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Aber alle stehen zusammen: Szene aus „The Other Side of Hope“.
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Aber alle stehen zusammen: Szene aus „The Other Side of Hope“.

„The Other Side of Hope“

Preiswürdige melancholische Rebellen

Aki Kaurismäkis „The Other Side of Hope“ zeigt auf der Berlinale eine prekäre Schicksalsgemeinschaft mit Humor und Lakonie.

Von Anke Westphal

Der finnische Regisseur Aki Kaurismäki erzählt in seinem neuen Film gleich zwei Geschichten, die sich dann nach gut vierzig Minuten miteinander verbinden. In „Toivon tuolla puolen – The Other Side of Hope“ geht es einerseits um Khaled, einen syrischen Flüchtling, der als blinder Passagier eines Kohlefrachters eher zufällig nach Helsinki gelangt. Sein Asylantrag wird jedoch mit dem Hinweis auf die verbesserte Sicherheitslage in Aleppo abgelehnt – dazu montiert Kaurismäki gegenläufig, als deutlichen Kommentar, Nachrichtenbilder aus der umkämpften syrischen Stadt ein, die den negativen Bescheid der Einwanderungsbehörde ad absurdum führen. Khaled (gespielt von Sherwan Haji) lebt fortan auf der Straße, wo er rechtsradikalen Übergriffen ausgesetzt ist, aber auch die Solidarität einheimischer Underdogs erfährt, die ihn verteidigen gegen die brutalen Skinheads.

Solidarität, und zwar so wortkarge wie bedingungslose, zeigt ihm auch Waldemar Wikström (Sakari Kuosmanen), dem die zweite Geschichte des Films gilt. Der ältere Handelsvertreter für Krawatten und Männerhemden hat seinen Beruf gerade aufgegeben und seine Frau verlassen: Eine Schnapsflasche neben ihr und ein Riesenkaktus auf dem Küchentisch genügen Aki Kaurismäki, um den Zustand dieser Ehe zu zeichnen. Beim Glücksspiel gewinnt Waldemar genug Geld, um ein Restaurant kaufen zu können, in dem er Khaled beschäftigt und sogar mit falschen Papieren ausstattet, nachdem sich die beiden Männer erst einmal eins auf die Nase gegeben haben.

Diese Prügelszene ist ebenso lakonisch und humorvoll verknappt, wie es viele andere Szenen dieses Films sind, der mit dem Kaurismäki-typischen Retro-Design irgendwie vager 1950er Jahre ein ganz eigenes Heimatgefühl beim Zuschauer aufruft.

Das gilt auch für die aus anderen Filmen des finnischen Regisseurs vertrauten, gelegentlichen Farbgegenschnitte von tiefem Rot sowie leuchtendem Blau und vor allem für die Besetzung von Schauspielern, in deren Gesichtern sich kein leichtes Leben spiegelt. Nie sah man im Kino so uncool-coole Türsteher und Rock’n’Roller! Aller Melancholie wohnt bei Aki Kaurismäki immer auch ein fast rebellischer Zug inne.

Letztlich geht es um die prekäre Existenz an sich, etwa wenn Kaurismäki seinen Waldemar wegen zu geringer Umsätze immer neue Geschäftsideen durchspielen lassen muss: vom hippen Sushi-Laden („Nimm den Hering aus der Dose und misch ihn mit Wasabi, dann merkt man es nicht“) bis zum Familienrestaurant, in dem Fleischklößchen serviert werden. Aber alle stehen zusammen.

Erneut beweist der Regisseur, der sich selbst gegenüber der Autorin mal als „Kommi“ (Kommunist) bezeichnet hat, in der Utopie jener beispielgebenden Schicksalsgemeinschaft, die Khaled, Waldemar und dessen drei Angestellte plus ein Hund bilden, eine berührend menschliche Haltung. Mit dem Bezug auf die finnische Geschichte verweist „The Other Side of Hope“ nicht zuletzt auf die Utopie eines guten Staates, der nicht behördlich entfremdet, sondern zugewandt und human agiert. Alles zusammen wäre wohl einen Preis wert.

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