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RTL: Der größte Privatsender im deutschen Fernsehen

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Das neue RTL-Logo, das im September 2021 eingeführt wurde.
Das neue RTL-Logo, das im September 2021 eingeführt wurde. © Oliver Berg/dpa

RTL ist weitaus mehr als nur ein deutscher Fernsehsender: Beliebtes Streitthema und mächtiger Meinungsmacher. Das Multimedia-Unternehmen im Überblick.

Frankfurt/Köln ‒ RTL Deutschland ist eine private Mediengruppe mit Sitz in Köln und ging aus RTL (Radio Télévision Luxembourg) hervor. Entstanden ist die Gruppe ursprünglich als Ableger des deutschsprachigen Radioprogramms Radio Luxemburg. RTL Television gilt in Deutschland nach dem Medienstaatsvertrag als Gruppe privater Fernsehsender mit Vollprogramm nach dem Medienstaatsvertrag.

RTL Deutschland GmbH
BrancheMedienunternehmen
Gründung1984 in Luxemburg (als RTL Television)
SitzKöln (seit 1988)
LeitungStephan Schäfer, Matthias Dang
Mitarbeiter7500 (Stand 2021)
Umsatz2,1 Milliarden Euro

Zu RTL Deutschland gehören neben RTL die Fernsehsender VOX, Super RTL, RTLNitro, RTLPlus, n-tv sowie RTL2. RTL Deutschland ist Teil des internationalen Medienunternehmens RTL Group S.A. mit Hauptsitz in Luxemburg, das 2019 laut eigenen Angaben einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro erwirtschaftete. Die als Societé Anonyme agierende Aktiengesellschaft beschäftigt unmittelbar circa 11.000 Mitarbeiter:innen und ist im Besitz zahlreicher multimedialer Produktionsunternehmen.

RTL: Womit verdient Deutschlands größte Privatsender-Gruppe eigentlich ihr Geld?

Nach dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit seinen größten Vertretern ARD und ZDF ist RTL laut AGF Videoforschung die Mediengruppe mit den durchschnittlich höchsten Einschaltquoten im deutschsprachigen Raum. Zu den Hauptaktivitäten des Unternehmens zählen der Betrieb von 15 Fernsehsendern, der Vertrieb von mehreren digitalen Plattformen, die Produktion von Film-, Fernseh- und Radioinhalten sowie die Vermarktung ihrer Medienprodukte und Dienstleistungen.

Abgesehen von dem Hauptgeschäft im Fernsehbereich produziert und vertreibt RTL Printprodukte sowie Tonträger und ist außerdem an zahlreichen Produktionsfirmen beteiligt, die diverse Medieninhalte und Fernsehformate bereitstellen und deutschlandweit vertreiben. Seit einigen Jahren expandiert das Unternehmen auch in der Produktion von Podcasts.

Die Geschichte von RTL und seine Wurzeln in Luxemburg

RTL Television feierte seinen Sendestart als deutschsprachiger Fernsehkanal am 2. Januar 1984 von Luxemburg aus. Um zusätzliche Frequenzen für die Übertragung weiterer Fernsehkanäle zu erhalten, verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz 1988 nach Köln. So konnte die Mediengruppe sich schnell als größter Faktor im deutschsprachigen Privatfernsehen etablieren und zahlreiche weitere Sender lancieren.

2007 ging RTL Television in der Dachgesellschaft Mediengruppe RTL Deutschland auf. Diese gehört als deutscher Ableger zum internationalen Medienunternehmen RTL Group, das bereits in den 1920er-Jahren als Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion als private Rundfunkanstalt in Luxemburg gegründet wurde.

Noch mehr Information und positive Unterhaltung, voller Verantwortungsbewusstsein und Freude

Stephan Schäfer, Geschäftsführer Inhalte & Marken Mediengruppe RTL Deutschland

Ab dem 13. September 2021 lautet der offizielle Name des Unternehmens RTL Deutschland. Der Namenswechsel kam mit einem leicht veränderten Logo und einer neuen inhaltlichen Strategie einher. Laut RTL Deutschland-CEO Bernd Reichart stehe nun eine „gemeinsame Marke RTL, die ihre Strahlkraft bündelt und für positive Unterhaltung, unabhängigen Journalismus sowie Inspiration, Energie und Haltung steht“ im Mittelpunkt der neuen Unternehmensvision.

