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Jennifer Hudson als Aretha Franklin in dem Film „Respect“.
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Jennifer Hudson als Aretha Franklin in dem Film „Respect“.

„Respect“ im Kino

„Respect“; Kinofilm über Aretha Franklin: Lass mich in dein Leben

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Das Biopic „Respect“ unterwirft das Leben der „Queen of Soul“ Aretha Franklin einer formelhaften Dramaturgie.

Erst vor drei Jahren wurde eine Lücke in der Geschichte des Konzertfilms geschlossen, einem Genre, das um 1970 in voller Blüte stand: Ein Jahr nach dem Tod von Aretha Franklin machten Sydney Pollacks Filmaufnahmen ihres berühmtesten Konzerts eine musikalische Sternstunde endlich auch sichtbar – die Produktion des erfolgreichsten Gospelalbum der Plattengeschichte. Was hatte die „Queen of Soul“ nur bewogen, dieses audiovisuelle Denkmal ihrer selbst so lange unter Verschluss zu halten? Technische Probleme sollten es kaum gewesen sein.

Auch das Biopic „Respect“ findet in 147 Minuten keine Antwort darauf, obgleich der Weg der „Queen of Soul“ zum Live-Album „Amazing Grace“ darin eine zentrale Rolle spielt. Es thematisiert die Probleme nicht einmal. Fast möchte man sagen, mit dem Filmtitel hätte es die südafrikanisch-amerikanische Regisseurin Liesl Tommy wohl etwas zu wörtlich genommen. Doch auf den zweiten Blick kann man das schier endlose Abhaken von Lebensstationen nur als Bärendienst an Franklin betrachten. Selbstgefällig arbeitet sich die Genre-Maschine an einer Ausnahmekünstlerin ab und unterwirft ihre Individualität einem unerbittlichen Räderwerk. „Let Me In Your Life“, heißt eines ihrer Alben, und das trifft auch die nie wirklich eingelöste Beziehung der Filmemacher zu ihrem Thema.

Alles nur Fußnoten

Biopics tun oft gut daran, sich prägende Phasen aus einer Vita herauszugreifen. Dieser Film spannt dagegen einen sehr weiten Bogen von Franklins frühem Ruhm als Kindersängerin in den Gospel-Gottesdiensten ihres patriarchalischen Vaters Reverend Franklin (Forest Whitaker) bis zum Erfolg von „Amazing Grace“ 1972. Dazwischen werden viele Konflikte angerissen, aber nie ausgeführt: Eine Vergewaltigung als Kind (man erfährt nichts über den Täter), ihre Schwangerschaft mit zwölf (es fällt nicht einmal der Name ihres ersten Sohnes Clarence, ein zweites Kind bekam sie mit 14). Selbst der frühe Tod der Mutter ist im Film nur eine Fußnote.

Da wundert es nicht, dass ihre ernsten psychischen Probleme, von der Familie als „Dämonen“ verharmlost, das Drama nicht vertiefen dürfen. Vielmehr instrumentalisiert das Drehbuch die „bösen Geister“ ihrer bipolaren Störung für dramatisch willkommene Krisen. Über allem steht ein anderer Geist, der des amerikanischen Erfolgstraums. Mit dem werden sogar Franklins politische Aktivitäten auf kuriose Weise synchronisiert – ohne sie ernsthaft zum Thema zu machen. Selbst den Namen der großen Philosophin und Aktivistin Angela Davis lässt der Film lediglich fallen ohne zu erklären, wofür er in der jüngeren amerikanischen Geschichte steht.

Da ist man fast überrascht, dass wenigstens Franklins musikalischer Arbeit etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Es gibt einige erhellende Szenen, in denen über Arrangements und ihre Abgrenzung vom charakteristischen Sound der konkurrierenden Soul-Industrie des Labels Motown gesprochen wird.

Leider nur klingt Jennifer Hudson in der Hauptrolle eben auch nicht wirklich wie die fraglos unnachahmliche Aretha Franklin. Erfreulicher ist da schon Mary J. Bliges Auftritt, die überzeugend in einer kleinen Nebenrolle die Jazzsängerin Dinah Washington als streitbare Diva verkörpert. So reihen sich die Lebensepisoden aneinander wie die Tracks einer lieblosen Hit-Kompilation.

Aber auch das ist ein aktuelles Medien-Phänomen: Beeinflusst vom Streaming-Markt entstehen immer mehr überlange, aber zugleich unterfinanzierte Filme, die gar nicht darauf angelegt scheinen, am Stück geschaut zu werden. In diesem Fall aber wäre das fatal: Legte man diesen Film wie eine Serie nach einer Stunde erst einmal bei Seite, schaltete man wohl auch später kaum noch ein. Schlechtes Fernsehen im Kino kann leider zur Falle werden – nur aus Trägheit bleibt man bis zum Ende sitzen. Zur Belohnung gibt es dann noch einmal die wahre Aretha im Alter von 74 Jahren, wie sie für die Obamas den alten Carol-King-Hit singt: „You Make Me Feel Like A Natural Woman“. Wie weit ist der Film von diesem Ideal entfernt.

Respect. USA 2021. Regie: Liesl Tommy. 147 Min.

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