Sandra Maischberger und ihre Gäste.
+
Sandra Maischberger und ihre Gäste.

TV-Kritik

Maischberger in der ARD: Jörg Pilawa mit Plattitüden über Christian Drosten

  • Rolf-Ruediger Hamacher
    vonRolf-Ruediger Hamacher
    schließen

Sandra Maischberger spricht mit ihren Gästen im ARD-Talk über die Corona-Krise, den Klimawandel und die Warnstreiks im öffentlichen Dienst.

  • Sandra Maischberger im ARD-Talk: Maskenpflicht, Alkoholverbot, Kontaktbeschränkungen - Welche Strategie hilft wirklich gegen Corona?
  • Waldbrand-Inferno in Kalifornien und der dritte Dürre-Sommer in Folge in Deutschland. Wie sehr leidet der Wald unter dem Klimawandel?
  • Warnstreiks im Öffentlichen Dienst - Ein falsches Signal in Corona-Zeiten oder müssen Kita-Erzieherinnen und Krankenpfleger deutlich mehr Geld bekommen?

Dass der Kolumnist Hajo Schumacher („Berliner Morgenpost“ ) und die Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt („Süddeutsche Zeitung“) wieder mal auf dem Podium saßen, daran hat man sich als treuer Talk Show-Konsument mittlerweile gewöhnt. Dass nun aber auch Moderatoren wie Jörg Pilawa, die sich hauptsächlich mit Quiz-Shows ihre Meriten verdient haben, dem Zuschauer die Lage der Nation erklären dürfen, sieht doch mehr nach „Name dropping“, denn nach sorgfältiger Redaktionsarbeit des Maischberger-Teams aus. Und wie zum Beweis durfte er sich gleich als Erster mit bis zum Überdruss gehörten Allgemeinplätzen zur Corona-Krise zu Wort melden: „Ich persönlich hab nur Angst, dass Angst und Panik wieder zum Mainstream erklärt werden!“

Die Gäste im ARD-Talk von Sandra Maischberger

  • Kolumnist Hajo Schumacher
  • Wissenschaftsjournalistin Christine Berndt
  • Moderator Jörg Pilawa
  • NRW-Ministerpräsident Armin Laschet
  • Förster Peter Wohlleben

Die Gäste im Maischberger-Talk in der ARD verbreiten hauptsächlich Plattitüden

Leider schließt sich Hajo Schumacher mit seiner kryptischen Antwort aus Maischbergers Frage, ob Söder oder Laschet der bessere Krisenmanager sei, nahtlos diesen Plattitüden an: „Ich glaub man darf nicht den Fehler machen, Markus Söder mit dem FC Bayern zu verwechseln, das würde ihm etwas zu viel der Ehre antun.“ Sollte wohl witzig gemeint sein, ergibt aber gar keinen Sinn, wie auch seine weiteren Einlässe zur Frage etwas wirr wirken. Maischberger geht, anstatt nachzuhaken, mit einem gequälten Lachen drüber hinweg und wendet sich der wie immer eloquenten Christina Berndt zu, die schon etwas differenzierter antwortet.

Dann übernimmt Ministerpräsident Armin Laschet die Bühne und darf sich im Schein der Kommunalwahlen in NRW sonnen und seine Pandemie-Politik des Weges von Maß und Mitte loben. Er verteidigt sein Credo lokal angemessener Maßnahmen, mahnt („Keiner darf sich zu sicher fühlen“) , fordert aber auch hohe Bußgelder für die Super Spreader einer Hochzeitsgesellschaft in Hamm: „Da gilt für uns das Null Toleranz-Prinzip, was man auch sonst bei Rechtsbruch bei uns anwendet.“

Maischberger gibt sich mit de schwammigen Antworten von Armin Laschet zufrieden

Maischbergers Versuch ihn mit einer Kritik von Karl Lauterbach an seiner Corona Politik der zu schnellen Öffnung, aus der Reserve zu locken, lässt er als „Wahlkampfgetöse“ abtropfen, kommt aber argumentativ etwas ins Schlingern, wenn er die Absage des Bundesligaspiels in Köln verteidigt, während in den Großstädten rundherum gespielt wird. Leider gibt sich Maischberger mit seinen schwammigen Antworten zufrieden, kann ihn dann aber auch mit ihrer Frage nach seinen schlechten Umfragewerten als Kandidat für den CDU-Parteivorsitz nicht aufs Glatteis führen. „Ich mess mich da nicht mit irgendjemanden“, reagiert er cool. Genauso souverän kontert Laschet Maischbergers Versuch, ihn mit Friedrich Merz’ umstrittener Aussage zu einem homosexuellen Bundeskanzler aus der Reserve zu locken. „Kann ein Schwuler Bundeskanzler werden. Ja! Punkt!“, ist seine klare Antwort.

Dann wird es noch einmal spannend, wenn Maischberger auf Laschets Anfänge in der CDU in den 80er Jahren eingeht, wo er auf einer Parteiveranstaltung für Franz-Josef Strauß als Kanzlerkandidat eintrat. Doch die Spannung weicht schnell der Ernüchterung, weil Maischberger seine damalige Strauß-Euphorie nicht thematisiert.

Maischberger-Talk: Jörg Pilawa beklagt die Haltung von Christian Drosten

Dann geht es mit Trumps Angriff auf China anlässlich der UN-Vollversammlung noch einmal zurück auf Podium und zum Thema Corona, wo Christina Berndt unaufgeregt die Versäumnisse Chinas zu Beginn der Pandemie auflistet, Pilawa die jetzige, destruktive Haltung des Virologen-Papstes Christian Drosten beklagt - und der FC Bayern noch mal herhalten muss. Genauer gesagt, seine Chefetage mit ihrem unverantwortlichen Abstand-Verhalten beim ersten Bundesligaspiel. Da kommt allerdings gleich die Frage auf, warum man nicht einen der Herren ins Studio eingeladen oder per Video zugeschaltet hat. Das wäre sicherlich erhellender gewesen, als das nur noch redundante Herumreiten auf dem Für und Wider von Corona-Maßnahmen.

Genauso wie die Schlaglichter auf die unzureichenden Beschlüsse der EU zur Flüchtlingspolitik und Christian Lindners Herrenwitz-Ausrutscher auf Kosten seiner gerade geschassten Generalsekretärin eigentlich in dieser Sendung entbehrlich waren, obwohl Pilawa hier mit einem Zitat von Margarete Stokowski wenigstens einmal steil aus dem Gebüsch kommt: „Das sind Männer im Rückwärtsgang, die nach vorne wollen.“

Nebenschauplätze stehlen im Maischberger-Talk Peter Wohlleben wertvolle Zeit

Vor allem stahlen diese nicht vertieften „Nebenschauplätze“ dem zweiten Studio-Gast des Abends, Peter Wohlleben, wertvolle Zeit, um uns die Ursachen der Waldbrände in Kalifornien und den Zustand der hiesigen Wälder, noch plastischer nahezubringen. Denn das Thema ist komplex, braucht viel Eindringen ins Detail: „Wir werden in 5-10 Jahren die Hälfte unserer Waldflächen in Deutschland verlieren, auch weil wir zu lange auf Nadelplantagen gesetzt haben. Wir brauchen einfach mehr Laubwälder, weil sich über ihnen mehr Gewitterwolken bilden, die den Wald dann feucht halten.“

Wissenschaft verständlich und emphatisch erklärt, der man aber mehr Raum gewünscht hätte, als die 15 Minuten, die ihr Frau Maischberger eingeräumt hat. (Rolf-Ruediger Hamacher)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare