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Adorf in Wesselys Film, hier mit Kollegin Senta Berger.

Mario Adorf

All die Leinwandtode

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Mario Adorf im charmant unordentlichen Porträt von Dominik Wessely.

Zum Jetset habe er nie gehört, zur Schickeria auch nicht, sagt Mario Adorf. Da spaziert er gerade durch Saint-Tropez, aber nicht, um sein Star-Appeal zu zeigen, sondern um von seiner Frau Monique zu erzählen, die er vor 50 Jahren in Südfrankreich kennengelernt hatte. Die war nämlich eine Freundin von Brigitte Bardot. Der Spaziergang durch das Mittelmeer-Städtchen ist eine Szene aus dem Film „Es hätte schlimmer kommen können“, der am Dienstag, Mittwoch und Sonntag in der Reihe „Berlinale Special“ läuft.

Es handelt sich um ein Porträt, charmant unordentlich an den Lebensstationen des Schauspielers entlang erzählt. Der humorig-tiefstapelnde Titel trifft das Wesen dieses Mannes recht gut. Mario Adorf ist einer der ganz wenigen Weltstars aus Deutschland, seine lange Karriere beim Film dürfte Anfängern und Arrivierten als Beispiel an Vielseitigkeit vorgehalten werden. Aber er ist auch ein Beispiel an Bescheidenheit.

Von der Blechtrommel bis Winnetou

Adorf hat es geschafft, die Schubladen immer wieder zu verlassen, in die Regisseure und Produzenten ihn steckten. Er spielte in Volker Schlöndorffs und Margarethe von Trottas „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und in „Die Blechtrommel“. Er war seit 1963 als bekennender Nicht-Karl-May-Leser ein Bösewicht in den „Winnetou“-Filmen, hatte wichtige Rollen in Fernsehserien wie „Kir Royal“ und „Der große Bellheim“. Und er wirkte in vielen internationalen Produktionen mit – von Claude Chabrol, Sergio Corbucci, Sam Peckinpah und Billy Wilder.

Ein bisschen nur davon kann im Film von Dominik Wessely zur Sprache kommen. Und dann sagt Adorf so wichtige Sätze wie: „Ich habe mich vorsichtshalber nie identifiziert mit einer Rolle.“ Zum Glück, denn er ist etliche Leinwandtode gestorben. „Ich bin Brecht-geschult: Man muss die Rolle darstellen, nicht sein.“

Dass er selbst ein Geschichtenerzähler ist, der mehrere Bücher veröffentlicht hat, wird manchmal vergessen. Aber es klingt an, dass er mit fremden Liedern und eigenen Texten jetzt auf Deutschland-Tournee geht.

Mit der Berlinale ist Mario Adorf noch länger verbunden als mit seiner Frau. Nicht nur als Freund des Kinos im Publikum. 1964, da fanden die Filmfestspiele in West-Berlin noch im Sommer statt, spielte er eine der Hauptrollen in der Komödie „La visita“ („Der Ehekandidat“), 2002 hielt er die Laudatio auf Claudia Cardinale, als sie den Goldenen Ehrenbären erhielt. 2007 gehörte er der Internationalen Jury an. Jetzt wird sein Werk mit der Aufführung des Porträts gewürdigt. Beim Filmfestival von Locarno übrigens, woher ja der eine der neuen Berlinale-Chefs kommt, erhielt Mario Adorf 2016, im 69. Jahrgang, den Ehrenpreis Pardo alla carriera.

Die Filmkritiker der FR berichten fortlaufend von der Berlinale

Die Meinung der FR im Leitartikel: Endlich Frauensache! Berlinale-Chef Dieter Kosslick hat die Zahl der weiblichen Filmemacher bei dem Filmfestival deutlich erhöht. Das ist mehr als angemessen.

Erste Berlinale-Eindrücke von FR-Filmkritiker Daniel Kothenschulte: Nach einem fatalen Eröffnungsfilm beginnt die Berlinale mit imponierenden Sozialdramen aus Deutschland und Frankreich. 

Läuft wieder für Fatih Akin: Der Hamburger Regisseur und Autor kennt die Höhen und Tiefen des Geschäfts. Jetzt ist er mit „Der goldene Handschuh“ wieder im Rennen.

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Die Berlinale-Kolumne „Bärenmarke“: Popcorn gibt es nicht - Cornelia Geißler über das Los der Filmkritiker*innen

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