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Talkrunde bei Sandra Maischberger.
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Talkrunde bei Sandra Maischberger.

Talkrunde

„Maischberger“ diskutiert über Corona-Lockdown - ARD-Korrespondent warnt vor drastischen Maßnahmen

  • Dennis Vetter
    vonDennis Vetter
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Bei „Maischberger. Die Woche“ diskutieren die Gäste in der ARD darüber, ob der Lockdown noch vor Weihnachten kommt, wie es um die Corona-Impfungen bestellt ist und die USA.

  • In der ARD diskutiert Sandra Maischberger ein letztes Mal für dieses Jahr mit ihren Gästen.
  • Bestimmende Themen bei „Maischberger. Die Woche“ sind der Coronavirus und die Frage nach dem Lockdown.
  • Auch die Situation in den USA wird von Maischberger in der ARD mit ihren Gästen diskutiert.

Berlin - Die letzte Maischberger-Sendung des Jahres 2020. Peter Zudeick zitiert aus einem Film von Alexander Kluge und Edgar Reiz, gedreht in den Siebziger Jahren als Satire auf Deutschland: „In Gefahr und größter Not, bringt der Mittelweg den Tod.“ Er spricht sich damit gegen die Zurückhaltung bei Corona-Maßnahmen über die Feiertage und bis ins kommende Jahr hin aus.

Mit der Moderatorin sitzt gleichzeitig die Virologin Melanie Brinkmann und erläutert resolut, inwiefern ihr aus wissenschaftlicher Sicht milde Maßnahmen nicht sinnvoll erscheinen. Ein harter Lockdown bringe momentane Schäden für die Wirtschaft mit sich, sei jedoch die einzige Strategie, um die Fallzahlen auf ein kontrollierbares Maß zu reduzieren.

„Maischberger. Die Woche.“ (ARD): Die Folgen der Corona-Pandemie

Aus der Kommentator:innen-Runde des Abends warnt dagegen ARD-Journalist Ingo Zamperoni, der drastische Maßnahmen der Virenbekämpfung zwar in ihrer Konsequenz versteht, aber sich um psychologische Folgen für die Menschen sorgt, die sich auch weiterhin immer stärker und langfristiger isolieren sollen. Auch Maischberger selbst nickt nicht alles ab und betont im Gespräch mit Brinkmann etwa die Frage nach häuslicher Gewalt und fordert diese heraus, einen harten Lockdown umso überzeugender zu begründen.

„Maischberger. Die Woche.“ (ARD): Harter Lockdown als Mittel gegen Corona

Kurz zuvor ist Jens Spahn aus Berlin bei Maischberger zugeschaltet und versucht die Weihnachtsdebatte über alle Abwägungen hinweg moralisch zuzuspitzen: Die aktuelle Schere zwischen Menschen in Deutschland, die Glühwein trinken und anderen, die auf Intensivstationen schuften, spreche für „keine gute Arbeitsteilung in der Gesellschaft“. Die Zeit vor einem Endjahres-Lockdown zum ausgelassenen Miteinander zu nutzen, beurteilt er damit eindeutig als fahrlässiges und kopfloses Verhalten. Insbesondere über die Feiertage verteidigt auch er härtere Maßnahmen. Dem Virus solle „keine Chance gelassen werden“.

Auch der Einzelhandel könnte bald nochmals von deutlicheren Maßnahmen betroffen sein, meinte er und widerlegte damit auf die Nachfrage Maischbergers hin seine Aussage vom September, Ladenschließungen würden „nicht nochmal passieren“. Die aktuelle Lage sei „die schlechteste, die denkbar ist“: eine ermüdete Bevölkerung, zu hohe Todeszahlen und immense Kosten für den Staat machen ihm sichtlich Sorgen. Hinzu kommt die Einsicht, dass Deutschland eines der ältesten Länder sei. Seine Einschätzung, die aktuellen Infektionszahlen befänden sich in einer „Seitwärtsbewegung“ stellt Maischberger in der ARD als Verharmlosung daraufhin deutlich infrage.

Maischberger wartet ihren Gästen in der ARD vielen Fragen auf: Die Verteilung des Corona-Impfstoffs

Während der ARD-Sendung wird klar, dass Autoritäten unter dem Vorzeichen der Pandemie verschwimmen und alle Gäste auch argumentativ „auf Sicht fahren“. Zu bewerten, was politisch die realistischen und angemessenen Maßnahmen sind, fällt allen trotz ihrer klaren Positionen schwer. Und so werfen Gäste mehrfach die Frage auf, ob das aktuelle Handeln sich aus der Perspektive der Zukunft rückblickend noch richtig anfühlen werde.

Thesen stehen sich bei Maischberger entgegen und stellen sich untereinander infrage. Was zuerst betrachtet werden muss, beschreiben alle unterschiedlich: Die Verteilung von Impfstoffen bleibt bis ins Dritte Quartal 2021 ein Politikum. Entscheidungen auf Länderebene sind strategisch nicht falsch, erschweren aber ein verbundenes Handeln im gesamten Land und darüber hinaus. Ältere müssen geschützt werden und die Sterberate in Pflegeeinrichtungen ist extrem, obwohl die Dringlichkeit, dort stärker präventiv zu wirken, seit März bekannt ist. Nur Brinkmann formuliert letztlich eine klare, simple Forderung, in Anknüpfung an ihren kürzlich mit Sandra Ciesek und Viola Priesemann für die ZEIT verfassten Artikel: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik und Wissenschaft und die Verfolgung von Maximalzielen bei der Senkung von Fallzahlen. Maischberger meint trocken, das fühle sich wie ein Appell an, aber das „ginge nicht anders“ an diesem Punkt des Jahres.

