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Szene aus dem Polizeiruf 110 aus Magdeburg (ARD): Hat er da nun eine Frau verscharrt? Die Kommissarin kann Wegner mal.
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Szene aus dem Polizeiruf 110 aus Magdeburg (ARD): Hat er da nun eine Frau verscharrt? Die Kommissarin kann Wegner mal.

Um wessen Gefühle geht’s hier?

Polizeiruf 110 aus Magdeburg: Ein gelungen harscher Krimi ohne Kompromisse

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Eine Frau verschwindet nach einem Blind Date. Die Suche nach ihr wird im „Polizeiruf 110: Der Verurteilte“ heute im Ersten zu einem ruppigen Zusammenspiel.

  • Das Erste (ARD) zeigt heute Abend (27.12.2020) um 20.15 Uhr den „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg.
  • Im Krimi „Der Verurteilte“ verschwindet eine Frau nach einem Blind Date.
  • Der Film wird von einem Trio aus Kommissarin, Verdächtigem und dessen Frau getragen.

Es gibt in diesem Polizeiruf 110 auch die aus vielen TV-Krimis vertraute Szene, in der Beamte mit Hunden ein Waldstück absuchen. Und den Besuch der Kommissarin im Gefängnis bei dem Mann, der immer seine Unschuld beteuert hat. Es gibt den verzweifelten Vater der verschwundenen jungen Frau (und Mutter), dem die Polizei das Übliche vorleiert: Seine Tochter, eine Altenpflegerin, ist erwachsen und darf „ihren Aufenthaltsort frei wählen“. Der Vater wird der Polizei schwere Vorwürfe machen.

Viel länger als die Liste des Bekannten ist bei „Der Verurteilte“, dem neuen Magdeburg-Polizeiruf mit Claudia Michelsen, aber die Liste der Dinge, die nicht so laufen wie in anderen TV-Krimis. Jan Braren, Buch, und Brigitte Maria Bertele, Regie, haben fast ein Kammerspiel geschaffen, sie haben darin keine scharfe Kante gerundet, machen keine Kompromisse, geben wenig Erklärungen, verweigern jede versöhnliche Geste.

Polizeiruf 110 heute im Ersten (ARD): Ein Trio trägt den Film auf beeindruckende Weise

Doreen Brasch, Michelsen, ist sich bald sicher, dass sie vor Jahren daran beteiligt war, einen Unschuldigen ins Gefängnis zu bringen. Aber ihr Chef, Felix Vörtler als Kriminalrat Lemp, stellt sich nicht hinter sie und ihr paralleles Aufrollen, nein, eigentlich erstmal nur Antippen einer alten Ermittlung. Der Staatsanwalt lässt schon gar nicht mit sich reden, spricht stattdessen von der Verschwendung von Steuergeld. Punkt.

Während von den Nebenfiguren im Polizeiruf aus Magdeburg nicht eben viele Worte gemacht werden, auch nicht ausgewichen und drumrum geredet wird um die Dinge, während Brasch auch nicht der Typ ist, ihren Chef zu bequatschen, steht ein Trio im Zentrum und trägt diesen Film auf beeindruckende Weise: die Kommissarin, allein zu Haus, der verdächtige und kurz auch geständige Markus Wegner, seine Frau Annegret.

Laura Tonke ist Annegret und hält in der Schwebe, wie weit diese Opfer, wie weit (Mit-)Täterin ist. Ihr Blick verrät nichts, manchmal jedoch, meint man, lächelt sie ganz fein. Durchaus kann man aber ahnen, dass sich bei den Wegners zwei gefunden haben, dass eine Art Liebe im Spiel ist. „Ich will ihn aber sehn“, sagt jedenfalls Annegret trotzig, als ihr Markus in Untersuchungshaft sitzt. Sie wird ihn nicht nur sehen, man schickt Wegner nach Hause, es folgt die vielleicht großartigste Szene des Polizeiruf-Films: Die beiden machen Party, trinken und tanzen ab, sind fast außer sich vor Freude. Nur einen Augenblick findet die Kritikerin es unerhört, dass dazu Leonard Cohens „Dance Me To the End Of Love“ läuft.

Polizeiruf 110 heute im Ersten (ARD): Kommissarin noch kürzer angebunden als sonst

Sascha Alexander Geršak ist Markus Wegner, massig, ruppig, rotzig, ein Proll, aber das ist schließlich nicht verboten. Verschlagen vielleicht auch, aber im Gegensatz zu seiner Frau ist er nicht undurchsichtig. Er macht aus seiner Wut und seiner Frauenverachtung kein Hehl, auf alles scheißt er, „von hier bis Meppen“. Polizeiruf-Kommissarin Brasch nennt er „scheiß Bullenfotze“, „scheiß Fresse“, er glaubt, sie kann ihm nichts. Er feixt, grinst, schmatzt, zappelt. Und irgendwann sagt er im Verhör nur noch: „Blablablablablablabla... .“ – bis Brasch aufgibt und geht. Als Kind war er in diversen Heimen, dann in der Jugendpsychiatrie; dieser Film hält sich sehr zurück, das als Entschuldigung für seine Gewalttätigkeit anzuführen.

Bleibt in dieser Dreiecksbeziehung im Polizeiruf aus Magdeburg noch Brasch, die, so die 08/15-Ankündigung, „selbst ins Fadenkreuz“ gerät. Claudia Michelsen hält ihre Kommissarinnenfigur noch kurzangebundener, barscher als sonst, und durchaus konzentriert, wenn auch ein bisschen zu wenig misstrauisch. Dafür muss sie sich dann selbst helfen. Dafür behält sie das letzte Wort in diesem Polizeiruf, der Antworten zu Recht verweigert: „Um wessen Gefühle geht’s hier eigentlich?“ (Sylvia Staude)

„Polizeiruf 110: Der Verurteilte“ ‒ Sonntag, 27.12.2020, 20.15 Uhr im Ersten oder in der ARD-Mediathek.

In ihrem letzten Fall ging Kommissarin Doreen Brasch im Polizeiruf 110 aus Magdeburg dem Mord an einer Frau nach, die eigentlich schon als tot galt.

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