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Rettung in letzter Minute: Burkhard "Butsch" Schulz (Götz Schubert) kommt seiner Kollegin Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) zu Hilfe.

„Wolfsland - Tief im Wald“

Rätselhafte Dreierbeziehung

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Beim zweiten Film der Reihe „Wolfsland“ haben die Autoren ihren Ton und Rhythmus gefunden. Das Ergebnis: ein durchtriebener, unterhaltsamer Krimi.

Das ist noch mal gutgegangen. Die im Wochenabstand vorausgegangene Premierenfolge endete mit einer beinahe versöhnlichen Szene zwischen den Kommissaren Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) und Burkhard „Butsch“ Schulz (Götz Schubert). Wäre die Geschichte so weitergeführt worden, hätte sie wesentlich an Reiz verloren.

Zum Glück zanken die beiden vorerst munter weiter. Urkomisch ist es, wenn beide nebeneinander im Auto sitzen, aber ohne sich anzusehen via Mobiltelefon auf dem Umweg über ihren schwer geplagten Kollegen Böhme (Jan Dose) kommunizieren. Auch nicht schlecht, dass Delbrück jetzt Cassie genannt wird, in Anspielung auf den Filmklassiker „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ (deutscher Titel „Zwei Banditen“): Butch und Cassie. Vielleicht auch ein heimlicher Wink der Autoren Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser, denn ihr großer Kollege William Goldman hatte beim Abfassen seines Drehbuchs vorsätzlich gegen diverse Hollywood-Regeln verstoßen. Warnende Stimmen prophezeiten einen Flop. Sie irrten sich gewaltig.

Täter oder Nebenbuhler?

Der oberlausitzer Butsch träumt neuerdings von Viola Delbrück, und da mittlerweile deren Ehemann Björn (Johannes Zirner) in Görlitz aufgetaucht ist, reagiert er auf eine Weise, die den Zuschauer rätseln lässt. Wittert er die Gefahr, die von dem undurchsichtigen Charmeur Björn Delbrück ausgeht? Sorgt er sich, weil Björn sich mit der Finesse des brillanten Psychiaters erneut in Violas berufliches und privates Leben einschleicht? Oder ist Butsch nur eifersüchtig, nachdem sich die getrennt lebenden Eheleute scheinbar wieder näherkommen?

Mit dieser Dreierbeziehung haben die Autoren eine über Uneindeutigkeiten funktionierende Spannungsebene geschaffen, eine zweite neben dem aktuellen Kriminalfall, der Butsch und Cassie und auch Björn Delbrück beschäftigt. Es beginnt mit einer etwas erzwungenen Bezugnahme zum Wolfsthema: Ein offenbar verwirrter Mann erstattet Anzeige. Er will gesehen und fotografiert haben, wie ein glutäugiger Wolf eine junge Frau anfiel und verschleppte. Die Beamten im Revier weisen ihn hohnlachend ab. Und müssen sich mächtig rüffeln lassen, als Butsch den Hobbyfotografen tot in dessen Wohnung findet. Nach der Kamera des Mannes suchen die Kriminalisten vergeblich. Groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das gewaltsame Ableben des Sonderlings in Zusammenhang mit einer Reihe von Sexualmorden steht. Für den forensischen Psychologen Björn Delbrück die Chance, sich in den Fall einzuschalten.

Geriet die Premierenfolge „Ewig dein“ der Reihe „Wolfsland“ noch fransig und allzu bemüht, finden die Autoren nun zu einem wohltuend kompakten Stil. Ihr Buch, inszeniert von Tim Trageser, der André Erkau in dieser Position ablöst, hat Linie und Rhythmus. Butsch bleibt der tragische Clown und hemdsärmelige Tatmensch, Viola Delbrück der intellektuelle Widerpart und gleichzeitig die gefährdete Jungfrau. Im Kern ein ansprechendes Konzept, das Nervenkitzel ebenso wie humoristische Einlagen ermöglicht und für die Zukunft noch einiges erwarten lässt.

Allein die Dialoge haben eine Qualität für sich. Als Butsch einen minderjährigen Kleingauner schnappt, meutert das gerissene Bürschchen frech, man dürfe ihn gar nicht verhaften, denn: „Ich bin noch ein Kind.“

Butschs versonnene Antwort: „Ich auch.“

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