Will Smith als sanfter Finanzbeamter.
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Will Smith als sanfter Finanzbeamter.

"Sieben Leben"

Porentiefe Rührung

  • vonMichael Kohler
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Er will Leben retten, dringt als Finanzbeamter in den Alltag möglicher Kandidaten ein: Will Smith als guter Samariter, am Rande der Selbstaufgabe. Von Michael Kohler

So lange sich die Katze noch im Sack befindet, beschleicht einen nur ein mulmiges Gefühl, man ahnt, dass einem die Wahrheit irgendwann ins Gesicht springen wird, Gabriele Muccino, Regisseur von "Sieben Leben", winkt melodramatisch in unsere Richtung. Am Anfang steht jedoch das Rätselraten: Ein Mann kündigt dem Notruftelefon seinen Selbstmord an; er beschimpft einen blinden Telefonverkäufer, um sich hinterher dafür zu schämen; dann umarmt er eine Frau in erlesenem Ambiente, um schließlich als der etwas andere Steuerprüfer durch den Film zu führen. Muccino gewährt uns dabei immer nur einen kurzen Blick auf das Rätseltier.

Will Smith spielt in seinem neuen Film einen guten Samariter, den Schuldgefühle an den Rand der Selbstaufgabe treiben. Er will sieben Leben retten und dringt deswegen als ebenso freundlicher wie hartnäckiger Finanzbeamter in den Alltag möglicher Kandidaten ein. Nicht jeder wird seiner Hilfe für wert befunden, was dem Eindruck entgegen wirkt, Smith habe sich nun gänzlich auf Jesus-Figuren spezialisiert.

Ansonsten passt fast alles: der sanfte Nachdruck in der Stimme, die sakrale Leidensmiene, sogar eine letzte Versuchung konnte Muccino sich nicht verkneifen. Und weil der Samariter zumeist im Krankenhaus nach Opfern sucht, quillt einem die Rührung bald aus allen Poren. Ein US-Kritiker warf sich vor, die Qual, "Sieben Leben" durchzusitzen, zu verführerisch dargestellt zu haben, Motto: Sie müssen es selbst sehen, um es zu glauben. Dieser Warnung ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht eine räudige Katze, die einem am Schluss entgegen springt.

Sieben Leben, Regie: Gabriele Muccino. USA 2008, 123 Minuten.

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