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Friedrich Merz gehen bei Markus Lanz die Argumente aus

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Von: Teresa Schomburg

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Bei Markus Lanz im ZDF wird die Ukraine-Reise von CDU-Chef Friedrich Merz (r.) scharf kritisiert. (Screenshot)
Bei Markus Lanz im ZDF wird die Ukraine-Reise von CDU-Chef Friedrich Merz (r.) scharf kritisiert. (Screenshot) © ZDF

Bei Markus Lanz im ZDF muss Friedrich Merz scharfe Kritik an seiner Ukraine-Reise einstecken. Auch die Weltmacht China ist Thema in der Sendung vom 7. Juni.

Hamburg – Gerade ist die Nations League-Berichterstattung zu Ende gegangen, die deutsche und die englische Mannschaft haben sich 1:1 getrennt. Fast eine Stunde später als gewöhnlich gilt es nun noch, ins Gespräch über den Ukraine-Krieg einzutauchen. Markus Lanz beginnt zum Wachrütteln provokant mit einem kombinierten Werbeblock für Friedrich Merz und das ZDF. Merz habe den Kanzler unlängst so provoziert, dass es richtig „unterhaltsam“ im Bundestag geworden sein. Der CDU-Chef habe China- und Rentenpolitik im Blick, jetzt auch mit neuer Brille und sitze im ZDF, weil er wisse: „Mit dem Zweiten sieht man besser.“

Doch dann ist Schluss mit schönen Worten: „Was hat Ihre Reise in die Ukraine gebracht?“, will Markus Lanz wissen. „Ich hab das Ausmaß der Zerstörung gesehen“, wiederholt Friedrich Merz seine üblichen Antworten zu dem Thema, mit kritischem Unterton in Richtung Regierung und zu zögerlichem Olaf Scholz. Er, Friedrich Merz, habe jedenfalls den Schluss gezogen, dass man dem Land mit größter Konsequenz helfen müsse. „Gespräche und Diplomatie helfen im Augenblick nicht“, sagt Merz.

Markus Lanz (ZDF): Gäste kritisieren Ukraine-Reise von Friedrich Merz scharf

So weit, so bekannt. Doch die taz-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann und der ehemalige deutsche Botschafter in Moskau Rüdiger von Fritsch lassen den forschen Oppositionsführer nicht so leicht mit seiner Rolle des konsequenten Mahners davon kommen. „Friedrich Merz stellt die Situation etwas falsch dar“, kontert Ulrike Hermann in der ZDF-Runde. Olaf Scholz mache lediglich, was die USA vorgibt, da die Bundeswehr einfach nicht genug Waffen zum Liefern hätte. Von Marder bis Gepard sei immer das Problem: Man braucht Munition, Ersatzteile, ausgebildete Leute. „Diese Idee, dass wir einfach den Schrank öffnen, und liefern – das gibt es so nicht“. Merz hält dagegen und mutmaßt mit Blick auf des Kanzlers Motive schließlich sogar in verschwörerischem Unterton: „Ich habe das ungute Gefühl, dass die Öffentlichkeit und auch Teile der Opposition nicht alles wissen.“

Rüdiger von Fritsch wird bei Markus Lanz nun sehr deutlich in seiner Kritik: „Herr Merz, Ihre Reise fand ich nicht richtig.“ Die Reise habe die Wahrnehmung ausgelöst, Deutschland sei innerlich zerrissen. Von Fritsch wirft Merz sogar vor: „Diese Reise diente dazu, unser Staatsoberhaupt zu düpieren.“ Als Ulrike Herrmann einsteigt und ergänzt, ganz Deutschland sei düpiert worden, gehen Merz die Argumente aus und er stellt sich einfach stur: „Dieser Vorwurf ist neu, den habe ich noch nicht gehört“.

Ukraine-Krieg ist Thema bei Markus Lanz im ZDF: Muss die Ukraine den Krieg gewinnen?

