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Ermittlerin Brasch mit dem Kind der Toten.

Polizeiruf

Polizeiruf 110 (ARD) „Tod einer Toten“ aus Magdeburg: Ein Krimi mit den üblichen Krimi-Problemen

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Der Polizeiruf „Tod einer Toten“ aus Magdeburg findet zwischen Routine und knirschender Logik zu einer dichten Atmosphäre.

  • Der neue „Polizeiruf 110“ kommt aus Magdeburg und ist mit Hauptkommissarin Doreen Brasch und Kriminalrat Uwe Lemp.
  • Beim Polizeiruf 110 in der ARD dreht sich alles um den rätselhaften Fund einer ermordeten Mutter, die schon lange als tot galt.
  • Herauskommt: Ein Krimi, reichlich konstruiert, aber doch auch tragisch.

Ein Krimi erzählt immer Alpträume, die gerade andere erleben, aber der nächtliche Polizeiruf „Tod einer Toten“ aus Magdeburg ist besonders voll davon. Kriminalrat Lemp fährt nach einer Kneipenparty mittlerer Güte angetrunken auf der Landstraße und plötzlich dotzt etwas gegen das Auto, und es ist ein Mann. Nachdem Lemp also alles falsch gemacht hat, versucht er, alles richtig zu machen, aber nun ist der Mann verschwunden. Als er die Strecke am nächsten Morgen abfährt, ist die Polizei schon da, die Leiche aber eine Frau.

Polizeiruf 110 Tod einer Toten (ARD): Manchmal reichlich konstruiert

Der Schauspieler Felix Vörtler lässt hören, wie einem ein Stein vom Herzen fällt. Was Lemps weiteres, insgesamt besonnenes Vorgehen betrifft, bleibt der Text von Michael Ganthenberg, Paul Salisbury und Regisseur David Nawrath gelegentlich eine Spur hinter Vörtlers melancholisch-nüchternem Spiel zurück. Nein, sein Lemp muss keinen so pathetischen Satz sagen wie „Ich kann nicht mehr in den Spiegel schauen“, um deutlich zu machen, dass er in den Grundfesten erschüttert ist.

Das fällt einem wieder ein, wenn Kollegin Brasch, Claudia Michelsen, am Ende klassisch ruft: „Denken Sie an Soundso“, und selbstverständlich ruft sie das jemandem zu, der einen Missetäter erschießen will. Tatsächlich balanciert „Tod einer Toten“ auf dem Grat zwischen ausgewrungenen Konventionen und einer reichlich konstruierten, aber doch auch ernsthaft tragischen Geschichte, in der Schuld – und Schuld gehört offensichtlich zu den größten Alpträumen, wenn die Zeit der Verdrängung vorbei ist – auf vielfältige Weise auftritt.

Polizeiruf 110 Tod einer Toten (ARD): Mehr Atmosphäre als Logik

Wo es knirscht in der Konstruktion, machen Vörtler und Michelsen mit ihrer Bodenständigkeit vieles, fast alles wett. Dazu kommt Christian Kuchenbuch als so wortkarger, trauerumflorter und von der Härte des Schicksals zerfurchter Landwirt, dass man ihm sogar seinen irgendwie unwahrscheinlichen Bauernhof und sein halbherziges Herumgepikse im Mist abnimmt. Vielleicht gibt es das auch wirklich, was wissen wir schon.

Aber zurück zu den Alpträumen. Die Tote ist die Tochter des Landwirts. Da sie den Akten zufolge schon vor vier Jahren bei einem Autounfall starb, nun aber unbescholten unter einem anderen Namen lebte, brauchen die Behörden etwas lange, um zu verstehen, dass nur einer so etwas perfekt hinbekommen kann: die Behörden. Die Tote und ihr Gefährte haben Drogen genommen und gedealt, für die Eltern eine unerträgliche Lage. Der Vater und Landwirt: Er sei fast erleichtert gewesen, als er von ihrem Tod erfahren habe. Also dem ersten Tod.

Polizeiruf 110 in der ARD: Atmosphärische Dichte bei Tod einer Toten

Im Auto der aktuell Ermordeten sitzt noch ein kleines stilles Kind – vor Marion Brasch, die als Frau anscheinend automatisch fürs Kinder-Hochheben und -Erstbetreuen zuständig ist, scheint niemand in den Wagen geschaut zu haben. Nun kommt das Mädchen wie Heidi zum Großvater oder wie Recha zu Nathan dem Weisen. Jedenfalls ist das sehr rührend.

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Tatsächlich ist die atmosphärische Dichte in „Tod einer Toten“ meistens etwas höher als die unmittelbare Logikdichte, trotzdem wird man auch dem Fortgang der Handlung mit Interesse folgen. Die Schuldfrage ist weiter gestreut, als zunächst gedacht. Kein Weg aber führt am Sonntagabend vorbei an mehr oder weniger direkt am Verbrechen beteiligten Schurkinnen und Schurken aus der Immobilienbranche, diesmal vertreten durch die elegante Deborah Kaufmann, die sich einfach überhaupt nicht in die Karten schauen lässt. Schön wiederum Braschs Begegnung mit einer jungen Kollegin aus der Drogenfahndung, Luisa-Céline Gaffron, die fast alles richtig macht.

Polizeiruf 110 Tod einer Toten (ARD): Eigentlich ganz schön

Denn obwohl dieser Polizeiruf stimmungsvoll ist, führt allein der Faktencheck die Ermittlungen voran, niemals das Bauchgefühl, das im Krimi gerne hochgehalten wird. Vor Ort hat die Polizei dann die üblichen Krimi-Probleme. Viel zu wenig Leute, zugleich viel zu viele Leute – „und was macht ihr hier?“. Der hochdramatische Showdown natürlich aufs Gehöft. Zum Finale drängelt sich noch Jennifer Lopez mit „The Hanging Tree“ aus den „Tributen von Panem“ in den Vordergrund. Wo kommt das jetzt plötzlich her? Trotzdem ganz schön.

„Polizeiruf: Tod einer Toten“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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