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Roth will ökologische Mindeststandards beim Film

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Claudia Roth
Kulturstaatsministerin Claudia Roth spricht bei der Eröffnungsveranstaltung der 72. Berlinale Internationalen Filmfestspiele. © Monika Skolimowska/dpa

Kulturstaatsministerin Claudia Roth will neue ökologische Mindeststandards für die deutsche Filmindustrie etablieren. Ab 2023 soll es verbindliche Regeln geben.

Berlin - Filme sollen in Deutschland künftig verbindlich mehr Umweltkriterien erfüllen.

„Wir brauchen ökologische Mindeststandards“, sagte Kulturstaatsministerin Claudia Roth am Rande der Berlinale während einer Veranstaltung mit dem Arbeitskreis Green Shooting, Filmförderungen der Länder und der Filmförderungsanstalt in Berlin. Aus Sicht der Grünen-Politikerin gibt es eine große Bereitschaft für nachhaltige Produktion, die sich mittelfristig auch wirtschaftlich lohne.

Wie produziert werde, mache auch den Wert eines Films aus, sagte die Grünen-Politikerin. Richtige und wichtige Änderungen seien bereits eingeleitet worden. Nun gehe es darum, „dauerhafte und verbindliche Strukturen für nachhaltige Produktion zu installieren“. Dabei dürfe es kein sogenanntes Greenwashing geben. Roth kündigte an, das Thema auch international auf Ebene von EU und G7 vorantreiben zu wollen.

Ziel ist es, die seit Januar geltenden Mindeststandards von Green Shooting mit Nachhaltigkeitskriterien der Filmförderungen von Bund und Ländern zu vereinheitlichen. Von 2023 an soll es verbildliche Regelungen geben. Gefördert werden dann nur noch Filme, die entsprechende Kriterien für Nachhaltigkeit erfüllen.

Möglichkeiten für nachhaltige Produktionen sind etwa die Umstellung auf LED-Scheinwerfer, verstärkte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel der Filmcrews, der Einsatz umweltfreundlicher Fahrzeuge oder der Verzicht auf Dieselgeneratoren, Kurzstreckenflüge und Einweggeschirr.

Carl Bergengruen, Sprecher von Green Shooting, verwies darauf, dass viele Investitionen an Entscheidungen für gemeinsame Standards hängen. Zudem könne eine Umstellung nur gelingen, wenn die Film-Crews mitgenommen würden. Die Schauspielerin Maria Furtwängler berichtete davon, zunächst müsse auch auf Privilegien verzichtet werden. „Es sind die Kleinigkeiten, wo wir uns alle fragen müssen, bin ich bereit für Veränderungen.“ Gleichzeitig sieht sie künstlerische Herausforderungen: „Wir haben als Geschichtenerzähler die Möglichkeit, neue Narrative nach vorn zu bringen.“

„Einheitliche Standards wahnsinnig wichtiges Zeichen für die Branche“, sagte Helge Albers von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Die ARD-Vorsitzende und RBB-Intendantin Patricia Schlesinger verwies darauf, das die Sender dem Gemeinwohl verpflichtet seien. „Mindeststandards sind ein erster Schritt, wir müssen da weitermachen.“ Im ersten Schritt koste das ein bis vier Prozent bei den Produktionen.

Sascha Schwingel, Geschäftsführer von VOX Television, verwies darauf, dass die Infrastruktur für nachhaltige Produktionen noch nicht überall vorhanden sei. Wenn aber eine entsprechende Nachfrage entstehe, würden Dienstleiter darauf reagieren.

UFA-Chef Nico Hofmann berichtete, es seien vor allem jüngere Mitarbeiter, die nachhaltige Produktionen forderten und Möglichkeiten dafür thematisierten. Philip Gassmann, Experte für solche Produktionen, berichtete davon, dass bis zu 40 Prozent Kohlendioxid bei einem entsprechend geplanten Film eingespart werden können. Anfängliche Investitionen brächten nach zwei bis drei Jahren Ersparnisse, die „wieder in die Kreativität gesteckt werden können“. dpa

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