Heißer Kandidat für den Goldenen Geklimperbären: „Rückkehr nach Montauk“ von Volker Schlöndorff.
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Heißer Kandidat für den Goldenen Geklimperbären: „Rückkehr nach Montauk“ von Volker Schlöndorff.

Glosse

Party für den Geklimperbären

  • vonJens Balzer
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Bei der Berlinale warten alle nur noch auf die Bärenpreise. Fragt sich vor allem, wer Schwindel-, Bettel- und Problembär gewinnen wird.

Nach zehn tollen Tagen mit vielen hervorragenden Filmen, sensationellen Partys, internationalen Topstars und frühlingshaften Temperaturen endet am Sonntag die Berlinale. Am Samstag werden die Bärenpreise verliehen; bereits am Mittwoch hatten wir mit dem Bärenvorhersagealgorithmus den Gewinner des Goldenen Bären berechnet: Es handelt sich um den Film „Bamui haebyun-eoseo honja“ von Hong Sangsoo.

Spannung herrscht hingegen noch in den Nebenkategorien. Wer wird beispielsweise den Schwindelbär für den aufdringlichsten Wackelkamera-Einsatz erringen? Ich plädiere für „Joaquim“ von Marcelo Gomes, dessen Kameramann auch in den ereignisärmsten Momenten im brasilianischen Hinterland des 18. Jahrhunderts sein Gerät schlingern lässt wie auf stürmischer See. Auch in der begehrten Nebenkategorie Goldener Bettelbär dürfte „Joaquim“ triumphieren; der Vorspann mit sämtlichen Sponsoren und Förderinstitutionen war dermaßen lang, dass man sich in der Zeit noch gut ein Getränk holen konnte.

Den Goldenen Geklimperbär für den nervenzerfetzendsten Einsatz sogenannter Neoklassikmusik erhält hingegen „Rückkehr nach Montauk“ von Volker Schlöndorff; er hat sich Max Richter, den Minimalisten des Schreckens und der Ödnis, als Soundtrackkomponisten erwählt, wozu man allerdings sagen muss, dass Richters ebenso banal wie angeberisch getupfte Pianoflächen gut zu den gerade ebenso gewirkten Bildern von Schlöndorff passen.

Den von der „Berliner Schule“ gestifteten Problembär für den Beziehungskistenfilm mit den wenigsten Dialogen könnte „Helle Nächte“ von Thomas Arslan erhalten (Vater und Sohn, die sich nichts zu sagen haben, tun das ausgiebig bei langen Autofahrten durch das nördliche Norwegen); während wir in „The Party“ von Sally Potter erfahren, dass man, wenn man sich zwischen Männern und Frauen konsequent nicht entscheidet, mit seinen Affären noch viel mehr Verwirrung zu stiften vermag als mit dem überkommenen Fremdgehen nach Hetero- und Homo-Manier. Für die beste Darstellung bisexuellen Begehrens sollte dieser Film auf jeden Fall den Bibär erhalten.

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