+
Moderatorin Maybrit Illner.

„Maybrit Illner“, ZDF

„Wir können uns nicht mehr drei solcher Sommer leisten“

  • schließen

Eine Wissenschaftlerin vermisste Seriosität bei Maybrit Illners Talkshow über angebliche Kosten des Klimaschutzes.

„Rettet das Klima! Wer zahlt den Preis?“ lautete das Thema bei Maybrit Illner, ein ziemlich schräges Motto. Denn letztlich zahlen wir alle den Preis für die Umweltverschmutzung, ob wir wollen oder nicht. Und ohnehin geht es nicht darum, das „Klima“ zu „retten“, sondern die Umwelt in einem Zustand zu erhalten, der der Menschheit das Überleben sichert. 

Zum Wohle des Landes und der Wirtschaft

„Wir können uns nicht mehr drei solcher Sommer leisten“, rief am Ende entnervt Biologin Antje Boetius, „es geht ums große Ganze!“ Aber Moderatorin und Redaktion ging es um eine kontroverse Debatte über ein Thema, das eigentlich nicht mehr kontrovers debattiert werden müsste – gäbe es nicht die Beschwichtiger und Bremser auf der einen Seite (der Regierung) und der Fachleute wie der Polar- und Tiefseeforscherin Boetius auf der anderen, die täglich unumkehrbare Veränderungen registrieren müssen: „Es geht darum, dass wir Arten, Lebensräume und letztlich unsere Heimat vernichten“! 

Boetius’ Pathos wurde vor allem provoziert von dem in bewährter Weise alles wortreich niederargumentierenden Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Peter Altmaier (CDU). Was hat er nicht alles getan und erreicht zum Wohle des Landes und der Wirtschaft; er zählte es auf. Aber warum es eine Mehrwertsteuer auf Bahntickets, nicht aber auf Kerosin gibt, wie die Journalistin Petra Pinzler kritisierte, die mit ihrer Familie versucht hatte, ein Jahr lang möglichst klimafreundlich zu leben, das erklärte der Minister nicht. 

Robert Habeck, Chef von Bündnis 90/Die Grünen, plädiert für CO2-Steuer

Pinzlers fasste ihre Erfahrungen so zusammen: „Da wird ganz eindeutig in die falsche Richtung gesteuert.“ Steuerung war das Stichwort für die Diskussion, in der es auf letztlich zwei Argumentationsstränge hinauslief. Robert Habeck, Chef von Bündnis 90/Die Grünen und every Talkmaster’s darling, plädierte für eine Steuer auf den Co2-Verbrauch. Er verspricht sich von einem Preis von 20-25 Euro pro Tonne Co2 eine „Lenkungswirkung“ und gab sich überzeugt, dass das Modell sozial gerecht sei, weil die Bürgerinnen und Bürger die Mehrausgaben anteilig zurückbekämen. Peter Altmaier erklärte, man dürfe „Wirtschaft und Bürger nicht stärker belasten“, und dass er die Wirtschaft zuerst nannte, war kaum Zufall. Denn wie auf konservativer Seite üblich stellte der CDU-Mann ein Junktim her zwischen Mehrbelastung für Unternehmen und „Abwanderung von Arbeitsplätzen“ 

Dabei sind es doch wohl die Eigner von Konzernen, die Arbeitsplätze ins Ausland verschieben. Ins gleiche Horn wie Altmaier stieß, wenig überraschend, Marie-Christine Ostermann, Unternehmerin im Lebensmittelgroßhandel. Aber das Ausspielen von wirtschaftlicher Prosperität gegen den Klimaschutz fand Habeck „wirklich blöde“. Ostermann befürwortete geradezu mantramäßig das Modell des Emissionshandels und wiederholte zudem das Argument der klimapolitischen Bremserfraktion (auch von Altmaier benutzt), es dürfe keine nationalen Alleingänge geben. Als ob die schaden würden. Und als ob Länder wie Kanada oder die Schweiz nicht auch „alleine“ gehandelt hätten. 

Sind die Grünen eine Verbotspartei?

Der „Wirtschaftsweise“ Christoph M. Schmidt war sich dagegen sicher: Mit einem Preis für den CO2-Verbrauch werde Handlungsfähigkeit für alle geschaffen, jede(r) könne entscheiden, wo gespart oder auch wo Verzicht geübt werden solle. Das herrschende System sei nicht sozial ausgewogen, sagte der Ökonom. Es gebe zwei Wege. Entweder müsse der Staat mit dem Preis den Rahmen setzen. Oder man belasse es bei staatlicher Lenkung – aber „da fallen wir auf die Nase“. Denn der Staat könne nicht mit der technologischen Entwicklung Schritt halten. 

Maybrit Illner fragte, ob es doch auf Verbote hinausliefe. Schmidt formulierte, die Politik müsse „loslassen“. Und dann wollte die Moderatorin doch tatsächlich noch von Robert Habeck wissen, ob die Grünen noch „Verbotspartei“ seien. Das ging der seriösen Wissenschaftlerin Boetius endgültig über die Hutschnur. Sie empörte sich: „Reden Sie uns doch nicht immer diesen Verzichtskram ein!“ Und damit hatte sie so unrecht nicht. 

„Maybrit Illner“, ZDF, von Donnerstag, 3. Mai, 22.15 Uhr. Infos im Netz. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare