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Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder betreibt in der ARD-Sendung „Maischberger. Die Woche“ schonungslosen Wahlkampf.
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Der bayrische Ministerpräsident Markus Söder betreibt in der ARD-Sendung „Maischberger. Die Woche“ schonungslosen Wahlkampf.

TV-Kritik

Markus Söder bei Maischberger (ARD): Wahlkampf-Blabla und Grünen-Bashing

  • Peter Hoch
    VonPeter Hoch
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Bei „Maischberger. Die Woche“ (ARD) betreiben Markus Söder und Olaf Scholz ermüdend Wahlkampf, und es gibt Neues - oder auch nicht - von Hendrik Streeck zu Corona.

Der Sommer nimmt langsam Fahrt auf, Corona wird allmählich und hoffentlich beiseite geimpft und in der Politik stehen die Zeichen verstärkt auf Wahlkampf für die kommende Bundestagswahl 2021. Das schlägt sich auch in der letzten Maischberger-Sendung in der ARD vor der zweimonatigen Sommerpause nieder, in der CSU-Beinahe-Kanzlerkandidat Markus Söder aus München zugeschaltet wird und SPD-De-Facto-Kanzlerkandidat Olaf Scholz im Studio einen Hindernisparcours um die Fragen der Moderatorin absolviert.

Den Anfang macht der gewohnte Rückblick auf die Gewinner und Verlierer der Woche. Wenig überraschend küren die Gastkommentatoren den frisch im Amt bestätigten Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts Reiner Haseloff und die EM-erfolgreiche U21-Fußballnationalmannschaft des DFB zu den Siegern. Dass sie die Grünen mit ihren bundesweit sinkenden Umfragewerten und die in Sachsen-Anhalt ins Einstellige geschrumpfte SPD dagegen in der Loser-Ecke sehen, liegt entsprechend auf der Hand. Es entspinnt sich eine Unterhaltung über das mögliche Verhalten der Wähler in den Monaten bis zur Bundestagswahl, die Sandra Maischberger zum Interview mit Markus Söder steuert.

„Maischberger. Die Woche“ (ARD): Markus Söder gönnt und teilt aus

Der offenkundige Filmfan hält diesmal eine Spider-Man-Tasse in die Kamera – ob „aus großer Kraft folgt große Verantwortung“ wohl sein neues Motto ist? „Welt“-Chefin Dagmar Rosenfeld muss jedenfalls noch etwas länger auf den von ihr zuvor ins Spiel gebrachten Becher mit dem „Highlander“-Credo „Es kann nur einen geben“ warten – vielleicht holt Söder den ja 2025 aus seinem Schrank. Nach den parteiinternen „Game of Kanzler“-Reibereien der letzten Monate gibt Bayerns Ministerpräsident sich betont gönnerhaft und will Armin Laschet volle Rückendeckung geben, selbst für die Bayern sei der Unions-Kollege nun der „Kanzlerkandidat der Herzen“.

Die Gäste Funktion
Markus SöderBayerischer Ministerpräsident, CSU
Olaf Scholz Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister, SPD
Prof. Hendrik Streeck Virologe
Melanie AmannLeiterin des Spiegel-Büros in Berlin
Gerhard Delling Sportjournalist
Dagmar RosenfeldChefredakteurin der Welt

Maischbergers Frage nach einem Slogan für das noch immer nicht veröffentlichte CDU/CSU-Wahlprogramm weicht Söder aus, er wolle nicht vorpreschen und Laschet nicht unter Druck setzen. Jede Menge Wahlkampf-Blabla und süffisantes Grünen-Bashing sind da schon eher nach seinem Geschmack. Eine Bühne erhält außerdem die Schlammschlacht der Woche: Hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn tatsächlich minderwertige Masken an Menschen mit Behinderung, Obdachlose und Hartz-IV-Empfänger verteilen lassen wollen, wie Arbeitsminister Hubertus Heil und die SPD es ihm vorwerfen? Söder glaubt es nicht, zeigt sich enttäuscht vom Stil des Noch-Koalitionspartners und wirft einen Bumerang ins Gefecht: Kann Hubertus Heil im Amt bleiben, wenn die Vorwürfe entkräftet werden? Fortsetzung folgt.

„Maischberger. Die Woche“ (ARD): Olaf Scholz ist schweigend ins Gespräch vertieft

Nun knöpft Sandra Maischberger sich Olaf Scholz vor. Läuft eingangs alles noch recht geschmeidig und schmunzelt man über seine Statements zu seinen Qualitäten als Angela Merkel-Kopierer („stimmt irgendwie“), Anti-Rampensau („stimmt weniger, als die meisten denken“), notorische Schlaftablette („stimmt nicht“) und nervender Selbstbewusstseinspfleger („kann vorkommen“), gibt die Moderatorin sich im Zwiegespräch angemessen angriffslustig und bohrt beharrlich nach. Griffige Antworten kann sie dem Bundesfinanzminister jetzt nicht mehr entlocken, vor allem nicht, wenn es um den hauseigenen Wirecard-Skandal, die schallende Wahl-Ohrfeige in Sachsen-Anhalt, die Rücktrittsforderung an Jens Spahn und darum geht, ob man im Falle einer Wahlniederlage Ende September den Gang in die Opposition antreten werde. Immer wieder stellt der SPD-Frontmann auf stur, verweist auf „seinen eigenen Stil“ und redet um den heißen Brei herum, mit Verweisen auf die Erfolge seiner Ministeriums- oder Parteipolitik, was ihn am Ende jedoch wenig überzeugend dastehen lässt.

„Maischberger. Die Woche“ (ARD): Mit David Hasselhoff gegen Corona

Mit einem gelungen selbstironischen Spot, in dem Ex-TV-Held und Mauer-Einreißer David Hasselhoff für die Impfkampagne des Bundesgesundheitsministeriums wirbt, geht Maischberger auf die Zielgerade ihrer Sendezeit. Virenexperte des Abends ist diesmal Hendrik Streeck, der aus Köln zugeschaltet ist und alle aktuell brennenden Fragen rund um Corona beantwortet – zumindest, soweit ihm das ohne seherische Fähigkeiten möglich ist. Wie man es vom Lockerungs-Virologen gewohnt ist, sieht er die Fußball-EM als gute Möglichkeit, um unter wissenschaftlicher Beobachtung herauszufinden, ob die erarbeiteten Hygiene-Konzepte für Veranstaltungen funktionieren und ist da guter Dinge.

Mut macht er auch zur sich in Großbritannien ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus: Die Impfungen wirken auch gegen sie und eine deutlich stärkere Übertragungswahrscheinlichkeit sei noch nicht sicher. An das Erreichen der vielzitierten Herdenimmunität glaubt er indes nicht, wohl aber an das Auftreten von „Herdeneffekten“, durch die die Pandemie ausreichend eingedämmt werden sollte. Auch die Gastkommentatoren geben den Fußball-Großevents eine Chance, Sport-Experte Gerhard Delling hält Frankreich für die stärkste Mannschaft der Fußball-EM 2021 und Dagmar Rosenfeld beendet den Abend mit einem Woody-Allen-Zitat zur Ära Merkel, das auch für die auslaufende Talkshow-Saison Gültigkeit besitzt: „Die Ewigkeit dauert ziemlich lange. Besonders zum Ende hin“. (Peter Hoch)

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