Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

TV-Kritik Günther Jauch (ARD)

Ritual mit Rollen bei Jauch

Haben die Sicherheitsbehörden versagt oder haben sie nur zu wenig miteinander gesprochen? Seit fast einem Jahr wird über die Aufklärung der NSU-Mordserie gestritten, nun mal wieder bei Günther Jauch. Innenminister Friedrich saß im ARD-Talk neben seinen Kritikern. Der Gewinn für den Zuschauer blieb gering.

Von Torsten Wahl

Das Thema der Sendung hieß eigentlich „Deutscher Hass – Wie tief ist der Neonazi-Sumpf?“ Da Gastgeber Jauch offenbar selbst keine Antwort auf diese reichlich allgemeine Frage erwartete, übersetzte er das Thema eingangs in zwei Fragen: Warum hat niemand die rechtsradikalen Täter während ihrer Mordserie festnehmen können? Und woher rührte deren Hass?

Die Motivation der drei Täter wurde im Eingangsgespräch mit einem Jenaer Sozialerbeiter aber bestenfalls gestreift. Das Gespräch in der großen Runde kreiste dann, wieder einmal, um die Rolle der deutschen Sicherheitsbehörden. Innenminister Hans-Peter Friedrich, dessen Äußerungen immer wieder von einer kleinen, aber engagierten Unterstützergruppe im Publikum beklatscht wurden, stellte sich vor seine Beamten, pries deren „fantastische“ Arbeit und versprach, er habe Konsequenzen gezogen und die Kommunikation zwischen den Behörden verbessert. Der Undercover-Reporter Thomas Kuban, die Publizistin Mely Kiyak und der Grünen-Politiker Cem Özdemir aber konnten ganz andere Erfahrungen beisteuern: Thomas Kuban, bizarr verkleidet, vermisst das Einschreiten der Behörden bei Straftaten während vieler Neonazi-Konzerte, Mely Kiyak hat in ihren Kolumnen für „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“ immer wieder die skandalösen Auftritte einzelner Verantwortlicher vor dem Bundestags-Untersuchungsausschuss bloßgestellt und Cem Özdemir fragt sich bis heute, warum die Behörden trotz zahlreicher Indizien und Hinweise nicht konsequent gegen die Rechten ermittelten.

Günther Jauch ließ die gegensätzlichen Standpunkte einfach nebeneinander herlaufen – eine echte Diskussion, ein Streitgespräch mit Mehrwert entwickelte sich kaum. Doch die Untergrundfilme eines Thomas Kuban, die couragierten Kolumnen einer Mely Kiayak oder auch einfach vernünftige Politiker-Interviews mit Cem Özdemir oder Hans-Peter Friedrich bringen dem Interessierten wesentlich mehr Erkenntnisse als dieses Ritual mit fest verteilten Rollen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare