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Ukraine-Talk bei Anne Will: „Russland liegt schon im Leichenschauhaus“

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Von: Daland Segler

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Anne Will und ihre Gäste sprachen am 16. Oktober über das Thema „Raketen auf zivile Ziele - Ist Putin noch zu stoppen?“
Anne Will und ihre Gäste sprachen am 16. Oktober über das Thema „Raketen auf zivile Ziele - Ist Putin noch zu stoppen?“ © Screenshot ARD

Anne Will lässt ihre Gäste über die Zukunft von Wladimir Putin und Russland spekulieren.

Das Urteil war vernichtend. Der Mann, der in der Runde bei Anne Will den russischen Diktator Wladimir Putin am besten kennen dürfte, ließ kein gutes Haar am ehemaligen KGB-Agenten. „Er ist ein Mensch des Krieges“, sagte Autor Viktor Jerofejew über Putin und beschrieb ihn als ehemaligen Leningrader „Hinterhofschläger“. Jerofejew erinnerte daran, dass Putin schon beim Untergang des U-Boots „Kursk“ oder den Kriegen in Georgien und Tschetschenien keinerlei Skrupel gehabt habe. Die Folge seines Angriffskrieges auf die Ukraine sei ein Regime im Leiden: „Es ist ein Todesschmerz“ urteilte der Schriftsteller; und mehr noch: Russland sei eigentlich „schon eine Leiche, im Leichenschauhaus.“

Die deutsche Angst: Putins stärkste Waffe

Die anderen Gäste mochten solcher Drastik nicht unbedingt folgen, zumal Anne Will fragte, wenn das Land in Agonie sei, ob das Putin nicht erst recht gefährlich mache. Da war sie wieder, die deutsche Angst, die Marina Weisband als Putins stärkste Waffe ausgemacht hat. Denn dass der Despot im Kreml wirklich nicht blufft und auch Atomwaffen einsetzen könnte, glaubte in der Runde niemand so recht.

Marie-Agnes Strack-Zimmermann erinnerte an die russische Besetzung des havarierten Atommeilers in Tschernobyl und nannte es Putins Narrativ, dass er vor dem Einsatz von Atomwaffen nicht zurückschrecken werde. Er wolle die westlichen Allianzen von innen aufbrechen.

Anen Will (16. Oktober): Die Gäste

Marina WeisbandDeutsch-ukrainische Publizistin
Martin SchulzVorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung
Marie-Agnes Strack-ZimmermannVorsitzende des Verteidigungsausschusses
Sarah PagungPolitologin und Russland-Expertin
Viktor JerofejewSchriftsteller, im Frühjahr 2022 aus Russland emigriert

Ähnlich argumentierte Martin Schulz. Man müsse keine Angst vor Atomschlägen haben, vielmehr sei die Spaltung des Gegners eine Strategie des Herrschers in Moskau. Wenn man auf die Märsche der Querschwurbler und Nazifreunde in deutschen Städten und die Aussagen prominenter Verwirrter wie Wagenknecht und Precht blickt, zeitigt diese Strategie ja gewisse Erfolge.

Gegen dieses Vorgehen Putins hülfe westliche Solidarität, „dann hat er nicht wirklich eine Schnitte“, formulierte Marina Weisband. Sie skizzierte die Schritte zu einer Friedensordnung, wobei sie betonte, dass ein Einfrieren des Konflikts auf dem jetzigen Stand das Beste sei, was Putin passieren könne. Es dürfe aber keine Belohnung für Kriege geben. Stattdessen müsse das Völkerrecht gestärkt werden, damit Verstöße dagegen auch geahndet werden können.

Waffenlieferungen an die Ukraine gefordert

Was also tun, um zu verhindern, dass Putin das Erreichte absichern kann, wie Sarah Pagung erklärte? Natürlich Waffenlieferungen an die Ukraine. Womit Genosse Martin Schulz in Verlegenheit kam, weil er seinen Kanzler verteidigen wollte, der partout keine Kampfpanzer nach Kiew schicken will – warum auch immer. Das gemeinsame Handeln bisher sei doch ein Erfolgsrezept, so Schulz, der wie viele andere Sozialdemokraten die Antwort schuldig blieb, warum Deutschland nicht die gewünschten Panzer liefert. Sie habe in Europa jedenfalls noch niemand getroffen, der Angst davor habe, „dass Deutschland zu viel macht“, so die Liberale Strack-Zimmermann.

Anne Will

Anne Will, Das Erste, von Sonntag, 16. Oktober, 21.45 Uhr. ARD-Mediathek

Sarah Pagung erinnerte daran, dass die USA soviel an Unterstützung der Ukraine lieferten wie alle Europäer zusammen. Deutschland liege da in absoluten Zahlen an vierter Stelle, bezogen aber auf das Bruttoinlandsprodukt seien wir 13. Und Führung bedeute auch, so die Politologin in Anspielung auf Äußerungen von Scholz und Ministerin Lambrecht, „gewisse Risiken einzugehen“. (Daland Segler)

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