Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Jack Black als Jerry (links) und Mos Def als Mike in der Komödie "Abgedreht" von Michel Gondry.
+
Jack Black als Jerry (links) und Mos Def als Mike in der Komödie "Abgedreht" von Michel Gondry.

Film

Rückspulgebot

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
    schließen

Michel Gondry begeistert mit seiner Begeisterung in der Parodie "Abgedreht". Von Daniel Kothenschulte

Hoffentlich macht Ihnen unser Film genauso viel Spaß, wie er uns beim Drehen bereitet hat." Kein Wunsch wird von Filmemachern bei Premieren häufiger geäußert als dieser, aber natürlich ist er mit Vorsicht zu genießen. Niemand würde sich von einem Arzt behandeln lassen, der mit dem selben Ethos zu Werke ginge, ja man würde sich nicht einmal einem Spaß getriebenen Taxifahrer anvertrauen. Warum dann einem Filmemacher?

Michel Gondrys Komödie "Abgedreht" ist die Sorte Film, die allen am Set einen Mordsspaß bereitet haben muss. Etwa zwanzig Prozent davon übertragen sich am Ende auf das Publikum. Man kann sich darüber streiten, ob man mit diesem Anteil zufrieden ist. Schon die Grundidee kann man für ansteckend komisch halten.

Ein stadtbekannter Nerd stößt in seiner Stammvideothek gegen eines dieser berüchtigten, wackeligen Regale, wie sie dort üblich sind, und alle Filme fallen runter (das ist noch nicht komisch, dafür ist es dem Kritiker schon zu oft passiert). Da der von Jack Black gespielte Tölpel allerdings vorher vor einem Atomkraftwerk demonstriert hat, löscht er mit seiner Energie alle Kassetten, worauf man sie neu bespielen muss.

Nicht jedoch mit den Originalen aus Hollywood: Aus schierer Geldnot dreht sie der Gehilfe hinter der Ladentheke mit eigener Kamera, und sein Name ist nicht Quentin Tarantino. Als einziger Hauptdarsteller kommt natürlich nur der Verursacher des Schadens in Frage. Die Remakes werden Bombenerfolge - auch wenn die arglose Kundschaft (darunter: Mia Farrow!) den Schwindel nicht bemerkt.

Gondrys Filmidee ist aus dem reinen Spaß an der Freude geboren. Es stört ihn nicht, dass heute nur noch DVDs in solchen Läden stehen und dass auch schon in Videozeiten die Hüllen in den Regalen leer waren. Das waren sie schon 1984, als Wim Wenders in Blumenbergs Film "Tausend Augen" einen Videodieb spielte, der mit der Packung eines Ford-Westerns unter der Jacke erwischt wird und sich moralisch rechtfertigt: "Es gibt Filme, die muss man da einfach rausholen."

Auch Gondrys Hobbyfilmer handeln aus ethisch untadeligen Motiven: Dem von Danny Glover gespielten Ladenbesitzer steht das Wasser bis zum Hals; die Abrissbirne droht, um sein Paradies zwar nicht gleich in einen Parkplatz zu verwandeln, aber doch in einen "Starbucks" oder Schlimmeres. Auch dieses Motiv ist ein obskures Remake, man erinnere sich nur an "Herbie groß in Fahrt".

Tatsächlich ist es gerade die altertümliche Naivität seiner Rahmenhandlung, die diesem Film Liebenswürdigkeit verleiht. Über weite Strecken verbreitet er die fast vergessene Hemdsärmlichkeit von Disney-Komödien aus den Siebzigern. Kleinen Meisterwerken wie "Zotti das Urviech" oder "Die Katze aus dem Weltraum". Das Problem sind allein die vermeintlichen Höhepunkte, trashige und wirklich kein bisschen komische Parodien von Preziosen wie "Ghost Busters" oder "Rush Hour 2".

Als Abschlussfilm der vergangenen Berlinale erntete "Be Kind Rewind", wie der Film nach dem Rückspulgebot auf Leihkassetten im Original heißt, allgemeine Entgeisterung. Laienhafter Slapstick ist das letzte, was man zu derartigen Festivitäten erwartet, während Gondrys vorheriger Film "Anleitung zum Träumen" in seiner unverstellten Poesie ein idealer Festivalbeitrag gewesen war.

Dabei erzählen beide Filme auf unterschiedliche Art vom selben Thema, der Freude am Selbstgemachten. Ich habe Michel Gondry kennen gelernt. Auch seine besseren Werke hat er aus diesem Grund geschaffen - außer ein Björk-Video, mit dem er hoffte, sie ein wenig in ihn verliebt zu machen. Es gibt eine herrliche Szene, in der sich die Jungfilmer als Filmbosse ausgeben, um eine Wäschereigehilfin zu erobern. Sie allein ist den Film wert. Gondry ist so voll Energie, dass er den Film nicht auf Video hätte drehen können. Er hätte die Bänder gelöscht. Mit zwanzig Prozent seiner Begeisterung kann man gut leben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare