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Sabine hat schon gemordet, Pöschel (Andreas Guenther, l.) ist ahnungslos.
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Sabine hat schon gemordet, Pöschel (Andreas Guenther, l.) ist ahnungslos.

TV-Kritk

Polizeiruf 110 in der ARD: Wen erschießt Sabine als nächsten?

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Der NDR-Polizeiruf haut uns zu Recht das Elend der Welt um die Ohren und präsentiert weniger einleuchtend eine Frau, der es reicht.

  • Am Wahlabend zeigt die ARD eine neue Folge der Krimiserie „Polizeiruf 110“.
  • In „Sabine“, der neuen Folge des Tatort-Pendants, geht es um eine Zerstörerin, die gelegentlich befriedigt lächelt, aber merkwürdig fremdgesteuert wirkt.
  • Die Polizei im ARD-Krimi ist einerseits wahnsinnig gehetzt, andererseits wahnsinnig abgelenkt.

Frankfurt am Main - Da Autor Florian Oeller und Regisseur Stefan Schaller sehr rasch darüber informieren, dass die Titelheldin die Täterin ist, muss man vor Ausstrahlung des Polizeirufs „Sabine“ in der ARD kein Blatt vor den Mund nehmen. Es ist natürlich möglich und vorstellbar, dass die alleinerziehende und sozial an die Wand gedrückte Mutter eines Grundschülers überlegt, sich das Leben zu nehmen und dann stattdessen loszieht und einige wirklich außerordentlich miese Menschen erschießt, ohne dass jemand etwas davon hätte. Und dass sie damit ihr Leben wegwirft und die Zukunft ihres Sohnes dem vor sich hin dümpelnden Ex überantwortet. „Sie hat gehofft, dass ich’s mal besser hab als sie“, sagt der Sohn der Polizei, „aber das wird nichts.“

„Polizeiruf 110“ in der ARD: Luise Heyer rutscht in die Rolle eines Rostocker Racheengels

Es ist möglich und vorstellbar, dass eine Frau so etwas tut, auch wenn es statistisch sehr unwahrscheinlich ist, aber trotzdem darf man eine solche Geschichte erzählen, klar. Es ist eine Fantasie, das versteht sich von selbst, das ist logisch, aber ist es die Fantasie von Sabine? Und ist das eine dumme Frage, wenn es um eine Filmfigur geht?

Interessant aber doch, dass sie einem einfallen kann, während Luise Heyer im Polizeiruf mit intensivem Tunnelblick, anzuschauen in intensiven Nahaufnahmen, in die Rolle eines Rostocker Racheengels rutscht. Einer Zerstörerin, die gelegentlich befriedigt lächelt, die aber merkwürdig fremdgesteuert wirkt. Und obwohl die Polizei nicht müde wird hervorzuheben, dass sie eine Liste mit konkreten Zielen abarbeitet, fragt man selbst sich womöglich, was Sabine wohl getan hätte, wenn das Drehbuch sie nicht auf einen so stupiden Weg geschickt hätte, den Weg eines Opfers und eines Klischees.

Polizeiruf 110 in der ARD: Sabine bedient sich bei Klischees

Wieso eines Opfers? Weil das der Eindruck ist, den Sabine definitiv vermittelt, bebend, eine gejagte Jägerin. Wieso eines Klischees? Weil Vergeltung bereits ein Klischee ist und „Sabine“ sich trotz starker Szenen (der Mann auf der Parkbank) im Detail gar nicht so sehr für Sabines Pläne zu interessieren scheint. Es reicht „Sabine“, dass alles furchtbar ist. Das ist es in der Tat. An der Stelle glaubt man „Sabine“ jedes Wort.

RolleDarsteller:in
Katrin KönigAnneke Kim Sarnau
Alexander BukowCharly Hübner
Anton PöschelAndreas Guenther
Volker ThieslerJosef Heynert
Henning RöderUwe Preuss
Sabine BrennerLuise Heyer

„Polizeiruf 110“ in der ARD: Eine düstere Welt, die unwahrscheinlich wirkt als Sabines Feldzug

Denn ginge Sabine anders vor, wäre es ein anderer Krimi in der ARD gewesen, aber keine andere Welt. Eine düstere Welt, die weit weniger unwahrscheinlich wirkt als Sabines Feldzug. Die Werft, auf der ihre Zeitarbeitsfirma sie in der „Gastronomie“ einsetzt, steht vor der Abwicklung, weil die Rendite nicht hoch genug ist. Sabines Aufgabe ist es, dem oberkapitalistischen Chef Wasser mit Zitronenstücken zu servieren. Er blafft sie an, wenn sie fürs schlanke Glas zu groß sind, die Stücke. Sabine hört, wie er mit dem Betriebsrat spricht. „Am Ende des Tages sitzen wir alle im selben Boot“, ein vertrauter Satz in den Ohren gebeutelter Beschäftigter von heute, lassen wir ihn uns noch einmal auf der Zunge zergehen. „Am Ende des Tages sitzen wir alle im selben Boot.“

Die dumme Grundschullehrerin traut Sabine nicht zu, den Sohn zum Abitur zu bringen. Der ehemalige Mitschüler hat als Bankfilialleiter offenbar schon diverse Geldanlagen in den Sand gesetzt und will/kann keinen weiteren Kredit bewilligen. Eine Klassenfahrt für 150 Euro: Sabine und ihr Ex lächeln, wie soll das gehen. Die Wende ist übrigens, als wäre sie gestern gewesen.

Zur Sendung

„Polizeiruf 110: Sabine“, Sonntag, 14.03.2021, 20.15 Uhr, ARD

„Polizeiruf 110“ in der ARD: Turteltäubchen von der Kripo

Die Polizei ist einerseits wahnsinnig gehetzt – wen wird Sabine als nächstes erschießen? –, andererseits wahnsinnig abgelenkt. Katrin König, die durch eine veränderte Frisur erschütternd elend aussieht, und Bukow, Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner, turteln sich halbentschlossen durch die Tage. Bei der Trauerfeier für Bukows Vater taucht Bukows Halbschwester auf, Lina Beckmann, offenbar alles sehr belastet. Das ist ein Fall für echte Familie-Bukow-Fans. Andere warten an der Stelle erst mal ab. Und wundern sich darüber, dass das der Polizei wichtiger ist, als die unerträglichen Verhältnisse, die der Racheengel beiläufig in einer anderen Familie im Häuserblock aufdeckt. Irgendwie spielt das keine große Rolle. Aus Sabines Sicht ist das Teil des Problems: dass keiner hinschaut.

Dass der Chef von König und Bukow, Uwe Preuss, ein Herzproblem hat, rundet das Elend ab. (Judith von Sternburg)

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