Die neue RTL United-Kampagne mit Plakaten nach der Vorlage von Maurice Masson und der neuen Markenidentität des Senders. Das RTL-Logo ist nun ein Multi-Color-Logo, das seine Farben stets wechselt.
Die neue RTL United-Kampagne mit Plakaten nach der Vorlage von Maurice Masson und der neuen Markenidentität des Senders. Das RTL-Logo ist nun ein Multi-Color-Logo, das seine Farben stets wechselt. © Maurice Masson/dpa

RTL Group, RTL Deutschland und Bertelsmann: Struktur des RTL-Konzerns

Die RTL Deutschland GmbH ist nach deutschem Recht als eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung im Unternehmensregister eingetragen. Ihr Unternehmensgegenstand besteht im Wesentlichen als „Wahrnehmung übergreifender Interessen der Einzelunternehmen sowie alle damit zusammenhängenden Aktivitäten“.

Das gesamte Stammkapital von RTL Deutschland entfällt zu 100 Prozent auf die UFA Film und Fernseh GmbH, die sich wiederum vollständig im Besitz der RTL Group Deutschland GmbH befindet. Die RTL Group ist börsennotiert und gehört zu über 75 Prozent zum internationalen Konzern Bertelsmann SE & Co. KGaA mit Sitz in Gütersloh.

Das Logo der RTL Group am neuen Verwaltungsgebäude in Luxemburg.
Das Logo der RTL Group am neuen Verwaltungsgebäude in Luxemburg. © Horst Galuschka/dpa

„Wer wird Millionär“, „GZSZ“, „Exklusiv“, „DSDS“, „Stern TV“ und „Das Supertalent“: Bekannte RTL-Formate

Das Repertoire an Fernsehsendungen aus dem RTL-Universum besteht aus jahrzehntealten Klassikern und immer wieder neuen Formaten. Es reicht von Soaps wie dem Evergreen „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ), Quizshows wie der Dauerbrenner „Wer wird Millionär“, den Talentshows wie „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) bis hin zu journalistischen Magazinen wie „Exklusiv“.

Im Herbst 2021 startete RTL eine selbst ausgerufene Nachrichten-Offensive, Teil davon ist unter anderem das kompakte News-Format RTL Direkt. Dafür konnte man die ehemaligen Tagesschau- beziehungsweise Tagesthemen-Moderatoren Jan Hofer und Pinar Atalay gewinnen. Damit einhergehend formulierte der Sender eine neue Strategie, vermutlich auch aus Image-Gründen. Ein Überblick über beliebte Sendungen der RTL-Gruppe:

Wochentags ausgestrahlte Sendungen:

SendungTyp
Wer wird Millionär (seit 1999)Quizshow
5 gegen Jauch (2009)Quizshow
Gute Zeiten, schlechte Zeiten (1992)Seifenoper
Unter uns (1994)Seifenoper
Alles was zählt (2006)Seifenoper
Explosiv (1992)Boulevard- und Verbrauchermagazin
Exclusiv (1994)Boulevardmagazin
Extra (1994)Boulevard- und Verbrauchermagazin
Punkt 12 (1992)Mittagsjournal
RTL aktuell (1988)Hauptnachrichtensendung
RTL Nachtjournal (1994)Nachrichtenmagazin
RTL Direkt (2021)Nachrichtenjournal
Spiegel TV Magazin (1988)Themenmagazin
Stern TV (1990)Themenmagazin

Wöchentlich ausgestrahlte Sendungen:

SendungTyp
Alarm für Cobra 11 (seit 1996)Actionserie
CSI: Miami (2005)Krimiserie
Deutschland sucht den Superstar (2002)Castingshow
Das Supertalent (2006)Castingshow
Der Bachelor (2004)Datingshow
Die Bachelorette (2004)Datingshow
Bauer sucht Frau (2005)Datingshow

Günther Jauch, Oliver Pocher und Co.: Persönlichkeiten aus dem RTL-Universum

Eine Reihe namhafter Schauspieler:innen, Journalistinnen und Journalisten, Moderatorinnen und Moderatoren sowie TV-Stars haben das Fernsehangebot von RTL über die Jahre geprägt. Einige von ihnen haben den Sender im Laufe der Jahre verlassen, andere gehören noch immer zum festen Ensemble. Eine Auswahl der RTL-Sternchen:

Musikproduzent Toby Gard (links), Sängerin Ilse DeLange und Schlagerstar Florian Silbereisen sind die neue Jury der RTL-Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS).
Musikproduzent Toby Gard (links), Sängerin Ilse DeLange und Schlagerstar Florian Silbereisen sind die neue Jury der RTL-Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS). © Matthias Bein/dpa

ProSieben, Sat1, Kabel Eins, Netflix und Amazon Prime: Die Konkurrenz von RTL

Die zweitgrößte Gruppe von Privatsendern im deutschsprachigen Fernsehen ‒ und damit größter Konkurrent von RTL ‒ ist die ProSieben Sat1 Media SE mit Sitz im oberbayerischen Unterföhring. Zu ihr gehören unter anderem die Sender ProSieben, Sat1, Kabel Eins sowie Sixx. Inhaltlich ähneln zahlreiche ihrer Sendungen denen von RTL, weshalb verschiedene Moderator:innen zwischen den beiden Sendern regelmäßig wechseln.

Da RTL mit dem Streaming-Anbieter RTL+, ehemals TVNow, auch eine kostenpflichtige Online-Plattform für On-Demand-Inhalte betreibt, befinden sie sich in unmittelbarem Wettbewerb mit den Branchen-Riesen Netflix, Amazon Prime, Sky Ticket, Magenta TV und YouTube Premium und Joyn (ProSieben Sat1). Zukünftig will RTL+ laut Pressemitteilung verstärkt auf Exklusivinhalte setzen.

Mit 2,4 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten, einem monatlichen Preis von 4,99 Euro (Stand Q3 2021), einer 30-tägigen Kündigungsfrist und zahlreichen Formaten des US-amerikanischen Serienriesen HBO gilt das Angebot von RTL+ als preisgünstigeres Alternativangebot zur Konkurrenz mit einem ausgeprägten Fokus auf Unterhaltungsinhalten. Allerdings kann die Bandbreite des momentan verfügbaren Katalogs kaum mit denen der großen internationalen Wettbewerber mithalten.

Kritik am Fernsehprogramm von RTL

Seit Jahren steht der Privatsender RTL immer wieder in der Kritik, der Informationsgehalt seines Fernsehprogramms sei für Zuschauer:innen überschaubar und bisweilen irreführend und die inhaltliche Ausrichtung des Unternehmens trage zu einem allgemeinen Kulturverlust, vor allem beim jüngeren Publikum, bei. Hier stehe klar Unterhaltung vor Wissensvermittlung oder Information im Vordergrund.

So wurde der Sender in den Medien wiederholt dafür kritisiert, dass er mehrere seiner Formate wie beispielsweise Die Super Nanny oder Mitten im Leben als Dokumentationen präsentierte, obwohl es sich tatsächlich um Scripted Reality handelte ‒ also Erzählungen mit einem vorgegebenen Handlungsfaden. Zur Kritik beigetragen haben wiederholte negative Äußerungen von Protagonistinnen und Protagonisten dieser Formate über die Drehmethoden der beteiligten Produktionsfirmen.

2015 bezeichnete Zeit Online in einem Beitrag den Privatsender als „Unterschichtenfernsehen“ mit einer „verantwortungslosen Ballermannbespaßung, das die Lüge strukturell zum Faktum verdreht und Sachlichkeit allenfalls homöopathisch dosiert.“ In selbigen Beitrag wird RTLs Aushängeschild und Vorzeigemoderator Günther Jauch als „Kaiser des Entertainments“ bezeichnet, ihm aber ernst zu nehmender Journalismus abgesprochen.

Ein RTL-Skandal und der Begriff der „Lügenpresse“

Ende 2014 kam es zum Skandal, als ein verdeckter RTL-Reporter sich als Pegida-Demonstrant ausgab und in der Sendung „Kontaktversuch: ‚Lügenpresse‘ trifft Pegida“ des NDR-Fernsehmagazins Panorama auftrat. Der Vorfall gelangte an die Öffentlichkeit ‒ RTL beendete nach heftigen deutschlandweiten Kritiken daraufhin die Zusammenarbeit mit dem Reporter. (Raphael Digiacomo)

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