Maischberger wechselt das Thema in der ARD: Von Corona über Siemens zu Donald Trump

Im Verlauf der ARD-Sendung verschwimmen die Themen: Die Debatte um aktuelle Maßnahmen gegen die Pandemie mit Spahn, Brinkmann und den Kommentator:innen des Abends wird durch einen Ausschnitt aus Donald Trumps jüngster Ansprache in Georgia flankiert und Ingo Zamperoni berichtet von seiner Reportage über die vergangenen Monate als Teil einer halb US-amerikanischen Familie mit republikanischem Schwiegervater. Siemens-Chef Joe Kaeser soll bei Maischberger schließlich über seine Ansichten zur Politik erzählen und seine Begegnungen mit den Mächtigen der Welt rekapitulieren.

Ein weiterer Dreh bei „Maischberger. Die Woche.“ (ARD): Das Verhältnis von Joe Kaeser zu China

Maischberger will herausfinden, inwiefern er als Vertreter eines einflussreichen globalen Konzerns seine eigenen politischen Positionen formuliert, inwiefern er nach ethischen und wirtschaftlichen Maßstäben handelt. Sie verweist auf sein Treffen mit Donald Trump im Jahr 2018, beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Kaeser wurde stark kritisiert und habe sich angebiedert. Knapp zwei Jahre zuvor kritisierte er den US-Präsidenten auf Twitter für ausgrenzende und rassistische Rhetorik.

Auch auf seinen Umgang mit China spricht ihn Maischberger an und fragt, warum er die Demokratiebewegung in Hongkong zunächst unterstützt und dann dennoch mit China Geschäfte gemacht habe, als die Aufstände niedergeschlagen wurden. Die asiatische Kultur „versteht auch leise Töne“, meint er kurz darauf kryptisch, weicht schnell erneut auf Donald Trump und die Verrohung der Sprache und des Handelns aus.

Donald Trump, Corona und die USA: Themenvielfalt bei Maischberger in der ARD

„Wir sind an einem Punkt, an dem wir jemanden brauchen, der das Land vereint“, meint kurz zuvor Ingo Zamperonis Schwiegervater: Er sitzt vor der Kamera in Zamperonis Reportage über Donald Trump und steht seinem Schwiegersohn Rede und Antwort. Doch Trump sei nicht der Richtige für diese Aufgabe – dennoch stimmt der Republikaner und Ex-Demokrat weiter für ihn. Auch Joe Biden bringe keine Lösung, sondern befeuere derzeit die Angst vieler Wähler:innen: Sobald er abtrete, würde durch Vize-Präsidentin Kamala Harris eine radikal linke Position an die Macht gelangen und das Land in den Sozialismus stürzen. Peter Zudeick kennt sich mit antisozialistischer Paranoia in den USA gut aus und relativiert in der folgenden Diskussion die Begriffe: Was in den USA derzeit als Sozialmus gelte, sei aus deutscher Perspektive höchstens als rechte SPD-Politik zu betrachten.

Corona bei „Maischberger. Die Woche.“ (ARD): Die USA als Kontrastfolie

Die USA werden im Rahmen der Sendung zur Kontrastfolie für die aktuellen Pandemie-Fragen in Deutschland und für laufende politische Kommunikationsversäumnisse. So erkennt etwa Dagmar Rosenfeld ganz präzise, es gäbe in der deutschen Bevölkerung ein Bedürfnis nach Einheitlichkeit im politischen Handeln der hiesigen Parteien, die „eine Verständlichkeit von Politik herstellt“. Die Kommunikation zahlreicher Politiker:innen wie Michael Kretschmer oder Markus Söder sei katastrophal und die Verantwortung für deren Entscheidungen könne nicht auf Glühweintrinker:innen geschoben werden. Stattdessen brauche es eine öffentliche Wertschätzung derer, die sich in der Krise verantwortungsbewusst verhielten – etwa den der Betreiber:innen von Kultureinrichtungen.

„Maischberger. Die Woche.“ (ARD): Corona als Auslöser einer Gesellschaftskrise?

Mit Zudeick liefert sich Rosenfeld den interessantesten Schlagabtausch der ARD-Sendung, zur aktuellen Verschleierung von Entscheidungen inmitten einer laufenden Gesellschaftskrise, die sich bei genauer Betrachtung auch als Politkrise erschließt: Es zeichnet sich derzeit als nur eine von vielen beispielhaften journalistischen Fragen ab, ob etwa der Haushaltsausschuss des Bundestages, das Kanzleramt oder das Bundesgesundheitsministerium entschieden, dem Robert-Koch-Institut mitten in der Pandemie von 68 angefragten zusätzlichen Mitarbeiter:innen bloß vier zu bewilligen. Kaeser schließt am Ende die Sendung: „Die Menschen in der Politik erwarten und verdienen unser Vertrauen“ und Maischberger stimmt ein: „Bleiben sie gelassen“. (Dennis Vetter)

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