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„Plan b – Da geht was, Deutschland“ (ZDF): Engagiert und einfallsreich in die Offensive

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Von: Harald Keller

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Konstruktiver Journalismus im ZDF: TV Kritik zu „Plan b“.
Konstruktiver Journalismus im ZDF: TV Kritik zu „Plan b“. © Screenshot ZDF.de

Die ZDF-Reportagereihe „Plan b“ greift Alltagsprobleme auf und präsentiert machbare Lösungen. Eine TV-Kritik.

Frankfurt - Die Leserfrage, wo denn das Positive bleibe, inspirierte den Schriftsteller Erich Kästner einst zu einem wenig optimistischen Gedicht. Da heißt es unter anderem: „Die Spezies Mensch ging aus dem Leime/Und mit ihr Haus und Staat und Welt“. Nicht die einzige Zeile in den acht Strophen, die prophetisch auf unsere Gegenwart gemünzt sein könnte. Menetekel sind leichter zu malen, blinde Zuversicht wirkt eher schwärmerisch, gerät bisweilen gar zum Schwulst.

Das Team der ZDF-Reihe „Plan b“ tappt nicht in diese Falle. Aktuelle Herausforderungen für Gesellschaft und Politik sind Themen in den wöchentlichen Reportagen, und immer schaut sich das Team nach konstruktiven, teils bereits erprobten Lösungen um und nach Personen, die ideenreich den Hebel ansetzen.

Reportage im ZDF: Zwischen Olaf Scholz und Geschlechtergerechtigkeit

Am heutigen Samstag (16. Juli) beginnt innerhalb der Reihe ein vierteiliger Zyklus mit der Zwischenüberschrift „Da geht was, Deutschland!“. Diese Anleihe bei der saloppen Jugendsprache gibt die Tonart vor, sie findet sich auch im ersten Beitrag, gewidmet dem Thema Gleichberechtigung.

Was bedeutet eigentlich Geschlechtergerechtigkeit im Jahr 2022, fragt Moderatorin Antonia Lilly Schanze. Und erhält von der Kollegin Anna Thiele die Gegenfrage: „Jetzt, wo wir mit Olaf Scholz eine männliche Kanzlerin haben?“ Eine flotte Pointe zur Einführung, und der Tonfall bleibt auch weiterhin locker, rutscht aber nie in selbstgefälligen Kabarettismus ab.

Schieflage in Deutschland: Frau bekommt weniger, weil Frau Frau ist

In der Wirtschaft haben Männer das Sagen. Anna Thiele zählt auf: Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos – „die bestimmen, was wir denken, was wir einkaufen und wen wir auf Instagram beneiden sollen.“ Mit Tijen Onaran findet sich eine Protagonistin, die politisch aktiv war und sich bei Versammlungen und anderen Veranstaltungen allein unter Männern wiederfand. Schließlich gründete sie, nicht ohne Schwierigkeiten, aber letztlich erfolgreich, ihr eigenes Unternehmen mit dem Ziel, Geschäftsfrauen zu vernetzen, zu fördern und zu unterstützen. Inzwischen ist sie selbst als Investorin tätig.

Begleitet wird das Porträt Onarans von wissenswerten Zahlen. Zum Beispiel zur ungleichen Bezahlung: Wenn ein Mann statistisch gesehen einen Euro verdient, erhält die weibliche Kollegin nur 0,82 Euro. Werben Frauen Investitionen ein, gewährt man ihnen nur
ein Drittel dessen, was männliche Unternehmer akquirieren können. Dabei erzielen Frauen die höheren Erträge: 74 Cent pro investiertem Euro, bei Männern sind es gerade mal 29 Cent. In einer wissenschaftlichen Arbeit würde man diese zugespitzte Statistik ausdifferenzieren müssen, aber die Tendenz ist korrekt beschrieben.

„Plan b“ im ZDF: Hitparade weiblicher Vorbilder

Etwas seltsam mutet an, dass die Filmautorin Amelia Wischnewski ihre flott geschnittene und musikalisch süffig untermalte Reportage (Produktion: Sendefähig GmbH) nach dem Hitparadenprinzip strukturiert, indem die vorgestellten Unternehmerinnen und politisch aktiven Frauen in eine Vorbilder-Rangfolge eingeteilt werden, ohne dass die zugrundeliegenden Bewertungskriterien deutlich werden.

Titel der Reihe:„Plan b – Da geht was Deutschland“
Sender:ZDF
Termine:16. Juli, 23. Juli, 30. Juli, 6. August
Uhrzeit:17.35 Uhr
Mediathek:Alle Folgen sind ab dem 16. Juli in der ZDF-Mediathek abrufbar

Tijen Onaran nimmt Platz 3 ein. Es folgt die Juristin Sandra Runge, der an ihrer früheren Arbeitsstelle einen Tag nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit gekündigt wurde. Sie ist damit eine von 72 Prozent aller werdenden Mütter, die von unterschiedlichen Diskriminierungen im Beruf berichten. Als Konsequenz machte sich Runge mit einer eigenen Kanzlei selbstständig und gründete mit Coworking Toddler ein Unternehmen, das Kinderbetreuung und Arbeitsplätze räumlich verbindet.

Mit Gummis auf Platz 1: Diese Frau zeigt, dass es anders geht

Platz 1 wird Cordelia Röders-Arnold und ihrem Geschäftspartner Waldemar Zeiler zugemessen. Zeiler gründete eine Kondomfirma und übergab sie vor zwei Jahren an die Belegschaft. Die Arbeitsbedingungen sind kinder- und elternfreundlich, und es gibt ungewöhnliche Managementpositionen wie „Head of Menstruation Einhorn“. Der Geschäftsmann Waldemar Zeiler zeigt sich überzeugt: Für Männer ist Feminismus weder Nachteil noch Bedrohung, sondern ein Gewinn.

Die weiteren Folgen der Reihe befassen sich mit den Themen „Fairreisen“ (23.7.), „Gleiche Chancen für unsere Kinder“ (30.7.) und „Zusammen sind wir stärker“ (6.8.), jeweils um 17:35 Uhr im ZDF. Alle Folgen sind ab dem 16.7. in der ZDF-Mediathek abrufbar. (Harald Keller)

Zuletzt zeigte Jan Böhmermann im ZDF, dass die Polizei gegen Hass im Internet untätig ist.

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