Berlin: Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesvorsitzender, ist zu Gast im ARD-Sommerinterview. Foto: Jörg Carstensen/dpa
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Im ARD-Sommerinterview war Robert Habeck von den Grünen zu Gast.

Co-Chef der Grünen

Robert Habeck macht im ARD-Sommerinterview eine Kampfansage an die Union

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Im ARD-Sommerinterview zeigt sich Robert Habeck, Co-Vorsitzender der Grünen, selbstbewusst und sprach vom Kampf um die Führung im Land.

  • Im ARD-Sommerinterview spricht Robert Habeck (Grüne) auch über die Kanzlerfrage.
  • Habeck sagt, die Grünen „kämpfen um die Führung im Land“.
  • Aber für Differenzierung bleibt im Sommerinterview keine Zeit.

Robert Habeck hat keine Chance. Er wird aller Wahrscheinlichkeit nicht der Kanzlerkandidat der Grünen. Das ist nicht seine Schuld, nicht einmal die seiner eigenen Partei. Sondern die der SPD. Genauer: Berlins Bürgermeister Michael Müller und seiner Staatssekretärin Sawsan Chebli. Denn die beiden streiten um die Kandidatur für ein Bundestagsmandat im Wahlkreis Berlin-Charlottenburg. Der Casus ist ungewöhnlich genug, aber er ist zur Affäre geworden, weil nun einige Genossen gegen Chebli opponieren, aber andere dahinter Machismo vermuten. Und wenn diese Querelen lange genug breit getreten werden in den ja überwiegend konservativ ausgerichteten Medien, dann könnte Habeck kaum seinen Anspruch formulieren, Kanzlerkandidat zu werden, wenn der Schatten der Benachteiligung von Frauen auf ihn fiele.

Robert Habeck (Grüne) im ARD-Sommerinterview: Es geht um die Kanzlerfrage

Beim ARD-Sommerinterview fragte Redakteur Oliver Köhr denn auch erwartungsgemäß, wer für die Grünen an der Spitze ins Rennen gehen solle – was Habeck ebenso erwartungsgemäß nicht eindeutig beantwortete. Nicht einmal die Frage, ob er sich Kanzler zutraue, mochte der Grüne bejahen. Das entscheide nicht er, sondern die Partei, das Team. Er sei dagegen, „Autorität oder monarchische Gesten auszuströmen“; man habe ein anderes Führungsverständnis.

Es gehe darum, die „Lethargie“ im Lande aufzubrechen; Deutschland sei eine krisenanfällige Gesellschaft und es gelte, Krise zu verhindern. Deshalb findet Habeck auch Markus Söders Satz falsch, nur wer Krisen meistere, könne auch Kanzler. Denn dann sei man immer „hinter der Welle“. Es komme darauf an, eine Politik zu machen, dass die Krisen garnicht erst entstünden. Deshalb konzentrierten sich die Grünen auf Inhalte. Das habe die Partei in die Position gebracht, zweitstärkste politische Kraft zu sein. Und nun „kämpfen wir um die Führung im Land.“

ARD-Sommerinterview mit Robert Habeck (Grüne): Für ein staatliches Investitionsprogramm

Gefragt nach den politischen Aufgaben sprach sich der Grünen-Chef dafür aus, ein großes staatliches Investitionsprogramm aufzulegen, damit die Wirtschaft aus der Krise herauskomme; eine Vermögensabgabe sei notwendig, weil starke Schultern mehr tragen könnten.

Beim Thema Corona kritisierte Habeck die Bundesregierung. Das Versäumnis bestehe darin, nicht das Urlaubsende mitgedacht zu haben. Die Regierung habe ihre Hausaufgaben in den Sommerferien nicht gemacht und sei nun schlecht auf den Herbst vorbereitet.

ARD-Sommerinterview mit Robert Habeck (Grüne): Differenziert widerlegt er Kritik

Gegen Ende der Sendung wollte Köhr sein Gegenüber noch mit Widerspruch aus der eigenen Partei und der „Fridays for Future“- Bewegung konfrontieren, was allerdings scheiterte, weil Habeck die Kritiker als nicht informiert darstellen konnte. Auch die Vorhaltung, er habe sich bei seiner Kritik an der Bafin geirrt, konnte er differenziert widerlegen. So fiel auch die seltsamerweise in Köhrs Anmoderation erwähnte Behauptung, er sei ein Politiker, der „immer wieder mit kleineren und größeren Wissenslücken glänzt“, in sich zusammen.

Die Anstalten aber sollten sich gut überlegen, wen sie mit diesen Häppchen im Sommerloch bedienen. Für Differenzierung bleibt keine Zeit, wie auch die leichte Atemlosigkeit bei Robert Habecks Repliken zeigte. Und Fragen, auf die keine Antworten zu erwarten sind, muss man nicht stellen. Den Beleg dafür lieferte die SPD im Sommerinterview mit Saskia Esken, die auf die Frage nach der Kanzlerkandidatur nichts verriet – und am nächsten Tag Olaf Scholz aus dem Hut zauberte... (Von Daland Segler)

ARD-Sommerinterview, Das Erste, von Sonntag, 16. August, 18.05 Uhr. Im Netz.

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