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Lose verknüpft mit den "Ocean?s"-Filmen der 2000er, macht sich mit Debbie Ocean (Sandra Bullock, l.), die Schwester des damaligen Protagonisten auf, einen spektakulaeren Millionenraub zu begehen.

"Ocean?s 8"

Sandra und ihre Spießgesellinnen

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Eine entwaffnende Sandra Bullock krönt die weibliche Besetzung im leider schleppend inszenierten "Ocean?s 8".

Millionendiebe verachten die Gesetze bis auf eines, das ist ihnen heilig: das der Serie. Das haben sie gemein mit Filmproduzenten und Studiobossen, denn was einmal geklappt hat, das geht auch sicher noch einmal.

1960, als Hollywood-Veteran Lewis Milestone die Komödie „Ocean’s Eleven“ drehte, ging man allerdings noch etwas diskreter vor. Filmserien galten als minderwertig, als B-Ware. Erst mit den britischen James-Bond-Filmen der Sechziger Jahre sollte sich das ändern.

Steven Soderberghs Remake dieses Klassikers mit seinen beiden Fortsetzungen entstammte einem anderen Geist. Fasziniert von der Selbstvergessenheit, mit der sich Frank Sinatra und seine Rat-Pack-Freunde selber feierten, sah er darin ein serientaugliches Kultpotential. Und hat nicht das rituelle Zusammentrommeln der Räuberbande auch etwas von den einer Promi-Casting-Show?

„Ocean’s 8“, inszeniert von Gary Ross, ist keine weitere Fortsetzung, sondern offiziell ein Spin-Off. George Clooneys Titelfigur des Danny Ocean sei 2018 verstorben, erklärt seine Schwester im Verlauf des Films, bereit, sein Erbe fortzusetzen. Tatsächlich deutet im weiteren Verlauf der Geschichte einiges darauf hin, dass sich einer von beiden, George Clooney oder Danny Ocean, wohl nur eine Auszeit gönnt. Jede Wette, das Gesetz der Serie bringt sie uns zurück.

Fünf Jahre hat Debbie Ocean eingesessen, nun kommt sie auf Bewährung frei – eine Gunst, die das verkommene amerikanische Rechtssystem häufig sogar minderjährigen Kleinkriminellen verwehrt. Alles, was sie sich nun wünsche, sei ein einfaches Leben, erklärt Debbie Ocean dem Wärter – um es uns Zuschauern gleich darauf zu bewesen. Der folgende Trickdiebstahl in einer Parfümerie läuft wirklich verblüffend einfach ab. 

Wie eine Anleitung zur Nachahmung ist diese hübsche Szene inszeniert. Man nehme: Einige der teuersten Flakons, gehe damit zur Kasse und sage: „Das möchte ich gerne umtauschen, leider habe ich den Kassenbon weggeworfen.“ – „Das ist aber schlecht, haben Sie denn wenigstens Ihre Kartenabrechnung?“ – „Leider nicht, aber haben Sie vielleicht eine Tüte?“ Und schon stolziert man mit den frisch verpackten Dingen unbehelligt aus dem Laden. 

Etwas komplizierter ist da schon das nächste Ding: Der Raub einer 150.000 Dollar teueren Halskette von einer Luxusmarke, die den Produzenten viel dafür bezahlt hat, dass ihr Name hoffentlich auch in den Filmkritiken steht. Na, von wegen. Schauplatz ist die angeblich nobelste Party des Jahres, ein Event im New Yorker Metropolitan-Museum. Wäre dieser Film nicht schon 2016 gedreht worden, könnten wir sicher schon den neuen Direktor Max Hollein irgendwo im Hintergrund entdecken. 

Nur ein Bekenntnis zur Chancengleichheit

Die wirkliche Attraktion aber ist wie in jedem Ocean’s Film natürlich die RäuberInnenbande. In diesem Fall besteht sie nur aus Frauen, und das vermittelt sich sogar ganz selbstverständlich. Das einzige, was als Bekenntnis zur Chancengleichheit verstanden werden kann, ist Debbies knappe Ansprache zu ihrer Truppe: „Ihr macht das nicht für mich. Ihr macht das nicht für euch. Aber irgendwo da draußen ist ein 8-jähriges Mädchen, das einmal eine Kriminelle werden will. Macht es für sie!“

Diese Truppe besteht wie es sich gehört aus veritablen Stars; Helena Bonham Carter spielt eine bankrotte Mode-Designerin, Anne Hathaway eine ehemalige Berühmtheit, die sich als Trägerin des Schmucks anbietet. Mit Hilfe eines simplen 3D-Scanners soll dann in einem unbeobachteten eine Replik angefertigt werden. Dazu ist es gut, auch eine Juwelierin, gespielt von Mindy Kaling debei zu haben, eine Hackerin (Rihanna) eine Hehlerin (Sarah Paulson) und eine Taschendiebin (Awkwafina). Strahlender als aller Klunker im Museum ist freilich die mittlerweile 53-jährige Sandra Bullock, seit ihrem Durchbruch mit „Speed“ vor 24 Jahren noch immer Hollywoods lässigster weiblicher Action-Star. Sollte es sein, dass man in der Traumfabrik endlich die Altersdiskriminierung abgeschafft hat? 

Aber nennen wir „Ocean’s 8“ nicht voreilig feministisch. Die männliche Dominanz des Genres oder vielleicht auch der Gesellschaft ist zu keiner Zeit ein Thema, und auf einen männlichen Regisseur wollte man ja dann auch nicht verzichten. Plexiglasvitrinen vor Ausstellungsstücken lassen sich anscheinend immer noch leichter überwinden als die „glass ceiling“, die gläserne Decke in männlich dominierten Wirtschaftshierarchien. 

Natürlich wäre dies ein besserer Film geworden, wenn eine Kathryn Bigelow ihn inszeniert hätte. Aber die hatte zu Recht besseres zu tun. Denn ab dem Augenblick, wo es eigentlich spannend werden müsste, wo die coole Truppe steht und der Coup losrollt, hat das Drehbuch nicht mehr viel zu bieten. Selten hat man einen so langweiligen Millionenraub gesehen. Selbst „Der rosarote Panther“ war spannender. Wer dennoch ein wenig von diesem Film haben will, sollte sich unbedingt die Originalversion ansehen. Denn zur Vervollkommnung der Camouflage spricht die unter anderem in Nürnberg, Salzburg und Wien aufgewachsene Bullock einmal ein herrlich arrogantes Society-Deutsch. Aber so war es schon im ersten „Ocean’s Eleven“-Film mit dem passenden deutschen Titel „Frankie und seine Spießgesellen“: Die Stars haben Spaß und tun das, was sie am besten können. Und dann macht auch das Zusehen Spaß. 

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