Saviano in Berlin

Mitten in Europa

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Roberto Saviano stellt auf der Berlinale die Verfilmung seines Buchs „Der Clan der Kinder“ vor.

Roberto Saviano kommt nach Berlin. Das ist eine gute Nachricht. Denn das bedeutet, dass er lebt. Er ist hier, weil sein Roman „La Paranza dei bambini“ („Der Clan der Kinder“) verfilmt wurde und dieser Film heute im Wettbewerb um den Goldenen Bären zu sehen sein wird. Das Drehbuch schrieb er selbst – gemeinsam mit Maurizio Braucci und dem Regisseur Claudio Giovannesi. Der 1978 geborene Römer hatte schon zwei Episoden der TV-Serie nach Savianos Welterfolg „Gomorrha“ gedreht.

Roberto Saviano, 1979 in Neapel geboren, veröffentlichte 2006 seinen Tatsachenroman „Gomorrha“, in dem er so eindrücklich wie niemand zuvor nicht nur die Brutalität der Camorra, des organisierten Verbrechens, sondern auch deren Clanstruktur und Organisationsweise zeigte. Der Mob antwortete mit Todesdrohungen. Roberto Saviano lebt seitdem unter Polizeischutz. Immer wieder hat der italienische Staat damit gedroht, die Polizisten abzuziehen und damit Saviano dem organisierten Verbrechen zu überlassen. Berlusconi erklärte einmal, Saviano mache Reklame für die Mafia. So etwas könne er nicht durch Polizeischutz unterstützen.

Am 22. September wird Saviano, wenn alles gut geht, 40 Jahre alt. Wir leben mitten in Europa in einer Welt, in der wir froh sein müssen, dass jemand, der Mörder und Verbrecher bekämpft, dieses hohe Alter erreicht. Saviano erinnert uns inzwischen auch durch seine bloße Existenz daran, wie prekär nicht erst unser Wohlstand, sondern schon unser Leben ist.

Ich habe den Film nicht gesehen, der heute Abend gezeigt werden wird. Ich habe aber voller Begeisterung den Roman gelesen über ein halbes Dutzend krimineller Fünfzehnjähriger, die fest entschlossen sind, sich Neapel zu unterwerfen. Sie tun das, indem sie die alten Camorristi und Mafiosi niederknallen und deren Geschäft übernehmen. Es ist ein hartes und zugleich zärtliches Buch. Es hat keine Angst vor Schmutz und keine vor Sentimentalität. Es geht durch die Extreme hindurch. Seit Curzio Malaparte schrieb niemand mehr so.

Morgen um 19 Uhr wird Regisseur Claudio Giovannesi im Italienischen Kulturinstitut (Hildebrandstraße 2) zusammen mit dem jugendlichen Hauptdarsteller Francesco Di Napoli den Film vorstellen. Einen Tag nach der Weltpremiere. Übermorgen um 17 Uhr wird Saviano im HAU Hebbel am Ufer über seine Art zu schreiben sprechen. Über die Verbindung von Fakt und Fiktion, die Rolle von Stimmung und Emotion. Wenn wir Glück haben, wird er auch über das Klanggewebe sprechen, von dem seine Texte leben.

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