Robert Redford in „Der Clou“ (The Sting) von 1973.
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Robert Redford in „Der Clou“ (The Sting) von 1973.

Hollywood-Rebell

Robert Redford wird 80

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Er verkörpert ein besseres Amerika, seine Liebe gilt dem Independent-Kino und der Umwelt: Der Schauspieler und Filmemacher Robert Redford wird 80 Jahre alt.

Man könnte die politische Geschichte der USA mit Robert-Redford-Filmen illustrieren. Erst gerade wieder mag man im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf an seine Titelrolle in Michael Ritchies Film „Der Kandidat“ denken. Damals, im Jahre 1972, war es ihm ein Anliegen, die Inhaltsleere moderner multimedialer Wahlkampagnen vor Augen zu führen. Heute wird Robert Redford achtzig – und sieht es in Interviews nicht anders: den aktuellen Wahlkampf vergleicht er mit einem Karneval und nennt Donald Trump einen Verrückten. Dem Narren attestiert er freilich wenigstens in einem Punkt, für Aufklärung zu sorgen – indem er die anderen Kandidaten als Leichtgewichte entlarve.

Als „Der Kandidat“ ins Kino kam, tobte bereits die Watergate-Affäre – 1976 konnte man diese dann mit Redford und Dustin Hoffman in der Rolle der Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein als Thriller nacherleben. Im Spionage-Thriller „Die drei Tage des Condors“ wirkte seine Rolle geradezu prophetisch: Als Whistleblower wird er zum Staatsfeind im eigenen Land. Und in seiner eigenen Regiearbeit „The Company You Keep“ (2012) spielte er gar einen als Terrorist verfolgten Links-Aktivisten – als Mahnung an den inflationären Umgang mit dem Begriff Terrorismus.

Anfang der 70er Jahre, auf dem Höhepunkt seines Ruhms, sah Robert Redford aus wie der leibhaftige „amerikanische Traum“. Die schönen Sätze, die im Film „So wie wir waren“ über seine Filmfigur zu hören waren, schienen ihn selbst zu meinen: „Er war wie das Land, in dem er lebte. Alles kam ganz leicht auf ihn zu.“ Als Collegestudent blickt er in dieser zwischen den Weltkriegen angesiedelten Liebesgeschichte auf eine junge Kommunistin (Barbra Streisand) mit der gleichen schüchternen Faszination, mit der mancher Normalbürger damals die Hippie- und Alternativkultur betrachtet haben mag. In seinem wirklichen Leben hatte er deren Werte längst verinnerlicht – auch wenn er seine Haare lediglich in seiner Westernrolle des Jeremiah Johnson bis zu den Schultern wachsen ließ.

Wer bereits als „all American boy“ auf die Welt gekommen ist, befindet sich vielleicht in der besten Position, den amerikanischen Traum auf den Prüfstand zu stellen. Die Figuren, die Redford als Star verkörperte, waren Helden auf der Flucht vor einem Ideal, das sie selbst repräsentierten; Charaktere, für die die einfachste aller Lösungen nicht die erstrebenswerte sein konnte. Die Geradlinigkeit und Unschuld der eigenen Ausstrahlung gewährten Redford scheinbar unbeschränkten Kredit. Die Konsequenz, die er daraus zog, war zwiespältig: Den hohen Sympathiewert konnte der Umweltaktivist für seine Ziele nicht ungenutzt lassen, politische Ämter wollte er hingegen nicht bekleiden.

Als Redford 1980 mit „Eine ganz normale Familie“ die Regie für sich entdeckte – und gleich einen Oscar als bester Regisseur gewann – hielt er einem in Selbstzufriedenheit erstarrten Bürgertum den Spiegel vor. Andere seiner Regiearbeiten warben leidenschaftlich für ein weiteres Anliegen – ein Leben im Einklang mit der Natur („Milagro – der Krieg im Bohnenfeld“, „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“, „Der Pferdeflüsterer“). Und auch seine beste Darstellerrolle der letzten Jahre, der einsame Segler in „All is Lost“ zeigte seine Filmfigur im Dialog mit den Naturgewalten. In seinem neuesten Film, dem Disney-Remake „Elliot, der Drache“ (Kinostart 25. August), mimt er gar – nicht ganz ohne Selbstironie – vor den malerischen Landschaften Neuseelands einen Drachenversteher.

Tatsächlich ist er längst selbst eine Naturgewalt. Kein Schauspieler hat seine Prominenz in ähnlicher Weise eingesetzt, um humanitäre und kulturelle Ziele zu verwirklichen – von der Rettung gewaltiger Naturgebiete im Bundestaat Utah bis zur Förderung des anspruchsvollen und unabhängigen Films im Sundance-Institut. So sehr er den Mythos vom amerikanischen Traum bekämpfte und seine falschen Versprechungen entlarvte, so sehr verkörpert er den Traum eines besseren Amerika. Und nie konnte man ihn besser gebrauchen.

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