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Friederike Becht als Profilerin auf der richtigen Fährte, aber auch mit vielen Problemen.

"Parfum", ZDFneo

Das "Parfum", angenehm vage

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Die ZDFneo-Miniserie "Parfum" lehnt sich nur lose an Süskind an, bedient sich aber munter bei Gruselthrillern von heute.

Die neue ZDF- und ZDFneo-Miniserie „Parfum“, produziert von Oliver Berben, kann sich gegenüber skandinavischen und britischen Serien mit Blick auf Grusel, Sex, Perversion, dekorativer Gewalt und einer gut aussehenden, aber schwierig auseinander zu klabüsternden Geheimniskrämerei behaupten. 

Zuerst unterschätzt man die Lage eventuell ein bisschen, fühlt sich zu offensichtlich bedrängt vom Prototyp eines modischen Psychothrillers. Hier schwimmt die (erste) Leiche kompliziert angeschnitten in einem extravaganten Pool, dort liegt der Hund begraben, da sind Kinder unterwegs wie Engel, und hier sieht ein Puff aus, als sei er eben erst aufgebaut worden, um den Eindruck einer besonders verruchten Arbeitsstelle zu vermitteln. Irritierend ist die völlige Geruchslosigkeit, die ausgerechnet über einer Geschichte liegt, in der es um nichts anderes geht.

Die Luft bleibt klar

Selbst in den Szenen, in denen die Figuren ausdrücklich mit Düften und Gestank experimentieren, bleibt die Luft klar, und die Farben sind künstlich brillant wie bei Sonnenschein vor oder nach dem Gewitter. Und dann fängt man hoffentlich an, sich für die Geschichte zu interessieren. 

„Parfum“ basiert angenehm vage auf Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ von 1985, angenehm, weil Tom Tykwers sehr aufwendige klassische Verfilmung (2006) wenig Lust auf mehr geweckt hat. Auch wäre sonst alles klar, sobald man August Diehl an den Apparaturen in seinem Duftlabor sieht. So kann man immerhin sagen: Mal sehen! Drehbuchautorin Eva Kranenburg transportiert die Handlung nicht nur in die Jetztzeit, sondern wählt auch eine weitverzweigte Geschichte, die am Ende des dritten Teils (so viel war vorab zu sehen) noch immer mit dem Verzweigen beschäftigt ist und sich lediglich lose an die Vorlage anlehnt. 

Ansonsten greift sie munter in die Thrillerkiste und zieht einige ehemalige Internatsschüler heraus, dazu zwei Mädchen, die damals gemeinsam eine bizarre, versnobte Clique bildeten. Arge Dinge müssen vorgefallen sein, in einem und um einen ausgesucht gespenstischen Gebäudekomplex. Die Idee, die Handlung am ländlichen Niederrhein spielen zu lassen, ist vorzüglich. In Ödnis und Weite zeigen sich ausgesuchte Perlen ambitionierter und doch nicht recht gelungener Architektur, von Regisseur Philipp Kadelbach nun mit den älter gewordenen, aber nicht alten Schülern bevölkert. Eine der jungen Frauen von einst ist tot aufgefunden worden, offenbar lebte sie überdurchschnittlich promiskuitiv.

Auch wenn das Frauenbild von „Parfum“ insgesamt eigenartig rückständig wirkt (Rückständigkeit ist aber ein Thema der Serie, könnte man friedlich sagen), führt das immerhin zu einer von unheimlich vielen Männern besuchten, quasi umringten Beerdigung. Rückblenden bringen das Publikum allmählich aufs Laufende, während die äußerst smarte Profilerin, Friederike Becht, ihr temporärer Kollege, Juergen Maurer, und der Staatsanwalt, Wotan Wilke Möhring, sehen müssen, wie sie weiterkommen. Es wird aber nicht langweiliger, sondern etwas interessanter, und die besinnungslose Liebe der Profilerin zum Staatsanwalt ist in ihrer Altmodischkeit  reizvoll. Das Hanebüchene und auch Küchenpsychologische wird von aufkommender Spannung und Neugier nach und nach verdeckt. Hinzu kommt eine Besetzung, die gediegen ist, ohne zu sehr damit anzugeben.

„Parfum“, sechs Teile, ZDFneo, Mi., 22 Uhr, Teile 1+2 (und alle Teile in der ZDF-Mediathek). 

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