Beyoncé Knowles als Bluessängerin Etta James und Adrian Brody als Leonard Chess.
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Beyoncé Knowles als Bluessängerin Etta James und Adrian Brody als Leonard Chess.

"Cadillac Records"

An den Quellen des Blues

  • vonMichael Kohler
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"Cadillac Records" erzählt die bewegte Geschichte der Plattenfirma Chess Records in den 50er Jahren. Reich an lokalem Kolorit, glänzend besetzt und musikalisch überzeugend. Von Michael Kohler, mit Video

In einer wunderbaren Episode von "Cadillac Records" berühren sich Musik- und Filmgeschichte wie im Vorübergehen. Leonard Chess, der Eigentümer des nach ihm benannten Blues-Labels, folgt seiner jüngsten Entdeckung Etta James in eine Kneipe. An der Wand hängt eine Fotografie der in "Haie der Großstadt" verewigten Billardlegende Minnesota Fats, und wie Paul Newmans Hustler kämpft auch die von Beyoncé Knowles gespielte Sängerin um die Anerkennung ihres unehelichen Vaters. Sehr viel näher als auf dem Ehrenbild wird sie ihm allerdings nicht mehr kommen.

Im Grunde erzählt Darnell Martin nur die bewegte Geschichte der amerikanischen Plattenfirma Chess Records. In den 1950er Jahren verhalf sie dem Blues mit zum bahnbrechenden Erfolg und bescherte der musikalischen Ruhmeshalle neben Etta James legendäre Mitglieder wie Muddy Waters, Howlin' Wolf, Willie Dixon und Chuck Berry. Der Film ist reich an lokalem Kolorit, er ist zudemn glänzend besetzt, musikalisch überzeugend, und er pinselt die gesellschaftlichen Hintergründe mit kräftigen, aber niemals aufdringlichen Farben aus.

Die Zeit der Heldenverehrung

Am schönsten ist jedoch Darnell Martins zwangslos dahin fließende, anekdotische Erzählweise, in der zwar manches historische Datail verloren geht, die dafür aber immer wieder überraschende Zusammenhänge stiftet. Und weil sich die Regisseurin wohl künstlerische Freiheiten erlaubt, dabei aber die Fragen, die nicht nur Bluesfans unter den Nägeln brennen, ohne Umschweife in Angriff nimmt,dabei weder die kleinen und großen Charakterdramen vergisst noch die Frage, aus welchen Quellen sich die Musik speist, taugt ihr Film als Muster für das ganze Genre.

Darnell Martin ist der Mythos genau so wichtig wie die Fakten, die ihm zugrunde liegen: Sie zeigt den alltäglichen Rassenhass und Alkoholismus, das gleichermaßen heilige wie korrupte Musikgeschäft, die künstlerischen und privaten Eifersüchteleien, die überwältigende Wirkung des Erfolgs und natürlich den Ideenklau des weißen Establishments.

Die meisten Untiefen der musikalischen Heldenverehrung umschifft sie dabei mit einer bewundernswerten Souveränität. Und wenn sie doch einmal das Klischee umarmt, geht es immerhin zu Herzen.

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