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Lou Bronski und Olga Lenski, Luzia Oppermann (l.) und Maria Simon.
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Lou Bronski und Olga Lenski, Luzia Oppermann (l.) und Maria Simon.

TV-Kritik

Polizeiruf 110 (ARD): Eine „Monstermutter“ treibt Lenski in die Enge – bis es zum Showdown kommt

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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„Monstermutter“, der letzte deutsch-polnische Polizeiruf mit Maria Simon. Heute Abend in der ARD.

  • Die ARD zeigt den letzten Lenski-Polizeiruf „Monstermutter“.
  • Ein nicht unbeträchtlicher Anteil an Dialogen besteht aus Gemecker, Vorwürfen und Entschuldigungen, halbherzigen, großherzigen.
  • Das rigide und spontane Vorgehen der „Monstermutter“ prägt das Tempo des Films

Der Brandenburg-Polizeiruf mit Maria Simon als Olga Lenski war meistens nüchtern, eine Art Korrektiv zu Spiel und Spaß am Sonntagabend. Die nicht regelmäßig zum Lachen aufgelegte Ermittlerin stand dabei zuerst acht Folgen lang im unterhaltsamen Kontrast zum verbliebenen Horst Krause, im Anschluss harmonierte sie neun Mal mit dem seinerseits auch nicht gerade witzboldigen Adam Raczek, Lucas Gregorowicz. Aus dem Landkrimi, in dem Krauses Motorrad praktisch die Hühner aufgackern ließ, wurde eine moderne, grenzüberschreitende Serie im coolen zweisprachigen Großraumbüro.

Dass Lenski und Raczek harmonierten, bedeutet nicht, dass sie sich stets wohl miteinander fühlten. Aber es passte und es wundert nicht, dass Raczek nun – in der zehnten gemeinsamen Folge – tödlich beleidigt ist. Lenski hat ihm verschwiegen, dass sie den Dienst quittiert hat. Wir wissen es schon seit 2019. Als wäre das nicht schon schlimm genug, schnepft sie ihn jetzt noch an: Es sei ihre Sache, was sie wem wann sage. Er maunzt kräftig zurück, hat es nachher aber nicht so gemeint.

Die ARD zeigt den letzten Lenski-Polizeiruf „Monstermutter“

Wie wir miteinander umgehen: ein wesentliches Oberthema des letzten Lenski-Polizeirufs „Monstermutter“. Ein nicht unbeträchtlicher Anteil an Dialogen besteht aus Gemecker, Vorwürfen und Entschuldigungen, halbherzigen, großherzigen. Das verdammte Lebensgefühl, dass man nicht immer alles aussprechen soll, was man nicht so meint, verfolgt einen in den Schlaf. Nebst einiger anderer Dinge, dazu gleich mehr.

Für das wachsende Unbehagen ist es also nicht erforderlich, selbst Mutter zu sein, auch wenn sich „Monstermutter“ darum in allererster Linie dreht. „Monstermutter“, ein klassisches Boulevardzeitungswort, und Christian Bach, Buch und Regie, karrt hier auch einiges an klassischem Unheil zusammen. Dass es dann zum Teil mit Leben gefüllt wird, macht die Geschichte interessanter, als es zunächst vielleicht den Anschein hat.

Polizeiruf 110 (ARD): Der Plan der „Monstermutter“ ist dumm und durchaus monströs

Vor allem changiert die Täterinnen-Opfer-Zuschreibung mehr, als der Titel es nahe legt. Die zentrale „Monstermutter“ ist zwar tatsächlich ein Opfer der Umstände – damit rechnet man –, andererseits ist der Plan, den sie nun verfolgt, nicht nur dumm, sondern durchaus monströs. Die Bereitschaft des krimierfahrenen Publikums, dem Jugendamt, überhaupt dem „Amt“, zu misstrauen, wird hier immer wieder unterlaufen.

Nein, Luzia Oppermann spielt die junge Gewalttäterin und Mutter Lou zwar in einem eindrucksvollen Balanceakt zwischen Naivität, Brutalität, geistiger Überforderung und klinischer Unausgeglichenheit, aber man wünscht sich ihre Tochter keinesfalls in ihrer Obhut. In der Eingangsszene überfällt sie ein Lädchen und klaut dem hinten im Auto ordnungsgemäß angeschnallten Kleinkind gleich noch einen Lutscher mit.

Inzwischen war sie im Gefängnis, jetzt ist sie wieder frei und tötet (aber sie hat es nicht so gemeint) eine Jugendamtsmitarbeiterin beim Versuch, den Aufenthaltsort ihrer bei Pflegeeltern untergebrachten Tochter Lilli zu erfahren. Lous zugleich rigides und spontanes Vorgehen prägt das Tempo des Films, denn bald gelingt es ihr durch Zufall, Körperkraft und Entschlossenheit, Lenski als Geisel zu nehmen.

Zur Sendung

„Polizeiruf 110: Monstermutter“, So., ARD, 20.15 Uhr.

„Monstermutter“: In Lenskis letztem Polizeiruf 110 kommen auch Lenskis Tochter und Lenskis Mutter vor

Natürlich kommen in diesem Film auch Lenskis Tochter (sie hasst derzeit ihre Mutter, weil sie nicht mit ihr in die Ferien fahren kann) und Lenskis Mutter vor, und Lous Mutter auch. Lous Mutter, Jule Böwe, spielt mit brillanter Unbrillanz eine heikle Rolle. Aber sie hat es ebenfalls nicht so gemeint. So kommt es zu gutmütigen Augenblicken, die freilich nicht ganz auf der Höhe der zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich zugespitzten Ereignisse sind. Lous ansonsten eher stummer Stiefvater sagt auf einmal: „Lou geht doch wieder Jahre in den Knast, warum lassen Sie ihr nicht ein paar Stunden mit ihrer Tochter.“ Der Polizist sagt: „Ein Geiselaustausch kommt nicht in Frage.“ Lous Mutter, ehrlich überrascht: „Wieso, Lilli ist doch ihre Tochter.“

Das Verfahrene der Gesamtsituation wie der aktuellen Handlung läuft auf ein Showdown hinaus, das der rbb aber nicht vorab zur Verfügung gestellt hat. Stellen Sie sich am Sonntagabend vor, Ihr Apparat würde 16 Minuten vor dem Ende kaputtgehen. Das ist eine üble Sache, ganz übel. Man soll zudem den Film nicht vor dem Abspann loben. Darum gehören diesmal allein Lou die letzten Zeilen: „Was soll denn jetzt noch schlimmer werden?“ (Judith von Sternburg)

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