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„Robert Redford – The Golden Look“: Hollywood-Außenseiter mit politischer Agenda

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Von: Harald Keller

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Arte zeigt die Dokumentation „Robert Redford - The Golden Look“.
Arte zeigt die Dokumentation „Robert Redford - The Golden Look“. © AF archive/Alamy Stock Photo

In seinem Porträt „Robert Redford: The Golden Look“ bekommt der französische Dokumentarfilmer Pierre-Henry Salfati den Star nicht so ganz zu fassen.

Die Bilder fügen sich wunderbar in das Vorhaben, den Schauspieler, Regisseur, Produzenten, Philanthropen Robert Redford zu porträtieren: Da steht der noch leicht milchgesichtige Redford auf dem Flachdach des Fox-Filmtheaters in Westwood und schaut hinüber Richtung Hollywood. Dann macht er sich flugs davon, den Eindruck erweckend, er habe sich unberechtigt dort aufgehalten. Wann, wie und warum diese Szenen gefilmt wurden, erfährt man nicht.

Der französische Dokumentarfilm Pierre-Henry Salfati montiert sie in Kontrast zu Aufnahmen des reifen Robert Redford, der 2015 vor den Vereinten Nationen eine Erklärung abgibt und sich erst einmal dafür entschuldigt, dass er von Beruf Schauspieler ist. „Als Advokat der Umwelt, als Vater und Großvater“ fordert er vereinte Maßnahmen für den Klimaschutz. Für ihn schon ein Thema, lange bevor es Mode wurde.

„Robert Redford – The Golden Look“: Lieber Künstler als Baseball-Crack

Redford wurde in Santa Monica geboren, einem Surfer-Treffpunkt. Salfati zeigt Schwarzweißbilder von blonden Surfertypen. Redford ist auch blond, das passt schon irgendwie. Allerdings zogen die Redfords schon bald nach Van Nuys. Das liegt einige Kilometer von der Küste entfernt. Und dann entdeckt der junge Redford bereits sein Interesse für die Kunst, will Illustrator werden, studiert in Paris, reist durch Europa. Was aber nur möglich wurde, das wird im Film verschwiegen, weil Redford wegen Trunkenheit sein Baseball-Stipendium verlor und die Universität in Boulder verlassen musste.

Kunst studierte er dann in Brooklyn, nahm Schauspielerunterricht, erhielt erste Rollen am Theater. Schon sieht man ihn 1960 unter der Regie von Sidney Lumet in der Eugene-O‘Neill-Adaption „Der Eismann kommt“. Kein Wort davon, dass es sich um eine Fernsehproduktion handelte, um einen Beitrag für die CBS-Reihe „Playhouse 90“, für die auch der Regisseur George Roy Hill tätig war, dem Redford seinen endgültigen Durchbruch verdanken sollte.

„Robert Redford – The Golden Look“: Die ausgeblendete Epoche

Es ist mittlerweile nur noch absurd, die Mitwirkung namhafter Filmschaffender an Fernsehproduktionen bockig zu unterschlagen. Die Ära der Live-Fernsehspiele gilt in den USA als das erste „Goldene Zeitalter des Fernsehens“. Sie versammelte erstklassige Autoren und Regisseure, bereits etablierte Schauspielerinnen und Schauspieler, eröffnete zugleich Karrierewege für spätere Stars wie James Dean, Anne Bancroft, Jack Lemmon, Grace Kelly, Yul Brynner, Steve McQueen, James Coburn, Charles Bronson, Gena Rowlands und viele, viele mehr. Gleich mehrere Generationen hochkarätiger Schauspielerinnen und Schauspieler durchliefen diese Schule.

1962 erntete Robert Redford eine Emmy-Nominierung als bester Nebendarsteller für seine Mitwirkung in dem TV-Spiel „The Voice of Charlie Pont“. Auch auf der Theaterbühne war Redford aktiv, spielte unter anderem in dem Hit „Barfuß im Park“, der 1967 mit ihm und Jane Fonda, die noch häufiger als seine Filmpartnerin auftreten sollte, verfilmt wurde. An dieser Stelle setzt Salfati wieder ein. Redfords vorherige Kinofilme waren erfolglos geblieben, „Barfuß im Park“ machte ihn bekannt, der Neo-Western „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ zum Weltstar. Mit einem kleinen Anlauf. William Goldman, der Drehbuchautor des Films, schrieb: „Sämtliche Kritiken in New York und Kalifornien waren vernichtend.“ Das hat dem Film dann aber nicht geschadet. Heute gilt er als Klassiker.

Konzession an Hollywoods Perfektionswahn

Es geht dann sprung- und lückenhaft weiter durch Redfords Karriere mit kleinen Seitenblicken aufs Privatleben. Pierre-Henry Salfati verfolgt dabei die mehrfach eingebrachte These, dass Redford sich auf Hollywoods Anforderungen an das äußere Erscheinungsbild seiner Stars eingelassen habe, um einen Status zu erlangen, der ihm sein umwelt- und kulturpolitisches Engagement erst ermöglichte. In dem Zusammenhang erhebt sich die Frage, wie weit diese Konzession, wenn es denn eine war, getrieben wurde – Redfords Physiognomie erscheint im Alter ein wenig unnatürlich.

Konflikte werden, wenn überhaupt an gesprochen, flüchtig überspielt. Wie kam es zum Bruch mit Sydney Pollack, warum scheiterte die erste Ehe, warum trennte er sich vom Sender Sundance TV, auf den im Film gar nicht eingegangen wird?

„Robert Redford – The Golden Look“

Arte zeigt das Filmporträt „Robert Redford: The Golden Look“ als Wiederholung am Dienstag, 20.12., um 23:45 Uhr und zuvor um 21:50 Uhr den hellsichtigen, pessimistischen Politthriller „Die drei Tage des Condor“ mit Redford und Faye Dunaway, Cliff und Max von Sydow in den Hauptrollen.

„Robert Redford – The Golden Look“ – Redundant trotz kurzer Spielzeit

Redford selbst kommt im Film nur indirekt über Ausschnitte aus anderen Sendungen zu Wort. Die meisten Beiträge stammen von seinem Biografen Michael Feeney Callan. Der nimmt zwangsläufig eine kommentierende Funktion ein. Material aus erster Hand, beispielsweise Interviews mit Zeitzeugen und Weggefährten, bleibt rar.

Der Film hat nur eine Dauer von 53 Minuten, dennoch wirkt er redundant. Es wird viel geredet, aber wenig ausgesagt. Dem auch als Mäzen hervorgetretenen Redford wird es recht gewesen sein. Der Naturliebhaber scheut den Hollywood-Trubel und die Öffentlichkeit, lebt lieber auf dem Land als in der Großstadt. Vermutlich gilt auch für ihn, was Goldman über Paul Newman und Clint Eastwood schrieb: Ihnen ist immer bewusst geblieben, dass sie „trotz der Millionen Menschen, die sich nach ihnen umdrehen, Menschen sind wie du und ich.“ (Harald Keller)

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