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Als Paul Gerardi (Filip Peeters) seine Tochter Sofie aus der Schule abholen will, ist sie bereits in der Gewalt der P9-Spezialeinheit.
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Als Paul Gerardi (Filip Peeters) seine Tochter Sofie aus der Schule abholen will, ist sie bereits in der Gewalt der P9-Spezialeinheit.

TV-Kritik

„Salamander“ (Arte): Ein beinahe perfektes Verbrechen in zwölf Episoden

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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In der belgischen Politkrimiserie „Salamander“ entwickelt sich ein nervenkitzelndes Katz-und-Maus-Spiel zwischen einem geächteten Ermittler und seinen hochrangigen Gegnern.

Der Plan ist brillant. Eine Gangsterbande dringt nächtens in die Brüsseler Privatbank Jonkhere ein und bricht deren Schließfächer auf. Nur ausgesuchte Safes, die vorher von einem Komplizen mit unsichtbarer Tinte gekennzeichnet wurden. Wertpapiere und alles sonstige, was auf ihre Spur führen könnte, lassen die Verbrecher liegen, nehmen nur Edelsteine, Gold und, vor allem, brisante Dokumente mit. Das Gold kann man einschmelzen, mit den Dokumenten Gegenleistungen erpressen.

Die familiengeführte Bank ist ein angesehenes Haus. Die Kunden haben hohe Positionen in der Wirtschaft, Politik, dem Militär inne oder gehören dem Königshaus an. Und alle haben dunkle Geheimnisse, die besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Der Inhaber der Bank weißt das. Und verzichtet wohlweislich darauf, die Polizei zu informieren.

„Salamander“ (Arte): Ein Ermittler schöpft Verdacht

Beinahe ein perfektes Verbrechen, hätte nicht der Polizeiinformant André Strubbe (Jos Geens) Wind von der Sache bekommen und Paul Gerardi, gespielt von dem auch fürs deutsche Fernsehen tätigen Filip Peeters, von der belgischen Bundespolizei unterrichtet. In der deutschen Fassung dieser flämischen Serie hat Gerardi den Rang eines „Inspektors“ inne, ein Übersetzungsfehler. Entweder hätte man den Originaltitel „Inspecteur“ belassen oder die deutsche Entsprechung „Oberkommissar“ wählen müssen.

Gerardi und sein Vorgesetzter sind skeptisch. Man hat keine gute Erfahrungen mit Strubbes Tipps gemacht. Dann aber begehen die Verbrecher einen Fehler und ermorden Strubbe vor Gerardis Augen. Als die Tat heruntergespielt, dann sogar vertuscht werden soll, ist Gerardi nicht mehr zu bremsen. Doch er hat mächtige Gegner. Der Bankier Raymond Jonkhere (Mike Verdrengh) lässt seine Verbindungen spielen, die bis in höchste Stellen im Justizministerium und bis in den Geheimdienst reichen. Gerardi soll aufgehalten werden. Und dafür ist den Verschwörern jedes Mittel recht.

„Salamander“ (Arte) ist ein Politkrimi vor historischem Hintergrund

Gerardi wird suspendiert und kompromittiert, aber das stachelt ihn nur weiter an. Er will die Täter finden, die Hintermänner und die Intriganten dingfest machen. Gleichzeitig befindet sich der Geächtete auf der Flucht vor den Kollegen und den Bankräubern, die auch vor seiner Familie nicht haltmachen.

In zwölf packenden Episoden entwickeln Autor Ward Hulselmans und Regisseur Frank van Mechelen nach einer Romanvorlage von Bavo Dhoge in „Salamander“ (Arte) ein spannendes Geschehen, das vom Verbrechen der Straße bis in die Hinterzimmer der Macht führt. In Belgien ein häufig anzutreffendes Thema seit den Fahndungspannen und anderen verstörenden Vorgängen im Verfahren gegen den Mörder und Sexualstraftäter Marc Dutroux zwischen 1996 und 2004.

Arte kündigt die 2012 produzierte erste Staffel der Serie „Salamander“ (Arte) als Erstausstrahlung an, unzutreffend, denn sie war schon im deutschen Kanal von Servus TV zu sehen. Die zweite Staffel startete in Belgien 2018.

