaltungsspielraum und eine Ausstattung, die in ein Museum gehört, zählt er bei Markus Lanz (ZDF) auf.

Sascha Lobo und sein Frust als Vater

Wie schaffen es da die Verbleibenden in dem System Schule, „nicht katastrophal zu verzweifeln?“ Auf diesem Weg werden „Menschen in die Frustration hinein geprügelt.“ Die Mangellage ist in seinen Augen eine „Folge von einer Art Sparwahn“ der letzten Jahre. Aber die Schuldenbremse sei auch dafür da, gezielte Ausgaben und Prioritäten zu setzen, versucht Bettina Stark-Watzinger die Systematiken dahinter zu erklären. Die Zinsen steigen enorm an, da muss das Geld von den Steuereinnahmen „richtig ausgegeben“ werden: Bei der Bundeswehr wurden die Sparmaßnahmen jetzt auch aufgehoben, weil die Politik gesehen hat: „Wir müssen unsere Bundeswehr dringend verteidigungsfähig machen.“

Zur Sendung

Markus Lanz: Der Talk vom 16. November 2022. Zur kompletten Sendung in der ZDF-Mediathek.

Hätten da die Sparmaßnahmen im Bildungssystem nicht auch schon eher beendet werden müssen? Schon in der Pandemie wurden Defizite mehr als deutlich. „Es ist jahrzehntelang nicht genug in Schulen investiert worden“, gibt die FDP-Bildungsministerin zu. „Wir sitzen seit Jahrzehnten da und haben immer wieder das gleiche Problem“, macht Sascha Lobo seinen Frust als Vater klar deutlich. Es ist ihm völlig egal, „was da das Rezept dafür ist“ und ob Gesetzesänderungen erst einmal in die Wege geleitet werden müssen: „Wenn dieses Land in zwanzig Jahren noch wohlhabend sein soll“, dann muss jetzt etwas passieren.

Auch Philippa Sigl-Glöckner sieht das ähnlich: Eine gute Finanzpolitik wäre es, das Bildungsniveau aktiv in Angriff zu nehmen, denn auch „nicht gut ausgebildete Arbeitskräfte“ sind zukünftige Schulden: Im Ökonomischen warten hier fehlende Steuereinnahmen und steigende Ausgaben für Sozialleistungen. Es ist, als „würden wir den Bremsweg noch ausrechnen, wo schon klar ist, dass er zu lang ist“, beschreibt es Aladin El-Mafaalani. Es liegt „eine Mammutaufgabe vor uns“, sieht auch Bettina Stark-Watzinger bei Markus Lanz (ZDF) ein. Sämtliche neu entstehenden Programme können „nicht über Nacht alle Probleme lösen.“ Aber „wir müssen uns auf den Weg machen“, um das Thema Bildung überhaupt in Angriff zu nehmen und nicht auch noch damit zukünftig gegen die Wand zu fahren. (Tina Waldeck)

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