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München-Polizeiruf „Das Licht, das die Toten sehen“ im Ersten: Ist es einfach, zu töten?

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Von: Sylvia Staude

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Bessi Eyckhoff und Caroline Ludwig dort, wo vermutlich Anne starb. Foto: BR/Bavaria Fiction GmbH/Hendrik Heiden
Bessi Eyckhoff und Caroline Ludwig dort, wo vermutlich Anne starb. © BR/Bavaria Fiction GmbH/Hendrik Heiden

„Das Licht, das die Toten sehen“: Ein berührender, auch vom Mitgefühl erzählender München-Polizeiruf.

Frankfurt – Warum, fragt ein Junge Elisabeth Eyckhoff, warum sie eigentlich „die ganze Zeit mit Verbrechern verbringen“ wolle? In einer Schulklasse soll die Beamtin über Gewalt und Prävention, auch über Zivilcourage reden. Sie denkt nach. Sie sagt, sinngemäß, dass sie ja viel mehr Zeit mit den Angehörigen, den von Gewalt Betroffenen verbringt. Dass sie die Beziehungsgeflechte der Menschen interessieren.

Vielleicht hat man sich beim Münchner Polizeiruf 110, nachdem Matthias Brandt nicht mehr weitermachen wollte, überlegt, dass der still beobachtende, mit Bedacht sprechende Ermittler doch von einer ebensolchen Ermittlerin abgelöst werden könnte – und hat dann mit Verena Altenberger die ideale Besetzung gefunden. Oder man wollte Altenberger, weil sie so verflixt viel in ihren Blick packen kann; und hat für sie diese Figur erdacht, die Professionalität mit Mitgefühl zu verbinden weiß.

München-Polizeiruf: „Das Licht, das die Toten sehen“ im Ersten

Nach einem Buch von Sebastian Brauneis und Roderick Warich, in der Regie von Filippos Tsitos trifft Bessie Eyckhoff nun in ihrem fünften Fall, „Das Licht, das die Toten sehen“, auf eine Mutter, deren vor zwei Jahren verschwundene Tochter von der Polizei nicht gefunden wurde, weder tot noch lebendig. Es gibt nur die Aufnahmen von Überwachungskameras, auf denen Anne Geld zu ziehen, in einen Bus nach Italien einzusteigen scheint. Sie gilt als vermisst. Doch jetzt sind Pfadfinder auf die Leiche einer jungen Frau gestoßen, die Ähnlichkeit ist verblüffend. Und die Medien berichten.

Mit einer Haarbürste geht also Caroline Ludwig, Anna Grisebach, zu der ihr bekannten Polizistin. Lieber will sie Gewissheit haben als falsche Hoffnung. „Caroline, es ist nicht die Anne“, sagt Bessie Eyckhoff sanft.

München-Polizeiruf: Bessie Eyckhoff versucht, Mord an einer 16-jährigen aufzuklären

Gerade erst gab es einen bewegenden Franken-Tatort, er hieß schlicht „Warum“, handelte von Eltern, die es nicht aushalten, darauf zu warten, ob wohl die Polizei etwas herausfindet. Jetzt also die Geschichte einer Mutter, nuanciert gespielt von Grisebach, die immer wieder in die Eishalle geht, nach deren Besuch ihre Tochter verschwand, die dort mit Mädchen spricht, die einer anderen jungen Frau, Steffi (Zoe Valks), folgt. Und die sich damit zur Verdächtigen macht – mehr in den Augen von Eyckhoffs „neuem“ Kollegen Dennis Eden, Stefan Zinner, als in den Augen der Kriminalkommissarin.

RolleDarsteller:in
Elisabeth Eyckhoff „Bessie“Verena Altenberger
Dennis EdenStephan Zinner
Gabriele LutzHanna Scheibe
Caroline LudwigAnna Grisebach
Stefanie ReitherZoë Valks
Patrick KundischAniol Kirberg
Sarah LanghammerKarolina Horster
KaroKatharina Stark
August KundischGerhard Wittmann
Martin LudwigMiguel Abrantes Ostrowski
Nadine LudwigTeresa Sperling
GerichtsmedizinerinMarina Lötschert

Denn am Rand läuft mit schöner Beiläufigkeit eine Geschichte mit, dass Kollegen professionell und unaufgeregt, aber dennoch unterschiedlicher Meinung sein können. Dennis Eden findet, Bessie Eyckhoff hätte Caroline Ludwig, die seit zwei Jahren hoffende und verzweifelnde Mutter, nicht so „beauskunften“ dürfen. Beauskunften, was für ein korrektes, in seiner Sperrigkeit grotesk bürokratisches Wort. Seine Kollegin versucht zu erklären, dass alles für sie „über Beziehungen und über Vertrauen“ läuft. Aber auch Eden versucht doch, seine Sache gut zu machen.

Am Rande erzählt „Das Licht, das die Toten sehen“ von jungen Leuten, die sich langweilen, die Drogen verticken und auch selbst Drogen nehmen. Der Vater leitet eine Firma, aber es wird hier einmal nicht suggeriert, dass er sich einfach zu wenig um seine Kinder gekümmert hat.

„Polizeiruf 110: Das Licht, das die Toten sehen“

Sonntag, 15. Mai, 20.15 Uhr, ARD

Polizeiruf 110: Und am Ende wird es noch einmal ganz kalt

Vielleicht hat er, vielleicht hat er nicht. Vielleicht wurde Caroline Ludwig gegenüber ihrer Tochter handgreiflich, vielleicht auch nicht. Dieser München-Polizeiruf macht einen großen Bogen um platte Dialoge, um Küchenpsychologie, um an den Haaren herbeigezogene Motive, Erklärungswut, Aufdringlichkeit.

Und am Ende? Tötet jemand, „weil es einfach war“. Da wird es noch einmal ganz kalt. (Sylvia Staude)

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