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„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) spricht mit Hartmann am Telefon.
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„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) spricht mit Hartmann am Telefon.

Tödliche Steuerfahndung

„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Jan Josef Liefers mit Höhen und Tiefen

  • Tilmann P. Gangloff
    vonTilmann P. Gangloff
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In dem zwar sehenswerten, aber nicht rundum gelungenen Krimi aus der Joachim-Vernau-Reihe mit Jan Josef Liefers kommt der Anwalt einem riesigen Steuerbetrug auf die Schliche.

  • Das ZDF zeigt am Montag (11.01.2021) die Romanverfilmung „Requiem für einen Freund“.
  • Der Film basiert auf einer Buchvorlage von Elisabeth Herrmann.
  • Die Verfilmungen der Joachim-Vernau-Bücher haben keine einheitliche Linie gefunden.

Anders als die ZDF-ReihenNeben der Spur“ oder „Spur des Bösen“ haben die Verfilmungen der Joachim-Vernau-Bücher von Elisabeth Herrmann immer noch keine einheitliche Linie gefunden. Im Unterschied zu den Thrillern mit Ulrich Noethen beziehungsweise Heino Ferch fehlen den Krimis mit Jan Josef Liefers ein klar definierter Markenkern sowie eine horizontale Erzähllinie, die eine Entwicklung der Hauptfigur beschreiben würde. Hinzu kommt eine deutlich niedrigere Schlagzahl: „Requiem für einen Freund“ ist erst der sechste Film seit 2012.

„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Dramaturgische Schwächen

Entscheidenderes Manko vieler Filme waren jedoch die dramaturgischen Schwächen; nach dem sehenswerten Auftakt („Das Kindermädchen“) hat die Qualität der Reihe deutlich abgenommen. Das änderte sich mit „Totengebet“ (2019), der ersten Adaption, die nicht von der Autorin selbst vorgenommen wurde. Regisseur Josef Rusnak, mit André Georgi auch für das Drehbuch verantwortlich, hat zudem dafür gesorgt, dass sein Film auch optisch sehenswert war. Für seinen zweiten Betrag gilt das nicht minder; Kameramann Moritz Anton steht ohnehin für eine regelmäßig bemerkenswerte Bildgestaltung.

Die Handlung ist von gewohnter Komplexität, zumal Rusnak, der das Drehbuch diesmal allein verfasst hat, mit dem Prolog clever die Neugier schürt: Eine Staatsanwältin wählt den Notruf der Polizei; sie fühlt sich bedroht und sagt, sie könne niemandem mehr trauen, weil alle unter einer Decke steckten. Als eine Streife zu ihrem Haus kommt, ist sie tot; allem Anschein nach hat sie sich in der Garage mit Auspuffgasen das Leben genommen.

„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Beim Verlassen des Restaurants stellt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) Tatjana Wolgast (Irina Potapenko) zur Rede.

„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Undurchsichtige Chronologie des Films

Die Einführung im ZDF schwebt eine Weile als Fragezeichen über der eigentlichen Geschichte, die vier Jahre später einsetzt, denn natürlich fragt man sich fortwährend, was der mutmaßliche Mord mit einem weiteren vermeintlichen Suizid zu tun hat: Während sich der Berliner Anwalt Vernau mit seinem Freund und früheren Mentor Sebastian Marquardt (August Zirner) beim teuren Italiener trifft, arbeitet sich der Steuerprüfer Harry Fischer (Peter Trabner) in der Kanzlei durch die Unterlagen des Anwalts. Mitten in der Nacht fordert der Finanzbeamte ihn auf, umgehend ins Büro zu kommen, doch als er dort eintrifft, ist der Mann tot; anscheinend hat er sich erschossen.

„Requiem für einen Freund“ (ZDF)

Montag, 11. Januar 2021, 20.15 Uhr oder in der ZDF-Mediathek

Vernaus Nachforschungen führen schließlich dazu, dass sich der Kreis zum Prolog schließt: Vor einigen Jahren sind den Berliner Finanzbehörden Unterlagen über Schweizer Schwarzgeldkonten angeboten worden, es ging um Steuerhinterziehung von enormem Ausmaß, aber die Betroffenen hatten offenbar einflussreiche Freunde, denn die Sache ist erfolgreich vertuscht worden. Fischer hat ausgerechnet in den Unterlagen Vernaus ein Indiz gefunden, mit dem er die Sache neu aufrollen kann. Es geht um einen Bewirtungsbeleg just für jenen Abend, an dem die Staatsanwältin gestorben ist; auch damals war Vernau mit Marquardt essen. Aber nun ist sein Freund spurlos verschwunden, zwei weitere Mitwisser werden ermordet, und natürlich steht der Anwalt alsbald ebenfalls auf der Todesliste.

„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Unnötige Nebenerzählungen

Die Handlung des ZDF-Films ist wie in allen Herrmann-Adaptionen von einer reizvollen Vielschichtigkeit. Für Spannung sorgt schon allein die Tatsache, dass Vernau mit Gegnern konfrontiert wird, die skrupellos genug sind, um über Leichen zu gehen, und mächtig genug, um die Taten zu vertuschen. Gerade die Sprengkraft des Themas hat jedoch zur Folge, dass die Nebenebenen wie Geplänkel wirken: Zum festen Ensemble der Reihe gehören auch Stefanie Stappenbeck als Vernaus Kollegin und Vermieterin Marie-Luise sowie Elisabeth Schwarz als seine Mutter und Carmen-Maja Antoni als deren Freundin.

Die Seitenstränge mit den beiden alten Frauen sind jedoch regelmäßig überflüssig. Nicht mehr als eine schöne Abwechslung ist erneut die Mitwirkung von Stappenbeck: Marie-Luise hat im Grunde nicht mehr zu tun, als Vernau an seine ausstehenden Mietzahlungen zu erinnern.

„Requiem für einen Freund“ (ZDF): Die Stimmung des Films verwirrt

Seltsam unentschlossen ist auch die Wahl des Tonfalls. Rusnak hätte die Handlung ohne Weiteres als Thriller inszenieren können, schließlich geht es um Leben und Tod. Andererseits gibt es immer wieder amüsante Momente, weil Liefers seine Rolle gern mit jener dialogischen Flapsigkeit versieht, die viele Zuschauer auch am Rechtsmediziner Boerne im „Tatort“ aus Münster schätzen; das passt hier aber nur anfangs zur Stimmung des Films.

Ganz ausgezeichnet ist allerdings die Musik (Mario Grigorov, Steven Schwalbe), die immer wieder elektronische Klänge mit Jazztrompete mischt. Respekt verdient auch Rusnaks Geschick, das Corona-bedingt in Berlin-Marzahn gedrehte Finale nach Mexiko aussehen zu lassen. (Tilmann P. Gangloff)

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