Spätestens an diesem Punkt hat man eigentlich genug von Friedrich Merz und seinen Ausweichmanövern gehört, die recht geschickt als Angriffe und Gegenangriffe getarnt sind. Aber ausgerechnet jetzt will Markus Lanz noch einmal explizit auf Merz und seine Rolle als munterer Oppositionsführer eingehen, in der er sich offenbar wohlfühle. In einem Einspieler aus dem Bundestag fordert Merz den Kanzler heraus: „Warum sagen Sie nicht ganz klar: Die Ukraine muss diesen Krieg gewinnen?“ Scholz fordert mindestens ebenso forsch: Merz habe nichts Konkretes gesagt, er müsse „more Beef“ liefern. Rüdiger von Fritsch begrüßt die lebendige Debattenkultur im Bundestag, hat aber Schwierigkeiten mit Merz’ Formulierung: Richtiger sei doch, sagt er im ZDF: „Putin darf sein geostrategische Spiel nicht gewinnen.“

Gäste bei Markus Lanz am 7.6.2022
Friedrich MerzCDU-Chef
Ulrike HerrmannJournalistin, „taz“-Wirtschaftsredakteurin
Rüdiger von FritschEx-Diplomat, ehemaliger deutscher Botschafter in Moskau
Janka OertelSinologin, China-Expertin des „European Council on Foreign Relations“

Diskussion bei Markus Lanz (ZDF) geht in eine neue Richtung – gen China

Schon spät am Abend geht die ZDF-Diskussion noch einmal in eine neue Richtung, der Tonfall schwenkt dabei von konfrontativ auf informativ. Markus Lanz lässt die Sinologin Janka Oertel ihr Wissen zur Weltmacht China einwerfen. Sie verdeutlicht auf beunruhigende Weise, wie eng eigentlich unsere eurozentrische Sicht ist. „In Russland stellt man sich schon auf eine neue sinozentrische Weltordnung ein“, sagt Janka Oertel. Der Krieg sei lediglich ein Symptom für die Neuverteilung der Machtverhältnisse, nicht die Ursache.

Und bei der gehe es bei weitem nicht nur um den Handel, sondern etwa auch um die Deutungshoheit über den Krieg und dessen Folgen: „China hat jetzt schon einen großen Einfluss auf das globale Narrativ,“, sagt Janka Oertel. In Ländern wie Indien oder Südafrika höre sie Sätze wie „Die EU soll endlich die Sanktionen auf die Nahrungsmittel aufheben“ oder „Die Nato ist an allem schuld“. Im Raum bleibt die bange Frage: Wie können Deutschland, Japan, USA da überhaupt noch die eigene Botschaft rüberbringen?

Thema bei Markus Lanz im ZDF: Die Weltmacht China

Immerhin, es gibt noch etwas Hoffnung. Rüdiger von Fritsch betont: „Wir sollten nicht zu angsterfüllt auf dieses neue Duo schauen“. Russland immerhin werde ungeheuer geschwächt aus dem Krieg hervorgehen. Und Janka Oertel rückt noch ein paar gängige Vorurteile gerade: So abhängig, wie es immer dargestellt werde, sei Deutschland gar nicht von China. Schließlich gingen nur etwa 8 Prozent unsere Exporte nach China, 70 Prozent in die EU.

Markus Lanz, Sendung vom 7. Juni

Hier können Sie die Talkshow im ZDF in der Mediathek anschauen

Das will Markus Lanz aber nicht so stehen lassen und hebt noch auf technische Branchen ab, in denen chinesische Hersteller Oberwasser gewonnen haben. So schließe Nordex in Rostock das letzte Werk für Rotorblätter für Windturbinen, vor einigen Jahren sei Ähnliches schon mit der Solartechnik passiert. Ulrike Herrmann ist sich in puncto Solartechnik sicher: „Das hätte man nicht verhindern können“. Bei den Windrädern seien aber das größte Problem die Abstandsregeln. Während Markus Lanz eine Weile darauf herumzureiten versucht, dass Friedrich Merz ja im Sauerland sogar einen Abstand von 1500 Meter durchsetzen wolle, steigt der lieber auf einen anderen Punkt ein, nämlich die Frage, wie es sein könne, dass deutsches technisches Know-How in Gestalt etwa einer Robotik-Firma einfach so über den Tisch an China gehe. „Das Problem ist, dass wir es umgekehrt in China nicht auch so machen. Was China hier darf, müssen wir dort auch dürfen“, sagt Friedrich Merz. Damit bringt Merz indirekt seinen eigenen Politikstil gut auf den Punkt, der davon geprägt ist, sich das zu nehmen, was man eben gerade für richtig hält.

Bei Markus Lanz (ZDF): Merz kommt an seine Wissens-Grenzen und hat Glück, dass die Sendezeit endet

Als Rüdiger von Fritsch noch auf einen spannenden zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Beginn der Energiewende und der wachsenden Abhängigkeit von russischem Gas eingehen will, hat Friedrich Merz, der offenbar wenig im Bilde ist, Glück: Markus Lanz muss die Runde leider beenden. Bleibt zu wünschen, dass es nächstes Mal früher um die Inhalte und weniger um die Personalie Friedrich Merz geht. (Teresa Schomburg)

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