Welterfolge aus Flamen

„Salamander“ war über das Herkunftsland hinaus erfolgreich. Die Produktion wurde international verkauft, mehrere Länder einschließlich der USA sind an den Remake-Rechten interessiert. Es wäre nicht die erste US-Adaption einer belgischen Serie. Die gerade in Zeiten der Covid-Pandemie geradezu visionär erscheinende Serie „Cordon“ aus dem Jahr 2014 über die Abriegelung eines Antwerpener Viertels nach Ausbruch einer tödlichen Virenkrankheit hieß in der US-Version „Containment“ (2016) und war in Deutschland bei Prosieben zu sehen.

Schon seit langem stoßen belgische Film- und Fernsehproduktionen international auf Interesse. Auf den ersten Blick erstaunlich angesichts eines kleinen Landes, das sich noch dazu in zwei Sprachregionen teilt. Hierzulande war schon vom „belgischen Serienwunder“ die Rede, aber Chiffren wie diese und die überstrapazierte „Medienrevolution“ lenken von komplexeren Zusammenhängen ab. In Belgien wirkten nicht wundersame Kräfte, sondern primär im flämischen Landesteil durchdachte, funktionierende Förderinstitutionen, die die Produktion hochwertiger audiovisueller Produktionen angekurbelt und dortige Medienunternehmen zu begehrten Kooperationspartnern gemacht haben.

Am Beispiel Belgien lassen sich recht gut die Defizite der deutschen feuilletonistischen Serienrezeption aufzeigen. Zu Fehlschlüssen kommt es schon allein, weil die Beobachtung nicht ausschließlich, aber überwiegend an der US-amerikanischen Branche ausgerichtet ist. Die Dimension wird deutlich, wenn man andere Kultursparten heranzieht. Eine Literatur- oder Kunstgeschichte, die Europa weitestgehend ausspart? Undenkbar.

Auch das deutsche ZDF war zur Stelle

Einordnungen und Wertungen aber relativieren sich, wenn der Blick sich weitet. Kennt man den niederländischen Dreiteiler „Mevrouw de Minister“ aus dem Jahr 2002, reduziert sich die Innovationskraft der acht Jahre später entstandenen gefeierten dänische Politserie „Borgen“. Wer die unter dem Titel „Dunkle Wasser“ 2005 im WDR Fernsehen ausgestrahlte belgische Serie „Stille Waters“ (2001) mit den auch in „Salamander“ mitwirkenden lokalen Schauspielstars Koen de Bouw und Jo De Meyere kennt, wird empfänglicher für die Schwächen der über Gebühr gepriesenen skandinavischen Serie „Kommissarin Lund“.

Zur Sendung

„Salamander“, ab Donnerstag, 22.4., 21:05 Uhr, Arte und in der Arte-Mediathek.

Weltweit laufen belgische Serien auf Festivals wie dem Pariser „Séries Mania“ oder dem „Festival de la fiction TV de La Rochelle“ und werden mit Preisen bedacht. Wo in derart auffälligem Maße kreatives und ökonomisches Potenzial versammelt ist, werden auch die internationalen Streaming-Anbieter Amazon und Netflix schnell tätig. Beide kauften belgische Filme und Serien quasi en gros. Die in Belgien konzipierte Serie „Undercover“ war zunächst als Koproduktion des belgischen Senders Eén mit dem deutschen ZDF geplant. Netflix stieg nachträglich als Finanzier ein, präsentiert die Serie aber als „Netflix Original“. „Into the Night“ war dann 2020 die erste belgische Netflix-Eigenproduktion. Mit „Ferry“ hat Netflix zudem ein Prequel zu „Undercover“ in Auftrag gegeben, nachdem diese sich zur Kultserie entwickelt hatte.

Das ZDF war früher zur Stelle. Es drehte ab 2017 in Antwerpen in den Originalkulissen ein Remake der Krimikomödie „Professor T.“, fungierte 2018 als Koproduzent der ideenreichen Krimiserie „24 Hours – Two Sides of Crime“ und war dem niederländischen Branchenjournal „View“ zufolge als Investor beteiligt an „Tabula Rasa“ (2017) und „Over Water“ (2018). (Harald Keller)

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