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"Rambo 5: Last Blood": Der Titelheld begegnet uns auf seinem Alterssitz, einer Ranch in Arizona.

Kino-Kritik

„Rambo 5: Last Blood“: Selten so tief gesunken

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Die Kino-Kritik zu „Rambo: Last Blood“: Darum ist dieser Teil der Rambo-Reihe ein Film aus der Mülltonne.

Wäre es nach Hollywoodstar Kirk Douglas gegangen, gäbe es diese Woche keinen fünften „Rambo“ und schon früher keinen zweiten. Ursprünglich im Originalfilm als Darsteller des Col. Trautman besetzt, des ehemaligen Vietnam-Ausbilders des Titelhelden, wollte er Rambo sterben sehen. Als auf Betreiben Sylvester Stallones der Schluss geändert wurde, sagte Douglas seine Mitwirkung ab. Schließlich hatte David Morrell in seinem 1972 erschienenen Roman eine moderne Frankenstein-Geschichte erzählt. Die für den Guerilla-Krieg gestählte Kampfmaschine erweist sich darin als nicht mehr sozialisierbar – und wird am Ende von seinem „Schöpfer“ schweren Herzens liquidiert.

Rambo 5: 27 Jahre nach „First Blood“ nun also „Last Blood“

In Ted Kotcheffs 1982 realisierter Verfilmung rettet sich der traumatisierte Veteran dagegen am Ende doch noch in ein ungewisses Leben, auch wenn ausgerechnet militante Kriegsgegner zuvor für seinen Zusammenbruch sorgen. Überhaupt überraschte dieser heute klassische Actionfilm in vielerlei Hinsicht, was seinerzeit auch die deutsche Filmbewertungsstelle mit einem „Prädikat wertvoll“ honorierte.

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Eine erhitzte Kritikerdebatte war die Folge, doch sieht man den ersten „Rambo“ heute wieder, hat er die Zeiten vorzüglich überdauert. In den Wald- und Nachtszenen steckt ungeheures Feingefühl, und Rambos Verzicht auf Feuerwaffen, auch eine Idee Sylvester Stallones, wirkt noch immer originell. Wirklich brutal wurde seine Filmfigur erst später.

Kino-Trailer: "Rambo 5: Last Blood"

27 Jahre nach „First Blood“ nun also „Last Blood“: Was immer das bedeuten mag, zumindest das „Letzte“ im Titel rechtfertigt die Unternehmung in mancher Hinsicht. Kaum je hat eine Filmreihe einen solchen Niedergang erfahren, und man kann ihr Ende nur begrüßen.

Auf Gedeih und Verderb versucht der von Mel Gibsons ehemaligem Regieassistenten Adrian Grunberg inszenierte Film auszusehen, wie in den 80ern die billigste B-Film-Ware. Genre-Bürokraten werden auf Grund der überdeutlichen Gewaltszenen das Etikett „Slasher Movie“ dafür parat halten, doch auch das ist eine Beleidigung für alle, denen das Erbe von John Carpenter oder Wes Craven je etwas bedeutete.

Während des bedauerlichen Videothekensterbens der letzten Jahre hätte man mit verbundenen Augen etwas Besseres als diesen fünften „Rambo“ in den Mülltonnen gefunden.

"Rambo 5: Last Blood": Stallone verfasste das Drehbuch mit

Der Titelheld begegnet uns auf seinem Alterssitz, einer Ranch in Arizona. Hier haben ihm seine mexikanische Haushälterin und deren Tochter zu einer würdigen Ersatzvaterrolle verholfen. Gabrielle (Yvette Monreal) hat gerade die Highschool abgeschlossen, traut sich aber nicht, ihre Schulfreude zur Party nach Hause einzuladen. „Aber warum denn nicht?“, fragt der Stiefvater besorgt, und ihre Antwort macht ihn etwas betreten: „Du hast schon mal alle verschreckt. Da hast du alle so komisch ernst angeguckt.“

Rambo führt als Rancher und Messerschmied (!) ein friedliches Leben, bis das Drehbuch andere Pläne mit ihm hat. 

Natürlich kann die junge Frau nicht ahnen, dass sie eine rostige Kampfmaschine zum Stiefvater hat. Dennoch lassen sich die jungen Leute auf die Ranch locken, als Rambo zum Trost eine Geheim-Location anbietet: Ein weit verzweigtes Tunnelsystem, das er sich aus Paranoia oder vielleicht auch weiser Voraussicht unter das Weideland gegraben hat. Diese Szene steht nur deshalb im von Stallone mitverfassten Drehbuch, um den Spielort der letzten halben Stunde schon einmal einzuführen.

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Zunächst aber führt die Handlung nach Mexiko. Trotz ausdrücklichen Verbots macht sich die 16-Jährige dorthin auf, um ihren abtrünnigen leiblichen Vater zu treffen. Die zwielichtige Informantin, die sie dort hingelockt hat, treibt sie freilich noch am selben Abend einer Gangsterbande in die Arme, die junge Frauen als Zwangsprostituierte versklavt.

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Dies stellt die Weichen zu einem konventionellen Rape-Revenge-Thriller mit Stallone in den Fußstapfen von Charles Bronson in „Ein Mann sieht rot“. Das Minimum, mit dem die Filmemacher glauben, die Erwartungen an dieses Genre erfüllen zu können, lässt die Unglaubwürdigkeiten besonders hervortreten: Nur der Dummheit des Oberschurken ist es zu danken, dass Rambo den Zusammenstoß mit einer etwa 30-köpfigen Gangsterbande überlebt.

Zwar gelingt es ihm noch, die schwerverletzte Gabrielle zu retten, doch anstatt sie wie jeder normale Mensch ins nächste Krankenhaus zu schaffen, stirbt sie ihm auf der langen Heimfahrt im Auto. Das muss sie auch, denn sonst hätte Rambo keinen Grund, sein Anwesen mit tödlichen Fallen zu versehen und den Rest der planmäßig anrückenden Horde mit noch handfesteren Mitteln zu attackieren.

Mexiko wirkt in "Rambo 5: Last Blood" wie aus einer Trump-Rede entsprungen

Rambo: Last Blood.USA 2018. Regie: Adrian Grunberg. 101 Min.

Unwillkürlich denkt man dabei an jenen Mordfall in Missoula, Monatana bei dem 2014 ein deutscher Austausch-Schüler in die Falle eines Hausbesitzers geraten war, der Jagd auf Einbrecher machen wollte. Auch sonst werden finstere Amerika-Klischees lebendig. Mexiko erscheint wie in einer Trump-Rede als ein Sündenpfuhl, vor dessen Besuch man nur jeden warnen kann, dem sein Leben lieb ist. Ob das den Republikaner-Wählern am Ende wirklich so recht sein kann? Dann müsste man ja jeden, der der Hölle entkommt, erst recht willkommen heißen.

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Wie weit hat sich diese Filmreihe von ihren militärkritischen Anfängen entfernt. Rambo hat sich während seiner Ruhejahre zum Messerschmied weitergebildet und seziert seine Opfer gerne lebend – was in den Händen eines besseren Regisseurs vielleicht wirklich noch ein paar überzogen-absurde Akzente hätte setzen können. Doch im Pseudo-Horror der letzten halben Stunde wirken diese Momente nurmehr aufgesetzt – so bemüht wie das Gepolter alternder Rockstars oder die gezielten Tabubrüche in den Reden von Populisten.

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