Björk feiert im November ihren 50. Geburtstag.
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Björk feiert im November ihren 50. Geburtstag.

„Björk!“, Arte

Rastlose Neugierde

Arte zeigt eine Dokumentation über die isländische Sängerin und Schauspielerin Björk, die demnächst 50 wird. Leider gelingt es nur selten, einen umfassenden Einblick in Leben und Werk der Künstlerin zu vermitteln.

Von David Segler

Eine Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Arts zu bekommen, ist für einen Künstler quasi gleichbedeutend mit einem Adelstitel. Doch nicht immer teilt der Rest der Welt diese Ansicht. Man erinnere sich an die deutschen Regisseure Christian Petzold, Thomas Arslan und Angela Schanelec, Vertreter der sogenannten Berliner Schule. Sie ernteten bei einer Retrospektive im MoMa Standing Ovations – in ihrem Heimatland müssen sie dagegen oft jahrelang um die Finanzierung ihrer neuen Filme kämpfen. Die isländische Künstlerin Björk ist nun die erste Musikerin, die im MoMa ihrer Bedeutung als weiblicher Popstar wegen eine Einzelausstellung bekommen hat.

Mit Bildern von dieser Schau beginnt Arte seine Dokumentation über die multimedial arbeitende Isländerin. Der Anlass ist ihr 50. Geburtstag dieses Jahr, das Ziel ein umfassender Einblick in Leben und Werk der Künstlerin. Leider gelingt das nur selten. Es mag auch an Björk selbst liegen. Im Gegensatz zu ihrer Kunst ist die Person Björk extrem scheu, kurze Interviews für diesen Film gab sie nur am Telefon, der Film unterlegt diese Gespräche mit Aufnahmen ihrer Heimat Island. Dafür kommen andere zu Wort, wie ihr treuer Freund und Autor Sigurðsson oder eine Redakteurin vom Pitchfork Magazin. Auch Elton John bekundet in einer kurzen Sequenz seine Bewunderung für Björk.

Björk ist eine erstaunliche Frau. Sie war keine 15 Jahre alt, als sie auf den Bühnen ihrer nordischen Heimat die Punk-Szene aufmischte. Die Bilder dazu zeigen einen extrovertierten Teenager, der ohne jede Hemmung ins Mikrofon brüllte – und damals schon jeden Ton traf. Mit 16 lernte sie dann Sigurjón Sigurðsson kennen, bis heute einer ihrer besten Freunde, der viele ihrer Liedtexte schreibt. Irgendwann wurde ihr – wie vielen der großen Künstler aus kleinen Ländern – ihre Heimat zu eng, sie zog nach London, vor allem, um weiter Lieder zu schreiben – meist über sich selbst. Doch bald erschuf sie sich Kunstfiguren, hinter denen sie komplett verschwinden konnte. Diese Charaktere zieren oft ihre Albentitel und wurden Thema oder Teil ihrer aufwendigen Shows.

Björk kennt keinen Stillstand, in einem lange zurückliegenden Interview sagt sie, dass sie in ihrer Zeit in London oft 16 Stunden gearbeitet habe. In diesen alten Statements, die dieser Film immer wieder zeigt, erinnert sie sich, im Jahr 1994 genau einen freien Tag gehabt zu haben – inklusive Weihnachten. Natürlich hält das niemand auf Dauer durch, und irgendwann zieht sie wieder nach Island zurück – allerdings auch nur temporär.

Björk kehrt zu ihren Wurzeln zurück

Der Film schafft zwar nie wirklich, der Person hinter der Künstlerin Björk nahezukommen, zeigt aber eindrucksvoll, wie viel ein Mensch in 50 Jahren bewerkstelligen kann. Sie hat mit zahlreichen Künstlern zusammengearbeitet, ihre Musikvideos stammen fast immer von namenhaften Regisseuren (Michel Gondry und Chris Cunningham beispielsweise). Sie hat die ganze Welt bereist, um Inspiration zu finden; es ist ihr gelungen, sich neue Instrumente auszudenken, und sie hat sogar eine eigene App entwickelt, mit der Kinder spielend an Musik herangeführt werden. Es ist eine „rastlose Neugier“, die der Film ihr bescheinigt.

Doch nun ist sie – nach ihrer multimedialen Erfahrung mit „Biophilia“ von 2011, seit langem wieder einmal zu ihren Wurzeln und damit auch zu sich selbst zurückgekehrt. Ihr dieses Jahr erschienenes Album „Vulnicura“, ein Wortspiel mit den lateinischen Worten für Wunde und Heilung, beschäftigt sich mit ihr selbst und ihrer schmerzvollen Trennung von ihrem Lebensgefährten Matthew Barney. Björk befindet sich also im Wandel. Wie eigentlich schon immer.

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