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Aber auf „Easy Rider“ festgelegt war er doch: Peter Fonda, posierend im Jahr 2009.

Peter Fonda

Zum Wildsein geboren

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Zum Tod des Rebellen Peter Fonda, dessen „Easy Rider“ Hollywood eine neue Richtung wies. Ein Nachruf.

Gerade zeigt uns Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ sehr erfolgreich das Hippie-Jahr 1969 durch die konservative Brille von Hollywoods alter Garde. Auch Peter Fonda, einer der ersten Stars, die diese neue Zeit hervorbrachte, kannte diesen Blick – von seinem Vater Henry. Kein schlechter Filmstoff wäre auch das: Da ist Hollywoodstar Henry Fonda, politisch liberal, aber im wirklichen Leben ein prügelnder Patriarch. Und das ist sein Sohn, der wie kaum ein anderer Filmschauspieler den Bruch mit dem Establishment verkörpert – und damit ebendieser Filmindustrie unbewusst eine andere Richtung weist. Und mit dem von ihm mitgeschriebenen und produzierten Film „Easy Rider“ das New Hollywood mitbegründet. Die Todesnähe dieses Road Movies könnte eine Wurzel in einer dramatischen Kindheitserfahrung gehabt haben.

Mit zehn Jahren, bei einem versehentlichen Bauchschuss, blickte er dem Tod ins Auge. Als er 1965 John Lennon davon bei einer Party erzählte, wurde daraus die Liedzeile „I know what it’s like to be dead“ im Song „She Said She Said“.

Vier Jahre später produzierte Peter Fonda aus eigenen Mitteln und mit Dennis Hopper als Regisseur „Easy Rider“, eine todesverachtende Unabhängigkeitserklärung an das Establishment. Auch wenn die klaren Bilder und die schwelgerische, etwas chaotische Erzählung bis heute faszinieren – es war wohl nicht die Form dieses Films, die das Hollywoodkino revolutionierte; es war seine Haltung, ein Freiheitsdrang, der aus jedem Bild spricht. Dazu kam ein für Hollywoods Studiobosse beneidenswertes Einspielergebnis: Wenn ein Film nur 380 000 Dollar kostet, aber vierzig Millionen einspielt, dann können auch konservativen Geistern an den Schalthebeln der Industrie die Hippies etwas wert sein.

Unbekannten Filmemachern wurden in der Folge plötzlich Millionenbudgets überlassen. Das „New Hollywood“ wurde geboren, eine der kreativsten Perioden der Filmgeschichte.

Bis heute ist der Einfluss dieses Road Movies, das gerade in einer restaurierten Fassung ein Comeback feiert, spürbar. Auch Tarantino trägt wie Peter Fonda lieber seine Plattensammlung in den Schnitttraum, anstatt einen Komponisten zu bezahlen. Der Steppenwolf-Song „Born To Be Wild“, der erst durch den Film zum Hit geworden war, schien auch Peter Fondas Star-Image zusammenzufassen.

Das elegante und selbstvergessene Rebellentum, das er schon im Jahr 1966 in Roger Cormans Biker-Film „Die wilden Engel“ verkörpert hatte, steckte ihm offenbar in den Gliedern. Er brauchte es nicht zu spielen, und er blieb ihm auch in späteren Jahren treu. Für den Regisseur Steven Soderbergh war es leicht, in seinem Film „The Limey“ 1999 daran anzuknüpfen, als er Peter Fonda als Alt-68er besetzte. Auch in Charakterrollen konnte der alternde Star überzeugen, als Vietnamkriegs-Veteran gewann er 1997 für „Ulee’s Gold“ eine Oscar-Nominierung.

Meist sah man ihn durch eine getönte Brille den Unliebsamkeiten einer Gesellschaft trotzen, die sich nur selten in die Richtung seiner Freiheitsutopien bewegte. In persönlichen Statements verließ ihn mitunter die Lässigkeit seiner Filmrollen. So musste er sich im vergangenen Jahr bei Donald Trump entschuldigen, nachdem er – im Eindruck der Misshandlung mexikanischer Kinder an der amerikanischen Grenze – gewünscht hatte, dessen 11-jährigen Sohn in einen Metallkäfig zu sperren.

Am Freitag starb Peter Fonda 78-jährig in Los Angeles an Lungenkrebs.

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