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Venedig beginnt, Schauspielerin Sonia Bergamasco winkt schon mal beim Eintreffen am Lido.
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Venedig beginnt, Schauspielerin Sonia Bergamasco winkt schon mal beim Eintreffen am Lido.

37. Filmfestspiele in Venedig

Die Reise der Zeit

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Am Mittwochabend beginnen die 73. Filmfestspiele von Venedig. Deutsche sind im Rennen, aber auch andere große Schwelger greifen nach einem Löwen. Nur Beiträge von Frauen sind erneut rar.

Ryan Gosling ist der Star der Stunde. Der 35-Jährige hat ein Gesicht wie ein offenes Buch. Vielleicht kein edler Wälzer, sondern eher ein Taschenbuch, aber alles lässt sich da hineinlesen. Am eindrucksvollsten ist diese Undurchsichtigkeit in den finsteren Rollen, die ihm Nicolas Winding Refn auf den Leib inszeniert, in „Drive“ oder „Only God Forgives“, aber wie wäre es zur Abwechslung mit einem romantischen Musical?

Der rote Teppich des Filmfestivals Venedig führt ihn heute Abend, zur Eröffnung der 73. Filmfestspiele, geradewegs ins „La La Land“. Als Jazzpianist verliebt er sich in eine junge Schauspielerin (Emma Stone), und die Lagune glitzert jetzt schon in freudiger Erwartung. Dem 31-jährigen Regisseur Damien Chazelle kann man zumindest die nötige Musikalität nicht absprechen – mit „Whiplash“ machte er sich bei Freunden des zackigen Bigband-Jazz beliebt, Klassik-Fans jagte er als Autor des Horror-Thrillers „Grand Piano – Symphonie der Angst“ einen schönen Schrecken ein.

Doch so glamourös man sich den Abend vorgestellt hat, auf das übliche Gala-Dinner müssen die Gäste verzichten. Die Tragödie des Erdbebens, das in Italien weiterhin im Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung steht, macht es ohnehin fraglich, ob man bereits einen Tag nach der offiziellen Trauerfeier so richtig bereit ist für den Glanz des Filmfestivals.

Eher ist einem zum Schweigen zumute, da schien das Stummfilmprogramm der feierlichen Vor-Eröffnung am Dienstagabend passender gewählt. Vor fast auf den Tag genau 120 Jahren stellten die Lumière-Brüder am Canale Grande ihren Kinematographen auf eine Gondel und schufen so die allererste Kamerafahrt der Filmgeschichte.

Das Wettbewerbsprogramm bewegt sich erwartungsgemäß in weit mehr Dimensionen, nur eine Perspektive, die weibliche, ist wieder einmal unterrepräsentiert. Unter den zwanzig offiziellen Wettbewerbsbeiträgen entstand gerade einmal ein einziger – „The Bad Batch“ der Amerikanerin Ana Lily Amipour – unter der Regie einer Frau. Amipour wurde bekannt durch den parodistischen Horror-Western „A Girl Walks Home Alone at Night“, den sie in Farsi drehte – sehr zur Verblüffung des Szene-Publikums in Sundance. Der Kritiker der „New York Times“, A. O. Scott, sah in ihr gar bereits den „nächsten Tarantino“, was durch den neuen Film noch zu beweisen wäre – er spielt unter Kannibalen in Texas und überrascht mit einem Genre-fremden Jim Carrey.

Das unabhängige Konkurrenz-Festival im Festival, „Venice Days“, hatte bei so viel männlicher Dominanz leichte Hand, gleich sieben Filme von Frauen in die Auswahl aufzunehmen. So auch den Eröffnungsfilm „The War Show“, ein Videotagebuch aus dem syrischen Bürgerkrieg, das Obaidah Zytoon gemeinsam mit ihrem dänischen Kollegen Andreas Dalsgaard filmte.

Das offizielle Programm lockt derweil mit gleich zwei deutschen Hoffnungen: Die Schauspielerin Paula Beer (21) spielt in François Ozons deutsch-französischem Drama „Frantz“ über eine Liebe im Ersten Weltkrieg. Und Filmemacher Wim Wenders ist vertreten mit „Die schönen Tage von Aranjuez“, einem gewissermaßen zwischen Tür und Angel gedrehten Pariser Sommertagstraum über die Kraft der erzählerischen Phantasie, mitgeschrieben von Peter Handke und mit einem Song eines weiteren alten Weggefährten, Nick Cave.

Neues von Terrence Malick

Man mag gespannt sein, ob es diesem kleinen Film gelingt, sich neben der Wucht eines anderen großen Schwelgers zu behaupten, dem Amerikaner Terrence Malick, der seinem neuen Werk den großen Titel „Voyage of Time“ gegeben hat. Hohe Erwartungen gehen diesem Film voraus, der in gleich zwei Versionen existiert – einer kurzen im Großformat für Imax-Kinos und einer 90-minütigen in 35mm. Auch dieses für die meisten Kinos obsolete Format muss ein Festival erst mal abspielen können, aber der Aufwand sollte sich schon lohnen – immerhin erzählt Malick von nicht weniger als der Geburt und des Endes des Universums.

Da muss die Konkurrenz erst einmal mithalten: Darunter so bekannte Namen wie Emir Kusturica, Tom Ford, Lavv Diaz, Andrei Kochalovsky oder Stéphane Brizé. Doch es würde nicht wundern, wenn am Ende jemand gewinnt, den niemand auf der Agenda hat. Immerhin sitzen in der Jury, die Regisseur Sam Mendes leitet so anspruchsvolle Persönlichkeiten wie Laurie Anderson, Nina Hoss oder der Dokumentarfilmer Joshua Oppenheimer. Mehr weiß man erst am 10. September wenn am Lido der Goldene Löwe verliehen wird.

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