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Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek wird am Montag 90 Jahre alt.
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Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek wird am Montag 90 Jahre alt.

90. Geburtstag

Ruth Maria Kubitschek: Ihre Lebensdisziplin

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Zum 90. Geburtstag von Ruth Maria Kubitschek.

Wenn es eine Art Lebensdisziplin gäbe, in der anmutiges Älterwerden prämiert wird, wäre Ruth Maria Kubitschek darin unangefochtene Meisterin. Der Anleitungen ihres gleichnamigen Buches aus dem Jahr 2013 hätte es gar nicht bedurft. Ein paar flüchtige Blicke auf ihr schauspielerisches Spätwerk hätten genügt, um darin ihre damenhafte Grandezza zu erkennen, die auch in kleinen Serienrollen noch Witz, Klugheit und geistige Unabhängigkeit sichtbar machten.

Die Anerkennung ihrer enormen Fernsehpräsenz, die sie dann 2014 im Alter von 83 Jahren für beendet erklärte, unterschlägt jedoch allzu fahrlässig einen imposanten Start in die Schauspielerei, der sie zu Beginn der 50er Jahre zunächst an zahlreiche Bühnen der DDR führte, nach Halle, Schwerin und das Berliner Theater der Freundschaft, das heutige Theater an der Parkaue.

Ihre erste Rolle vor der Kamera übernahm sie 1953 in dem Defa-Film „Jacke wie Hose“ unter der Regie von Eduard Kubat, ein Emanzipationsstück aus der Arbeitswelt der DDR, in dem die Frauen eines Stahlbetriebes sich ihre Anerkennung sowie ihre Berechtigung, die gleichen Arbeiten zu verrichten wie die Männer, erst erkämpfen müssen. Drei Jahre später ist Kubitschek auch in dem DDR-Historien-Drama „Thomas Müntzer – ein Film deutscher Geschichte“ zu sehen, dem von westlicher Seite Geschichtsklitterung im ideologischen Auftrag vorgeworfen wurde.

Die politischen Zeitläufte wirkten auch in das Leben der 1931 im tschechischen Komotau geborenen Ruth Maria Kubitschek hin. Nach einem längeren Theaterengagement im Westen kehrte sie 1959 nicht in die DDR zurück und reüssierte zunächst an westdeutschen Bühnen. Ihre Defa-Karriere war damit allerdings noch nicht beendet. In nach ihrer Flucht herausgekommenen Filmen wie „Das Leben beginnt“ von Heiner Carow und „Der schweigende Stern“, dem ersten Science-Fiction-Film der DDR überhaupt, war sie noch mit von der Partie. Ihr erster Film im Westen wurde dann „Die Sendung der Lysistrata“, das TV-Debüt von Fritz Kortner, in dem sie an der Seite von Romy Schneider und Barbara Rütting spielte und sogleich in einen gesellschaftlichen Skandal verwickelt wurde. Die ARD-Anstalten mehrerer CDU-regierter Länder wollten auf die Ausstrahlung verzichten. Der Film sei sittlich anstößig und politisch einseitig. Ein Vertreter der Atomrüstung werde auf unzulässige Weise karikiert, so der Vorwurf.

Im Verlauf der politischen Konfliktphase der Bundesrepublik wurde Ruth Maria Kubitschek dann zu „der Kubitschek“, insbesondere über den deutsch-französischen Film „Ich schlafe mit meinem Mörder“ von 1970, der die sich lockernde Sexualmoral thematisiert, sich von der Kritik jedoch den Vorwurf gefallen lassen musste, ein „abgeschmacktes Erotik-Drama“ zu sein.

Wo winzige Gesten reichen

Ruth Maria Kubitschek war fortan gut gebucht für Krimi- und Familienserien, bevor sie in den ironischen 80er Jahren in zwei Serien von Helmut Dietl ihre Paraderollen fand und das Serienprofil mit subtilen Witz und schräger Drastik erneuerte. An der Seite von Helmut Fischer war sie in „Monaco Franze“ das „Spatzl“, während sie in „Kir Royal“, einer Persiflage auf die Münchner Schickeria, der Verlegerin der Münchner „Abendzeitung“, Anneliese Friedmann, eine unverwechselbare Gestalt verlieh. Charme, Skrupellosigkeit und Hybris – die Schauspielerin ließ dies alles manchmal allein mit winzigen Gesten aufblitzen und bog nun langsam in die Phase des würdevollen Älterwerdens ein.

Bis 1962 war Ruth Maria Kubitschek mit dem Regisseur und späteren Berliner Opernintendanten Götz Friedrich verheiratet, aus der Ehe mit ihm stammt ihr 1957 geborener Sohn Alexander. Ab Mitte der 70er Jahre war sie bis zu dessen Tod 2016 mit dem Fernsehproduzenten Wolfgang Rademann liiert, in dessen Erfolgsserie „Das Traumschiff“ sie gelegentlich auftrat.

In ihrem eigentlichen Spätwerk widmete sie sich dann jedoch dem Schreiben und dem Malen. Sie veröffentlichte rund ein Dutzend Werke in verschiedenen Genres, in denen die heute ihren 90. Geburtstag feiernde Alleskönnerin ihre intensive Beschäftigung mit esoterischen Themen verarbeitet, altersweise und auf eine angenehme Art gelassen.

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