+
Die Anwältin und ihr Mandant: Petra Schmidt-Schaller, Mark Waschke.

„Ein Mann unter Verdacht“

Pokern sie oder gucken sie bloß?

  • schließen

Der ZDF-Krimi „Ein Mann unter Verdacht“ überschreitet die Grenze vom Mysteriösen zum Hölzernen.

Handlungsverläufe, in denen keiner mehr weiß, wem zu trauen wäre, sind im Leben eine Katastrophe, im Kriminalfilm hingegen die reine Freude. Natürlich ist schon vieles, vermutlich alles getan worden, um Figuren sowie Publikum auf diese Weise ins Bockshorn zu jagen. Dennoch probiert das ZDF es unter dem Standardtitel „Ein Mann unter Verdacht“, geschrieben von Stefan Kolditz, inszeniert von Thomas Stuber, einmal wieder aus.

Man sieht Petra Schmidt-Schaller als erfolgreiche Strafverteidigerin, blasiert, aber von des Gedankens Blässe nicht angekränkelt. Man sieht Mark Waschke als Mann, dessen Frau verschwunden ist, und dem sich nun die Polizei auf die Fersen setzt: Peter Kurth und Annika Kuhl, die die Tatort-Seite der Geschichte übernehmen, die immer nur zwischendurch eingeblendet wird. Weiteres Personal wird ein wenig flüchtig präsentiert, darunter Hanns Zischler als Vater der Verschwundenen, dem das Drehbuch keine Gelegenheit gibt, als halbwegs interessanter Widerpart zum offenbar verhassten Schwiegersohn aufzutreten. Dafür wohnen diese Leute übrigens alle schick ohne Ende. Eine coole Lore-Roman-Atmosphäre schwingt mit. Die Möglichkeit, dass die Verschwundene als Kind missbraucht worden ist, bleibt dabei noch mehr in der Luft hängen als ihre lesbischen Beziehungen. Auch muss man sich schon etwas Mühe geben, die Geschichte sowie die Moral von der Geschichte nachzuvollziehen. Beides ist wohl nicht zu hundert Prozent möglich. Bei der Moral denken Sie am Ende bitte noch einmal an die Anfangssequenz. Bei der Geschichte denken Sie am Ende noch einmal an die geheimnisvolle Geburtstagseinladung.

Nun ist begreiflicherweise das Verschwiegene das A und O an einer solchen Geschichte. Jenes Katz-und-Maus-Spielen, bei dem man nicht weiß, wer wer und woran wer ist, fände womöglich gar kein Ende, wenn eine bestimmte Person in einer bestimmten Situation einfach weiterhin die Klappe gehalten hätte. Der Übergang vom Mysteriösen zum Hölzernen, von der flirrenden Poker-Situation zum Jeder-guckt-halt-wie-der-Andere wird hier jedoch immer wieder überschritten, auch wenn Musik (Bert Wrede) und Text das routiniert leugnen. Wer nach dem Tatort vom Sonntag noch Erholung braucht, der ist hier allerdings richtig.

„Ein Mann unter Verdacht“, ZDF, Mo., 20.15 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion