Moderatorin Sandra Maischberger.
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Moderatorin Sandra Maischberger.

TV-Kritik: Menschen bei Maischberger

Puff-Paradies Deutschland

Kein Flatrate-Sex mehr in Bordellen, dafür Kondompflicht und ein Mindestalter von Prostituierten. Sandra Maischberger diskutiert mit ihren Gästen über eine Verschärfung des Prostitutionsgesetzes.

Von Janine Gürtler

„Alles im Leben dreht sich um Sex, außer Sex. Bei Sex geht es um Macht.“ Das Zitat des irischen Schriftstellers Oscar Wilde bringt es auf den Punkt, um was es in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ am Dienstagabend ging: Um das Geschäft mit dem Körper, vornehmlich mit dem weiblichen.

Moderatorin Sandra Maischberger und ihre Gästerunde diskutierten über die Frage, ob eine Verschärfung des Prostitutionsgesetzes den anschaffenden Frauen in Deutschland mehr Schutz vor Ausbeutung durch Menschenhändler oder rücksichtslose Zuhälter bieten könne: Kein Flatrate-Sex mehr in deutschen Bordellen, Kondompflicht für Freier und ein Mindestalter für Prostituierte – das sind einige der Vorschläge, die die große Koalition seit Monaten diskutiert. Aber wird das Milliardengeschäft mit dem käuflichen Sex auf diese Weise wirklich menschlicher?

Opfer oder nicht?

Den Einstieg machten zwei Frauen, die  sich im Gewerbe bestens auskennen: Undine de Rivière, die schon als Studentin ihr Taschengeld mit Sex gegen Geld aufbesserte und trotz Diplom in der Tasche in dem Gewerbe blieb und Marie Merklinger, Prostitutions-Aussteigerin, die nach eigenen Aussagen heute noch unter psychischen Spätfolgen des Verkaufs ihres Körpers leidet.

Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern hat sich aus finanzieller Not über vier Jahre prostituiert und den Job als starke Erniedrigung erlebt. „Der Geruch der Männer wurde mir irgendwann unangenehm, die Freier waren so stereotyp.“ Merklinger schaltete mit 45 Jahren ihre erste Sex-Anzeige  – heute lässt sie keinen Mann mehr an sich heran.

Die vermeintliche Opferrolle von Prostituierten stellt hingegen de Rivière in Frage. Für die Sprecherin des "Berufsverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen" ist die „Sexarbeit“ ein Beruf wie jeder andere. Sie ist aus Neugier und Lust am Sex zur Prostitution gekommen, wählt ihre Freier selbst aus und muss ihr Geld nicht mit einem Zuhälter teilen.

Kaum Kontrollmöglichkeiten durch den Staat

Wie Rivière geht es aber wohl nur einem Bruchteil der Prostituierten in Deutschland und Europa. Die UN schätzt die Zahl der Zwangsprostituierten in Europa auf 500.000. Und dank der liberalen Gesetzgebung sei Deutschland zum Umschlagspunkt für illegale Menschenhändler geworden, sagt Fernsehjournalistin Rita Knobel-Ulrich, die eine Reportage über Menschenhandel im Sexgewerbe gedreht hat.

Während die Täter Milliarden machen würden, scheitere die Polizei daran, dass die Frauen aus Angst keine Hilfe suchten. Den Handlungsbedarf sieht sie beim Staat: „Es kann nicht sein, dass jede Bratwurstbude strengere Gesetzesauflagen erfüllen muss als das Prostitutionsgewerbe.“

Natürlich muss zumindest ein Gast der Talkrunde diesen Vorwürfen widersprechen: Hermann "Pascha" Müller, Bordellbetreiber. In seinen Laufhäusern in Deutschland und Österreich mieten sich Frauen für 160 Euro am Tag ein, Sex gibt es dort schon ab 30 Euro.

Wieviel er an einer Frau verdient, verrät er nicht. Dafür wird er nicht müde zu betonen, dass das Rotlichtgewerbe bestens kontrolliert sei („In München gibt es keine Zwangsprostitution.“) – und wirbt damit, dass seine Hausfriseure dazu angehalten seien, beim Haareschneiden nachzufragen, ob die jungen Frauen freiwillig oder aus Zwang ins Bordell kämen.

„Sie haben ein Herz für Männer.“

Seine „Geld-zurück-Garantie“ für Männer, die eine abgesprochene Sexleistung nicht bekommen haben, kommentiert Maischberger dann auch ironisch mit dem Kompliment: „Sie haben ein Herz für Männer.“ Stärkeres Kontra gibt ihm Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Politikerin und Ministerpräsidentin des Saarlands wirft Müller vor: „Ich kann nicht erkennen, wo die Würde des Menschen bleibt, wenn ein Bordell damit wirbt, dass es zur Frau kostenlos noch das Bier und das Bratwürstchen gibt.“

Olaf Forner hingegen sieht das Problem nicht nur in der Branche und der Politik. Der gelernte Elektroinstallateur geht bis zu vier Mal im Monat ins Bordell: „Die Gesellschaft hat ein moralisches Problem mit der Prostitution. Besuche im Bordell sind immer noch Tabuthema.“

Am Ende des 75-minütigen Talks ist zumindest klar, dass die derzeitige Gesetzgebung vor allem den Zuhältern und Puffbesitzern hilft, die Frauen auszubeuten. Bei den Vorschlägen, wie man Prostituierte besser schützen könne, gehen die Gäste jedoch nicht wesentlich über die Überlegungen der Regierung hinaus: Schärfere Kontrollen der Bordelle, verpflichtende Gesundheitskontrollen und verbesserte Arbeitsbedingungen. „Wir warten auf Berlin“, sagt Kramp-Karrenbauer. Und gibt damit die Verantwortung weiter.

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